Nasenpolypen Polyposis nasi Biologika

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert, Klinikchef des Fachbereichs Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Leiter des Upper Airways Research Laboratory, Universität Gent zu neuen Therapien bei Nasenpolypen: Biologika, Reboot-OPs, Forschung!

Nasenpolypen: Klassische vs. neue Therapien – was hilft?

Stehen denn Biologika zur Therapie von Nasenpolypen bereits zur Verfügung?

Es gibt drei wesentliche Biologika, zu denen zurzeit Phase-III-Studien zur Behandlung von Nasenpolypen mit monoklonalen Antikörpern durchgeführt werden:

• Anti IL-5 Rezeptor Mepolizumab

• Anti-IL-4 Rezeptor alpha Dupilumab

• Anti IgE Omalizumab

Alle drei Präparate zeigen zum Teil sehr gute Ergebnisse. Wir haben gerade eine Biologika-Studie an Patienten publiziert, die trotz einer Therapie mit topischen Kortikosteroiden unter wiederkehrenden eosinophilen Nasenpolypen litten. Der Operationsbedarf hat sich bei diesen Patienten unter der Anti IL5-Therapie deutlich reduziert.2)

Für 2018 rechnen wir mit Ergebnissen der Phase-III-Studien und für 2019 mit der Indikation, und erst dann können Nasenpolypen-Patienten therapiert werden.

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Wären diese drei Medikamente ab 2018 dann grundsätzlich zur Therapie von Nasenpolypen einsetzbar?

Einschränkend muss gesagt werden, dass die Biologika auch beim Asthma nicht bei jedem Patienten eingesetzt werden, es gibt hier „Selektionsmechanismen“. Deshalb werden Biologika zur Asthmatherapie erst dann eingesetzt, wenn es sich um ein schweres Asthma handelt und wenn alle anderen Therapien nicht zur Symptomkontrolle geführt haben.

Bei den Nasenpolypen wird man diese „Selektionsmechanismen“ ebenfalls einsetzen, die Frage ist nur, in welcher Form. Denkbar wäre, dass der Einsatz von Biologika bei Nasenpolypen z.B. an eine bestimmte Anzahl vorangegangener Operationen geknüpft wird oder an ein Begleitasthma. Die Einschränkungen stehen noch nicht fest, aber es wird sie geben, denn die Therapien mit Biologika sind teuer.

 

Dabei würde es den Nasenpolypen Patienten viel ersparen, wenn die Biologika früher eingesetzt würden …

Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass die Patienten immer eine Therapie bevorzugen würden, die ihnen eine Operation erspart. Bei den Nasenpolypen kommt erschwerend hinzu, dass zumindest die Operationen, die heutzutage noch weitgehend üblich sind, nicht lange den erhofften Erfolg bringen, hier muss man sicher umdenken.

Allerdings ist eine Draf III-Operation eine sehr umfangreiche Maßnahme und auch für den Operateur eine große Kraftanstrengung. Auch nach über 10.000 Operationen und mit viel Routine benötige ich ca. 2,5 Stunden für eine „Reboot-Operation“. Für eine „normale“ Nasennebenhöhlenoperation braucht man hingegen deutlich weniger Zeit. Dementsprechend sind auch nur wenige Kliniken auf die Draf III-Operation spezialisiert und hier braucht man Alternativen für die Patienten, die anders nicht zu versorgen sind und die durch eine Therapie auch nicht in eine Steroid-Unabhängigkeit kommen sollten.

Inwiefern kann man absehen, wie nachhaltig die Biologika-Therapien bei der Behandlung von Nasenpolypen sind?

Natürlich hat man Erfahrungen mit der Behandlung von Asthma, wo die Antikörper ja bereits seit längerem eingesetzt werden, und zum Teil auch bei Neurodermitis. So konnte man beobachten, dass gerade Patienten mit Asthma und Nasenpolypen ganz besonders von Biologika profitieren, weil sich nicht nur die Asthmasymptome, sondern auch die Nasenpolypen verbessern. Auch zu den Nebenwirkungen wissen wir durch die Erfahrung mit der Asthmatherapie schon sehr viel, denn die Nebenwirkungsdaten sind bei den monoklonalen Antikörpern, unabhängig von der Indikation, immer die gleichen.

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