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Molekulare Allergiediagnostik Komponentendiagnostik

Dr. Petra Zieglmayer, wissenschaftliche Leiterin am Allergieambulatorium Wien West und medizinisch-wissenschaftliche Direktorin bei Thermo Fisher Scientific zur molekularen Allergiediagnostik!

Molekulare Allergiediagnostik: Wer braucht die differenziertere Diagnostik?

Um bei dem Beispiel Birkenpollenallergie zu bleiben: Welche Rolle spielen die Panallergene Bet v 2 und Bet v 4 für eine korrekte Allergiediagnose und wo ist das Problem?

Bet v 2 (ein Profilin) und Bet v 4 (ein Polcalcin) werden deshalb als Panallergene bezeichnet, weil sie in einer Vielzahl von unterschiedlichen pflanzlichen Allergenquellen vorkommen. Zu den Panallergenen gehört zum Beispiel das Profilin deshalb, weil es bei 20 Prozent unserer Patienten im klassischen Allergietest zu positiven Ergebnissen führt, was bedeutet, dass es vom Immunsystem häufig erkannt wird. Allerdings findet man das Profilin in quasi jeder Zelle. Weiter gibt es das Panallergen Polcalcin, bei dem die Sensibilisierungsraten bei unseren Pollenallergikern bis zu 12 Prozent betragen. Das Polcalcin kommt in allen Pollen vor.

Das Problem ist: Wenn ein Pollenallergiker Antikörper auf diese Panallergene, d.h. auf Minorallergene bildet, werden diese Panallergene „mitdiagnostiziert“, wenn die Diagnose mit den klassischen Allergenextrakten durchgeführt wird. Man erhält dann ein positives Testergebnis auf sehr viele verschiedene Allergieauslöser, z.B. Birke, Gräser, Kräuter etc. obwohl die Panallergene klinisch nicht bedeutsam, d.h. nicht symptomrelevant sind. Das Immunsystem des Patienten zeigt die Panallergene zwar an, aber verantwortlich für die Allergiesymptome sind sie nicht. Für den Arzt stellt sich dann das Problem, zu beurteilen, welche der vielen positiven Extrakte die klinisch relevante Sensibilisierung zeigt, denn nur darauf kann eine erfolgreiche Immuntherapie aufsetzen. In einem solchen Fall werden mit der molekulare Allergiediagnostik differenziertere Ergebnisse erhalten, die man für eine eindeutige Diagnose braucht. Eingesetzt wird in der Regel primär jedoch nicht die molekulare Allergiediagnostik, sondern klassischerweise die Standard-Extraktdiagnostik.

Ein weiteres Problem, das sich daraus ergibt, dass relativ viele Patienten auch auf Panallergene sensibilisiert sind, ist, dass diese Allergene üblicherweise auch eine Kreuzreaktivität besitzen. Mit der molekularen Allergiediagnostik kann zwischen der klinisch relevanten Primärsensibilisierung und einer Kreuzreaktion unterschieden werden.

Welche Probleme ergeben sich für die Allergiediagnose durch die Kreuzreaktivität?

Dazu muss man wissen, dass ein allergischer Patient auf verschiedene Allergenkomponenten Antikörper bildet. Das bedeutet, das Immunsystem des Körpers erkennt die einzelnen Komponenten und kann diese auch voneinander unterscheiden. Aber: Bei allergenen Proteinen, die strukturähnlich in anderen Allergenquellen vorkommen, fällt dem Immunsystem die Unterscheidung manchmal schwer. Dann kann es z.B. passieren, dass der Antikörper, der eigentlich auf das Bet v 1 der Birke gerichtet ist, auch auf ein homologes, d.h. sehr ähnlich strukturiertes Allergen aus einem Nahrungsmittel, reagiert und auch klinisch Symptome verursacht. Bei der Birke ist dies der Grund für die sekundären Nahrungsmittelallergien, die gerade bei Birkenpollenallergikern mit 70% Häufigkeit auftreten. Typischerweise können Birkenpollenallergiker deshalb auf Bet v 1-homologe Allergene in Nahrungsmitteln wie Äpfel, Birnen, Kirschen oder Pfirsichen eine Kreuzreaktivität entwickeln.

Und: Ich habe diese Mechanismen zwar am Beispiel der Birke beschrieben, aber dieses Phänomen tritt nicht allein bei einer Allergie auf Birkenpollen auf. Auch bei vielen anderen Allergien, z.B. auf Gräserpollen, Kräuterpollen oder auch Insektengiften, gibt es häufig strukturverwandte Allergene aus anderen Allergenquellen, die das Immunsystem des Patienten fälschlicherweise „erkennt“. Aber wie gesagt: Diese Allergene müssen nicht zwangsläufig für die klinische Symptomatik des Patienten verantwortlich sein.

Deshalb ist es ausgesprochen wichtig, dass bei der Allergiediagnose das relevante Allergen, das für die Primärsensibilisierung verantwortlich ist und die Symptome verursacht, exakt identifiziert und dann auch für die Allergenimmuntherapie eingesetzt wird. Hier bietet die molekulare Allergiediagnostik einen wesentlichen Mehrwert.

Heißt das, die molekulare Allergiediagnostik sollte zum Einsatz kommen, wenn die traditionelle Standarddiagnostik multiple Allergien ausweist?

Nein, nicht zwangsläufig. Es gibt in den Leitlinien ganz klare Indikationsstellungen dafür, wann eine  Hauttest-Diagnostik kontraindiziert und daher eine serologische Diagnostik indiziert ist. In welchen Fällen der Arzt mit der molekularen Allergiediagnostik die einzelnen Allergenquellen testet, hängt neben der Fragestellung, wie etwa einer Risikoabschätzung oder gezielten Immuntherapieplanung, von seinen Fachkenntnissen und seiner Erfahrung ab. Im Grunde sollte die molekulare Allergiediagnostik aber bereits dann zum Einsatz kommen, wenn die Anamnese darauf hinweist, dass mit der Extraktdiagnostik die zu klärenden Fragen nicht hinreichend beantwortet werden können.  

Bei welchen Allergien braucht man zur präzisen Allergiediagnose die molekulare Allergiediagnostik?

Es gibt drei wesentliche Einsatzgebiete für die molekulare Allergiediagnostik:

1.    Die Inhalationsallergien,

2.    die Nahrungsmittelallergien und

3.    die Insektengiftallergien.

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