Nasenpolypen Polyposis nasi Biologika

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Claus Bachert, Klinikchef des Fachbereichs Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Leiter des Upper Airways Research Laboratory, Universität Gent zu neuen Therapien bei Nasenpolypen: Biologika, Reboot-OPs, Forschung!

Nasenpolypen: Klassische vs. neue Therapien – was hilft?

Wie werden Draf III-Operationen bei Nasenpolypen durchgeführt?

Ich selbst führe diese Operationen mit großem Erfolg bei etwa 5 bis 10 Prozent meiner Nasenpolypen-Patienten durch. Die Kriterien hierfür sind, dass der Patient unter Typ-2-Nasenpolypen leidet, das heißt die entsprechenden Biomarker wie die Eosinophilen und IgE liegen vor und dass bereits Nasenpolypen-Operationen durchgeführt wurden, die nicht zum gewünschten Ergebnis führten, weil die Polypen wiederkehrten.

Ich nenne diese extensiveren Eingriffe „Rebooten“. Gemeint ist damit, dass man die Schleimhaut mitsamt ihren „Fehlern“ quasi auf „Anfang“ stellt. Die Entzündung mitsamt seinen Epitheldefekten und negativ wirkenden Bakterien (Mikrobiom) und den Schwächen der Abwehr, z.B. gegen Viren und Bakterien, wird beseitigt und das Mikrobiom wird wieder auf „Start“ gesetzt. Bewahrt werden die Schleimhäute der Nasenscheidewand, des Nasenbodens und, unter Umständen, der mittleren Nasenmuscheln, und nach sechs bis acht Wochen bildet sich davon ausgehend auch in den Nasennebenhöhlen wieder eine sehr feine, funktionierende neue Schleimhaut.

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Kann man schon abschätzen, wie lange der Effekt einer Draf III-Operation bei Nasenpolypen anhält?

Das Ziel der Draf-III-Operationen bei Nasenpolypen ist es, die Entzündung zu unterbinden. Dafür ist es nötig, tatsächlich alle am Entzündungsgeschehen beteiligten „Spieler“, und wir wissen noch längst nicht, welcher Spieler welche Rolle spielt, aus dem „Spiel“ zu nehmen und neu anzufangen.

Da es sich bei den Draf-III-Operationen von Nasenpolypen um eine relativ neue Herangehensweise handelt, konzentrieren sich unsere aktuellen Untersuchungen auf die ersten drei Jahre. Die Ergebnisse scheinen sehr viel besser zu sein, als bei herkömmlichen Methoden, und wir arbeiten aktuell an Publikationen zu unseren Untersuchungen zum Entzündungsverlauf bei den Patienten.

 

Welche weiteren Therapieoptionen zur Behandlung von Nasenpolypen gibt es?

Die neuen Therapieformen zur Behandlung von Nasenpolypen, die Biologika, verfolgen im Grunde den gleichen Ansatz wie die Draf-III-Operationen, denn auch sie verändern das Mikrobiom der Nasenschleimhaut. Entscheidend ist, dass die Therapie gegen die Entzündung gerichtet ist, sei es durch die Entfernung aller betroffenen Schleimhäute oder durch die Gabe eines Antikörpers, der diese Entzündung vollständig beherrscht. Gelingt dies, werden sich sekundär auch andere Veränderungen einstellen, zum Beispiel wird die Epithelbarriere wieder aufgebaut. Außerdem wird dadurch den pathologischen Keimen des Mikrobioms die Lebensgrundlage entzogen und sie werden durch andere Keime ersetzt.

Zum Teil konnte man diesen Effekt in einer sehr interessanten Studie zum Innercity Asthma sehen.1) Dort konnte man zeigen, dass es bei Asthmatikern deutlich seltener zu viralen Infekten kommt, wenn man die Th-2-Entzündung abstellen kann. Das heißt, die chronische Entzündung ist ein schwächender Faktor im Schleimhautgewebe, die von Viren, Bakterien, Pilzen etc. ausgenutzt wird und die Entzündung befeuert. Sobald der Defekt, das heißt die Entzündung, aber unterbunden ist, spielt sich das System wieder ein und kehrt zu einem gesunden Niveau zurück.

Auch die Biologika-Therapie der Nasenpolypen hat also zum Ziel, die Entzündung zu bekämpfen…

Wie bei der Asthmatherapie auch, ist das Ziel der Biologika-Therapie der Nasenpolypen, die Typ-2-Entzündung anzugreifen. Die Mechanismen sind dieselben, egal ob es um die unteren oder um die oberen Atemwege geht. Auch die Mediatoren sind bei Asthma und Nasenpolypen die gleichen, IL-4, IL-5, IL 13, vielleicht IL-33, und IgE. Dementsprechend helfen auch die gleichen Moleküle beim Angriff der Entzündung der oberen und unteren Atemwege. Ca. 85 Prozent unserer Nasenpolypen-Patienten können mit den gleichen Antikörpern behandelt werden wie das schwere Asthma, das in der Regel auf die Biologika-Behandlung nur anspricht, wenn es sich um eine Typ-2-Entzündung handelt.

Hinzu kommt, dass bei vielen Patienten mit Th-2-Typ Nasenpolypen ohnehin ein Begleitasthma vorliegt. In der Vergangenheit hat man bei diesen Patienten allerdings hauptsächlich das Asthma behandelt, die Nasenpolypen standen weniger im Fokus. Das liegt daran, dass man Nasenpolypen eher als „chirurgische Erkrankung“ wahrgenommen hat, und erst jetzt anfängt, pharmakologische Lösungen in Betracht zu ziehen. Wichtig ist dabei, die Pathophysiologie zu verstehen und bei der Therapieentscheidung zu berücksichtigen.

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