Pollenflugvorhersagen

Prof. Karl-Christian Bergmann, Leiter der interdisziplinären allergologisch-pneumologischen Ambulanz im Allergie-Centrum- Charité Berlin und Vorstand der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst in Berlin zur Wichtigkeit präziser Pollenflugvorhersagen!

Pollenflugvorhersagen: Nur präzise Prognosen helfen Allergikern

Welche Probleme ergeben sich denn bei den automatisierten Pollenfallen in Bezug auf die Genauigkeit?

Eine Schwierigkeit besteht z.B. darin, dass die elektronischen Pollenfallen neu auftretende Pollen nicht erkennen können. Auch im Hinblick auf die Analyse von Veränderungen beim Pollenaufkommen, die z.B. durch den Klimawandel bedingt sein können, kann man auf die manuelle Pollenerfassung nicht verzichten, denn hier verfügen wir über langjährige Messreihen.

Die automatisierte Pollenerfassung kann die manuelle Auszählung zur Erstellung einer Pollenflugvorhersage deshalb noch nicht ersetzen.

Ich denke jedoch, dass die automatisierte Pollenfalle in einigen Jahren eine wesentliche Optimierung erfahren wird. Dann wird man auch Möglichkeiten finden, die Daten aus automatischen Pollenfallen mit den Daten aus der Mikroskopanalyse zu korrelieren, evtl. versehen mit einem gewissen Korrelationsfaktor.

Im Moment gilt es zunächst zu untersuchen, inwieweit die beiden Systeme zum gleichen Ergebnis kommen. Auf Einladung der bayerischen ePIN-Initiative werden wir deshalb in den nächsten zwei Jahren untersuchen, wie sich die Analyseergebnisse der automatischen Pollenfallen mit denen der manuellen Pollenfallen vergleichen.

 


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Zurück zu den ungenauen Pollenflugvorhersagen: Wie ist dieser Themenkomplex in anderen Europäischen Ländern geregelt?

Grundsätzlich werden die Pollen in den meisten europäischen Ländern mit der Standard Burkard-Pollenfalle erfasst, für die eine einheitliche und verbindliche Messmethodik demnächst publiziert wird  Die finanzielle Ausstattung ist jedoch sehr unterschiedlich geregelt. In Frankreich, der Schweiz und Finnland gibt es zum Beispiel eine staatliche Unterstützung der Pollenflugvorhersage. In anderen Ländern, wie z.B. auch in Deutschland, gibt es bislang keine finanziellen Hilfen und die jeweiligen Organisationen müssen um ihre Finanzierung kämpfen.

Was müsste passieren, damit in Deutschland eine verlässliche Pollenflugvorhersage auch weiterhin gewährleistet ist?

Die Pollenmessung des PID entspricht den wissenschaftlichen Anforderungen an eine moderne Pollenmessung. Deshalb fordert die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) eine staatliche Grundfinanzierung der Pollenmessung, die es, wie gesagt, bislang nicht gibt.

Durch die staatliche Finanzierung wäre dauerhaft sichergestellt, dass diese Form der Pollenmessung in Deutschland betrieben und die Ergebnisse effektiv verbreitet werden können, damit alle Betroffenen davon profitieren und sich auch auf die Genauigkeit der Prognosen verlassen können.

Ob weitere Schritte etwa durch die Gesetzgebung notwendig sind, um unseriöse Angebote zusätzlich einzuschränken oder leichter erkennbar zu machen, ist ein Punkt, der zu gegebener Zeit von den Experten entschieden werden muss.

Um eine finanzielle Unterstützung zu erreichen, hat PID vor kurzem eine Online-Petition gestartet, die sich an das Bundesministerium für Gesundheit richtet und deren Zeichnung nun beendet ist, wie geht es nun weiter?

Vom Bundesgesundheitsministerium haben wir positive Signale bekommen, die darauf hinweisen, dass man versuchen will, uns zu unterstützen. Wie diese Unterstützung konkret aussehen wird, kann ich noch nicht sagen. Für dieses Jahr sind wir in Bezug auf die finanzielle Ausstattung guten Mutes, aber wir brauchen eine stabile und nachhaltige finanzielle Grundlage, damit wir nicht „von der Hand in den Mund“ leben müssen und eine Versorgung der Pollenallergiker mit einer verlässlichen Pollenflugvorhersage sicherstellen können.

Herr Prof. Bergmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1)    Bastl K, Berger M, Bergmann K, Kmenta M, Berger U: The medical and scientific responsibility of pollen information services, Wiener klinische Wochenschrift. The Central European Journal of Medicine 2017; 129:70-74

2)    Benoît Crouzy, Michelle Stella, Thomas Konzelmann, Bertrand Calpini, Bernard Clot, Federal Office of Meteorology and Climatology MeteoSwiss, Chemin de l’Aerologie, CH-1530 Payerne, Switzerland, All-optical automatic pollen identification: Towards an operational system, http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1352231016304186)

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