allergische Rhinitis Verordnung

Prof. Dr. med. Ludger Klimek, Leiter des Allergiezentrums Wiesbaden

Allergische Rhinitis: Was hilft und was kann verordnet werden?

Antihistaminika und topische Glukokortikosteroide sind international als leitliniengerechte Therapeutika bei einer wiederkehrenden oder andauernden allergischen Rhinitis anerkannt. Dennoch wird diese Erkrankung in Deutschland meist unzureichend therapiert [1] „Allergische Rhinitis wird immer noch verharmlost. Zudem sind die Standardtherapeutika in den meisten Fällen für gesetzlich versicherte Patienten nicht verordnungs- bzw. erstattungsfähig.     

Und das, obwohl für die Betroffenen ohne eine adäquate Behandlung eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität und des Leistungsvermögens besteht [2] - einschließlich der damit einhergehenden sozioökonomischen Folgen“, so Prof. Dr. med. Ludger Klimek, Leiter des Allergiezentrums Wiesbaden auf der 84. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am 8. Mai 2013 in Nürnberg.

In den Arzneimittelrichtlinien [3] sind eine Reihe von Zweitgenerationsantihistaminika von der Verordnungsfähigkeit und damit Erstattung ausgenommen. Die Kosten für diese Medikamente zur Behandlung von allergischer Rhinitis müssen gesetzlich Krankenversicherte somit selbst tragen. „Aufgrund der heutigen medizinischen Datenlage zu Antihistaminika und topischen Glukokortikosteroiden ist es mir jedoch absolut unverständlich, dass diese beiden Präparategruppen den Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung nur eingeschränkt verordnet werden dürften“, betont Klimek.


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Einen Ausweg aus diesem Dilemma könnte ein vor kurzem in Deutschland zugelassenes Medikament bieten. Es ist verordnungs- und erstattungsfähig und enthält die Wirkstoffe Azelastin und Fluticason. Diese weisen eine höhere Wirksamkeit als die Einzelwirkstoffe auf, wie Studien zeigen [4, 5]. „Damit haben Patienten endlich wieder die Option auf eine leitliniengerechte Therapie, die von den Gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen wird. Es bleibt zu hoffen, dass wieder mehr Patienten den Allergologen aufsuchen und eine solche Behandlung erhalten“, schließt Klimek.

In Deutschland ist aufgrund der Arzneimittelrichtlinien nur bei schwerwiegenden Formen der allergischen Rhinitis eine Verordnung von Antihistaminika möglich – nämlich dann, wenn zuvor verabreichte nasale Glukokortikosteroide nicht ausreichend wirken. Doch auch deren Verordnung ist nicht immer unproblematisch. „Obgleich sie als wirksamste pharmakologische Therapie bei der Allergischen Rhinits gelten, stufen Pharmakotherapieberater und Prüfgremien alle topischen Steroide häufig als gleichwertig ein - ohne die vorhandenen Unterschiede in der Wirksamkeit, bei den Nebenwirkungen, den pharmakologischen Eigenschaften und der systemischen Bioverfügbarkeit zu berücksichtigen“, so Klimek.


Dilemma Allergische Rhinitis-Therapie: Wirtschaftlichkeit contra Wirksamkeit

Die Ärzte müssen aufgrund fehlender Vergleichsstudien letztlich allein auf die Wirtschaftlichkeit achten – zumal ihnen die Beweis- und Dokumentationspflicht obliegt und die Gefahr von Regressansprüchen besteht. „Dies führt dazu, dass die neueren, sowohl in der Wirksamkeit als auch im Nebenwirkungsprofil günstigeren Glukokortikosteroid -Präparate viel zu wenigen Patienten mit allergischer Rhinitis verschrieben werden“, erläutert Klimek.

Dabei liegen heute medizinische Daten aus ca. 100 randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studien für etwa 20.000 Patienten vor, aus denen sich eine evidenzbasierte Rationale für den Einsatz von Antihistaminika bzw. topischen Glukokortikosteroiden ableiten lässt.

Verordnungsfähigkeit von Homöopathika und Antroposophika trotz mangelnder Evidenz

„Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass Antihistaminika und topische Glukokortikosteroide in Deutschland für gesetzlich versicherte Patienten nicht uneingeschränkt verordnet werden dürfen“, gibt Klimek zu bedenken. „Hingegen dürfen Homöopathika und Anthropsophika – laut § 12 Abs. 6 AMR – bei schwerwiegenden Erkrankungen sehr wohl zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet und erstattet werden. Nämlich dann, wenn sie als Standardtherapie in der jeweiligen Behandlungsrichtung, also der Homöopathie bzw. antroposophischen Heilkunde, gelten“, erläutert der Allergologe. Im Falle der Therapie von allergischer Rhinitis fänden sich laut Klimek in der Literatur jedoch keine Daten zur Wirksamkeit solcher Präparate, die nach vergleichbaren Kriterien wie in den Studien zu Antihistaminika und Glukokortikosteroiden erhoben wurden.

Ausweg aus dem Verordnungsdilemma - für eine bessere Therapierung allergischer Rhinits

Abhilfe könnte das vor kurzem in Deutschland zugelassene Medikament schaffen. Für das Nasenspray wurden die beiden Wirkstoffe Azelastin und Fluticason galenisch zu einer neuartigen kombinierten Aufbereitung weiterentwickelt. Dadurch unterscheidet es sich von allen anderen derzeit verfügbaren Antihistaminika und Glukokortikosteroiden. Studien [4, 5, 6] belegen neben der guten Verträglichkeit des Präparats eine signifikante Verbesserung der Wirksamkeit (p<0,001) gegenüber den beiden Einzelwirkstoffen, insbesondere eine schnellere und umfassendere Reduktion der nasalen und okularen Symptome. Das Präparat ist rezeptpflichtig sowie verordnungs- und voll erstattungsfähig. „Damit haben Patienten erstmals seit 2006 wieder die Option auf eine verordnungsfähige, leitliniengerechte Therapie, die evidenzbasiert und zielgerichtet ist“, schließt Klimek.

Literatur:

[1] Bousquet PJ et al. Int Arch Allergy Immunol 2012;160(4):393-400
[2] Hellgren J et al. Allergy 2010;65(6): 776-783
[3] Gemeinsamer Bundesausschuss, Arzneimittelrichtlinie Anhang 1
[4] Hampel FC et al. Ann Allergy Asthma Immunol 2010;105:168-173
[5] Carr W et al. J Allergy Clin Immunol 2012;129:1282-1289
[6] Price D et al. Allergy 2012;67(Suppl 96)336-337

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