Nasenpolypen Polyposis nasi Biologika

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert, Klinikchef des Fachbereichs Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Leiter des Upper Airways Research Laboratory, Universität Gent zu neuen Therapien bei Nasenpolypen: Biologika, Reboot-OPs, Forschung!

Nasenpolypen: Klassische vs. neue Therapien – was hilft?

Gibt es bei den monoklonalen Antikörpern auch unerwünschte Nebenwirkungen? Wenn ja, welche?

Bisher glücklicherweise nicht und Omalizumab wird ja zum Beispiel sehr intensiv eingesetzt. Man hatte befürchtet, dass es zu anaphylaktischen Reaktionen kommen könnte, aber das ist sehr selten der Fall. Vereinzelt gab es Bedenken, dass es durch Omalizumab zu einem häufigeren Auftreten von Tumoren kommen könnte und auch diese Befürchtung wurde mittlerweile durch eine große Studie ausgeschlossen. Sicher hat man noch keine Langzeiterfahrungen für alle Biologika, aber bisher erweisen sich die monoklonalen Antikörper als erstaunlich verträglich.

In unseren eigenen Studien haben wir Fälle von Nasopharyngitis gesehen, was vergleichbar ist mit einer Erkältung. In einigen Fällen kam es an der Injektionsstelle, meist werden die monoklonalen Antikörper subkutan oder intravenös verabreicht, zu leichten Reaktionen und manche Patienten berichteten von Kopfschmerzen.

Es handelt sich also um sehr leichte Nebenwirkungen, die zurzeit keine Veranlassung zur Besorgnis geben. Im Vergleich dazu, kommt es durch die klassischen Therapien mit Steroiden zu deutlich stärkeren Nebenwirkungen und eine Komplikation bei einer Operation kann ebenfalls deutlich stärkere Nebenwirkungen verursachen.


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Zu den Kosten der Biologika: Gibt es denn eine Aussicht darauf, dass die Biologika-Therapien in Zukunft kostengünstiger werden könnten?

Hier kann man nur spekulieren. Die Konkurrenz wird sich sicher erhöhen, weil mehrere Hersteller mit Antikörpern auf den Markt kommen. Zudem wird das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) in Deutschland sicher auch bei den Biologika preisregulierend wirken, es wird also Regelmechanismen geben. Hinzu kommt, dass die nächsten, eventuell kostengünstigeren Ansätze, in den Startlöchern stehen.

 

Sie hatten erwähnt, dass, abgesehen von den Biologika, weitere neue Therapieansätze bereits in den Startlöchern stehen….

Man forscht zurzeit sehr intensiv an den Möglichkeiten, über andere Wege als monoklonale Antikörper ähnliches zu erreichen, d.h. die Entzündung anzugreifen.
Es gibt zum Beispiel Publikationen zu Forschungen an einem DNAzyme, einem Enzym, das die Typ 2 Reaktion unterbindet.3) Dabei handelt es sich um kleine Moleküle, die man direkt auf die Nasenschleimhaut aufbringen könnte. Es gibt also neben den monoklonalen Antikörpern noch weitere vielversprechende Therapieansätze, die, wie gesagt, ebenfalls beim Entzündungsgeschehen ansetzen.

Weiter gibt es Ansätze zum Mikrobiom der Nasenschleimhäute. Wir forschen zum Beispiel an Bakterien, die so manipuliert werden, dass sie in der Lage sind, bestimmte Medikamente aktiv zu produzieren. Auch dies wäre ein deutlich kostengünstigerer Ansatz. In Zukunft, hier sprechen wir allerdings von fünf und mehr Jahren, wird es sehr viele Therapiewege geben, die an den gleichen Pathomechanismen angreifen – eine sehr spannende Entwicklung.

Es wird also zukünftig für die Therapie von Nasenpolypen „viele Wege nach Rom“ geben?

Die fundamentale Erkenntnis besteht darin, dass wir nun wissen, dass die Th2-vermittelte Immunreaktion bei der Entstehung von Nasenpolypen von entscheidender Bedeutung ist. Maßgeblich bei den monoklonalen Antikörpern ist der „Proof of Concept“, das heißt, dass wir erstmals die Mechanismen hinter der Entzündung verstehen und die Wirksamkeit der Therapie nachweisen können.

Wir wissen nun, dass, zum Beispiel durch Anti-IgE, die Entzündung angegriffen wird und warum sich der Polyp Score der Nasenpolypen-Patienten deutlich reduziert. Auf Basis dieses Wissens wird es erst möglich zu untersuchen, ob die Entzündung auch auf anderen Wegen angegriffen werden kann, bzw. ob man durch andere Mechanismen ähnliches erreichen kann. Lokale Applikation des Wirkstoffs, Miniaturisierung der Antiköper durch Nanobodies – dies alles sind neue Ansätze für innovative Therapien und mögliche Alternativen zur klassischen Behandlung von Nasenpolypen durch Kortison, und Operationen – eine neue Ära für die Patienten.

Herr Prof. Bachert, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

1) Busse WW, Morgan WJ, Gergen PJ, Mitchell HE, Gern JE, Liu AH, Gruchalla RS, Kattan M, Teach SJ, Pongracic JA, Chmiel JF, Steinbach SF, Calatroni A, Togias A, Thompson KM, Szefler SJ, Sorkness CA, Randomized trial of omalizumab (anti-IgE) for asthma in inner-city children, N Engl J Med. 2011 Mar 17;364(11):1005-15. doi: 10.1056/NEJMoa1009705, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21410369

2) Bachert C, Sousa AR, Lund VJ, Scadding GK, Gevaert P, Nasser S, Durham SR, Cornet ME, Kariyawasam HH, Gilbert J, Austin D, Maxwell AC, Marshall RP, Fokkens WJ, Reduced need for surgery in severe nasal polyposis with mepolizumab: Randomized trial, J Allergy Clin Immunol. 2017 Jul 4. pii: S0091-6749(17)31081-3. doi: 10.1016/j.jaci.2017.05.044. [Epub ahead of print] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28687232

3) Krug N, Hohlfeld JM, Kirsten AM, Kornmann O, Beeh KM, Kappeler D, Korn S, Ignatenko S, Timmer W, Rogon C, Zeitvogel J, Zhang N, Bille J, Homburg U, Turowska A, Bachert C, Werfel T, Buhl R, Renz J, Garn H, Renz H., Allergen-induced asthmatic responses modified by a GATA3-specific DNAzyme. N Engl J Med. 2015 May 21;372(21):1987-95. doi: 10.1056/NEJMoa1411776. Epub 2015 May 17, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25981191

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