Mikrobiom Nase Asthma

Dr. rer. biol. hum. Martin Depner, Institut für Asthma und Allergieprävention am Helmholtzzentrum München zum aktuellen Wissensstand zum Mikrobiom der Nase und dessen Einfluss auf die United Airways!

Mikrobiom der Nase: Einfluss auf die United Airways

Vom Mikrobiom des Darmes weiß man mittlerweile schon viel. Das Mikrobiom der Nase ist jedoch noch wenig erforscht. Beim Darmmikrobiom hat sich gezeigt, dass es eine Wechselwirkung zwischen bestimmten Erkrankungen und der Zusammensetzung der Darmbakterien gibt. Ähnliche Erkenntnisse konnte man zum Mikrobiom der Haut gewinnen. Ist das beim Mikrobiom der Nase ähnlich? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. rer. biol. hum. Martin Depner, Institut für Asthma und Allergieprävention am Helmholtzzentrum
München über den aktuellen Wissensstand zum Mikrobiom der Nase und dessen Einfluss auf die United Airways.

Herr Dr. Depner, was weiß man zurzeit über das Mikrobiom der Nase? Mit welchen Fragestellungen beschäftigt sich die Forschung?

Das Mikrobiom ist ja eine sehr junge Disziplin, die allerdings derzeit sehr boomt. Insofern stellen sich da ständig neue Fragen und es ist schwer zu sagen, wozu gerade Forschungsprojekte laufen. Für mich stellen sich erst mal zwei wesentliche Fragen:

1) Wo kommt das Mikrobiom her, bzw. was beeinflusst die mikrobielle Zusammensetzung?

und

2) Was macht das Mikrobiom?

Lassen Sie mich mit der zweiten Frage beginnen, also was macht das Mikrobiom? In der medizinischen Forschung interessiert dabei natürlich vor allem der Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Krankheit, also vereinfacht gesagt: „Findet man bestimmte Bakterien oder auch andere Mikroben wie z. B. Pilze, die sich auf Krankheiten auswirken, sprich das Krankheitsrisiko erhöhen oder vermindern?“ Dabei ist es durchaus auch möglich, dass nicht eine einzelne Gattung von Bakterien, sondern eine Kombination oder ein Zusammenspiel von verschiedenen Keimen relevant ist.

Aber zurück zu den Fragestellungen. Die Suche nach krankheitsrelevanten Bakterien gilt für die Nase genauso wie für andere Regionen des Körpers. Dabei ist es einleuchtend, dass man einen Zusammenhang mit Bakterien, die sich in der Nase befinden, insbesondere für Erkrankungen der oberen Atemwege vermutet, also z. B. Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitis). Aber im Rahmen der „united airways“-Hypothese, welche obere und untere Atemwege als eine Einheit auffasst, ist die Nase dann auch für Erkrankungen der unteren Atemwege interessant. Wir haben ja bereits gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Nasenmikrobiom und Asthma bei Kindern gibt. Dabei haben wir immer beide Seiten im Auge, also nicht nur die schädlichen Keime, sondern auch die Möglichkeit von hilfreichen, also protektiven Faktoren. Oftmals ist eine verringerte Diversität, d. h. Anzahl von Bakterien, ein Indikator für Krankheiten. Deshalb ist anzunehmen, dass es schützende Faktoren bei den Bakterien gibt.

 


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Und was beeinflusst die mikrobielle Zusammensetzung?

Neben dem Zusammenhang mit Krankheit ist für mich auch die Frage interessant, welche Faktoren die Zusammensetzung des Mikrobioms beeinflussen. Gerade für die Nase lässt sich dabei die Umwelt als starker Einflussfaktor vermuten. Dazu gehören verschiedene Länder, städtische oder ländliche Regionen oder, was unser Forschungsgebiet betrifft, Unterschiede zwischen Kindern, die auf einem Bauernhof oder außerhalb eines Bauernhofs aufwachsen. Daneben spielen saisonale Effekte eine Rolle. Alles kann das Mikrobiom modulieren, auch wenn mein Eindruck derzeit ist, dass Unterschiede eher in der Vielfalt der Bakterien als im Auftreten ganz bestimmter Bakterien liegen. So finden wir zumindest von den eher seltenenen Keimen auch viele verschiedene in der Nase. Auch wenn die Nase eine Filterfunktion hat, hat sie doch eine „gewisse Nähe“ zur Umwelt, und deshalb verwundert es nicht, dass wir gerade in der Nase eine hohe interindividuelle Variabilität feststellen.

Es gibt also auch beim Mikrobiom der Nase eine Art individuelles Profil?

Ja, das würde ich so sehen, und diese Vielfalt ist durch viele Faktoren bedingt. Gehen wir etwas von den Umwelteinflüssen weg und schauen uns direkt die Personen an, so spielen u.a. das Alter oder die Medikation eine Rolle. Auch Impfungen können sich auf das Mikrobiom auswirken. Und in der frühen Kindheit wurden auch schon Zusammenhänge mit dem Geburtsmodus oder dem Stillen festgestellt, meist in Bezug auf den Anteil an Corynebakterien.

Insgesamt gibt es also sehr viele mögliche Einflussfaktoren. Insofern ist es in gewisser Weise wieder überraschend, dass es am Ende nur wenige Bakterien sind, welche den Hauptanteil -fast 90 Prozent - der bakteriellen Zusammensetzung in der Nase ausmachen.

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