Etagenwechsel Allergie

Dr. Bernhard Sehrbundt, Leiter der Hochschulambulanz der Hals- Nasen- Ohrenklinik, Universitätsklinikum Marburg

Etagenwechsel: Anzeichen, Verlauf und Gegenmaßnahmen - Eignet sich die Spezifische Immuntherapie (SIT) für alle Allergien gleichermaßen – wie sind die Erfolgsaussichten?

Eignet sich die Spezifische Immuntherapie (SIT) für alle Allergien gleichermaßen – wie sind die Erfolgsaussichten?

Es gibt "starke" Allergene,  und Allergene die weniger "stark" sind und wahrscheinlich auch ein weniger ausgeprägtes Krankheitsbild verursachen. Bei der Pollenallergie ist die Gräserallergie der Klassiker eines "starken" Allergens. Speziell im Fall einer Gräserallergie gibt es mittlerweile mehrere wirksame und gut erprobte Präparate für die Spezifische Immuntherapie (SIT) und dementsprechend kann hier durch eine rechtzeitige Immuntherapie oft einen Etagenwechsel verhindert werden. So ist die Spezifische Immuntherapie (SIT) unterschiedlich erfolgreich bei verschiedenen Allergien. Man kann also nicht von einer globalen Erfolgsquote der SIT in irgendeiner Prozentzahl sprechen.

Die Hausstaubmilbenallergie, z. B., welche eigentlich das ganze Jahr über aktuell ist, in der feuchten Jahreszeit vielleicht sogar in etwas stärkerem Maße, eignet sich ebenfalls für eine SIT , allerdings ist hier der Erfolg oft nur mäßig und es kann dennoch zu einem Etagenwechsel zum allergischen Asthma kommen.

Auch bei der Schimmelpilzallergie liegt das ganze Jahr über ein Allergiepotenzial vor, allerdings sind die Erfolgsaussichten der SIT hier höher als bei der Milbenallergie.

Dies gilt auch für die Allergien gegen Tierhaare. Ganz besonders für Katzen gilt, dass die Allergenkarenz die beste Therapie ist, auch wenn das für die Kinder oft schmerzlich ist. Für Familien mit atopischen  Kindern bzw. mit Kindern, die eine atopische Prädisposition (erhöhtes Risiko eine Allergie zu entwickeln) haben gilt die Empfehlung, kein Felltiere anzuschaffen, d.h. keine Katze und keine Kleintiere bzw. Nager, wie Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen etc.. Oft hören die Familien das nicht so gern, es ist aber empfehlenswert, denn nur so erreicht man eine Primärprävention und kann noch vor der Ausbildung einer Allergie etwas tun.

 


Advertorial

Für den Erfolg der Spezifischen Immuntherapie spielt die Diagnose eine wichtige Rolle. Was ist hier wichtig? 

Zunächst ist es wichtig, sich nicht alleinig auf die Gesamt IgE-Bestimmung zu verlassen. Man hat das in der Vergangenheit gemacht, aber ein erhöhtes Gesamt-IgE hat nur eine geringe Aussagekraft und gibt lediglich den Hinweis auf eine allergische Prädisposition (Wahrscheinlichkeit in Zukunft eine Allergie zu entwickeln). Es gibt jedoch gewisse Hinweise aus Studien, dass ein erhöhtes Gesamt-IgE im Nabelschnurblut ein positiver Prädiktionsfaktor für die Wahrscheinlichkeit im späteren Leben eine Allergie zu entwickeln ist.

Sinnvoller sind spezifische Tests wie der Prick-Test, den man dann mit speziellen organspezifischen Provokationstests bestätigen sollte, entweder durch eine nasale Provokation, eine konjunktivale (am Auge) Provokation, eine bronchiale Provokation bzw. einen epikutanen Patchtest, wie ihn der Hautarzt durchführt. Wenn eine Blutuntersuchung durchgeführt werden soll, sollte man eine RAST Diagnostik mit Bestimmung der Antikörperanzahl gegen bestimmte Allergen durchführen. Dieses Verfahren ist besonders bei kleinen Kindern geeignet, welche noch nicht einer organspezifischen Testung zugeführt werden können. Sehr genaue Diagnosen liefert neuerdings auch die molekulare Allergiediagnostik.

Sollte man also immer eine Spezifische Immuntherapie (SIT) durchführen, um einen Etagenwechsel zu verhindern?  

Man sollte, wenn sich die Möglichkeit bietet, immer eine Spezifische Immuntherapie (SIT) anstreben, da diese die besten Erfolgsaussichten hat und gleichzeitig die einzige kausale (d.h. ursächliche) Therapie darstellt. Dies, weil oftmals eine völlige Allergenkarenz (vollkommene Vermeidung des Kontaktes mit der allergieauslösenden Substanz) nicht möglich ist.  Die Möglichkeit zu einer erfolgreichen SIT bietet sich dann, wenn wenige  starke Allergien vorliegen. Bei ein oder zwei Allergien, kann man mit einer gezielten Immuntherapie in den meisten Fällen ein späteres Asthma verhindern.

Wenn man schon die allergische Rhinitis adäquat angeht, hat man eine gute Chance, eine Verschlechterung zu vermeiden – dies kann bestenfalls den allergischen Marsch stoppen, oder aber in vielen Fällen zumindest eine Verschlechterung vermeiden.

Die Spezifische Immuntherapie (SIT) wird schon seit über 16 Jahren eingesetzt und mittlerweile ist durch die neuen Anwendungsformen, z.B. die Tablettenform für die Gräserallergie oder mit der Sublingualen Therapie bzw. der Oralen Therapie eine wesentlich höhere Patienten-Compliance (Akzeptanz der Darreichungsform und damit Therapietreu und Konsequenz durch den Patienten) zu erreichen. Es ist heute nicht mehr so wie früher nötig, dass der Patient zur Behandlung einmal wöchentlich für eine halbe Stunde die Arztpraxis aufsuchen muss, um eine Spritze zu bekommen. Die Erstgabe bei der sublingualen und auch bei der oralen Therapie sollte unter ärztlicher Aufsicht in der Praxis erfolgen, danach kann die weitere Therapie zu Hause erfolgen, vorausgesetzt es kam bei der Erstgabe nicht zu lokalen oder allgemeinen Reaktionen. Für die Patienten ist dies wesentlich angenehmer.

Außerdem hat eine solche präventive Behandlung auch volkswirtschaftliche Implikationen. In einer neuen US-amerikanischen Studie, die vor zwei Monaten in Florida anhand eines sehr großen Patientenkollektivs durchgeführt wurde konnte nachgewiesen werden, dass die Kosten für das Gesundheitssystem durch eine adäquate Immuntherapie um 30 Prozent gesenkt werden können, wenn man Asthma vorbeugt anstatt es zu behandeln, nachdem es entstanden ist. Angesichts der geschätzten jährlichen globalen Kosten für die Behandlung von Allergien in Höhe von 5 Milliarden USD bedeutet dies eine immense Einsparung für die mit knappen Mitteln ausgestatteten öffentlichen Gesundheitssysteme.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.