Studie: Kratz-/ Knibbelepisoden durch Neurodermitis oder Skin Picking

Bei Erkrankungen wie Neurodermitis oder Skin Picking kann es zu sogenannten Kratz- oder  Knibbelepisoden kommen. Über die Ursachen für dieses Verhalten ist noch sehr wenig bekannt und deshalb hat sich eine Forschungsgruppe des Lehrstuhls für Klinische Psychologie von der Universität zu Köln dazu entschlossen, dem Phänomen auf den Grund zu gehen. MeinAllergiePortal sprach mit Alice Urban über ihre Studie zu möglichen Auslösern von Kratz- oder Knibbelepisoden.

Frau Urban, Sie untersuchen in Ihrer Studie das Thema „Kratz- oder Knibbelepisoden“ – was genau ist das?

Kratz- oder Knibbelepisoden können sich zum Beispiel bei Neurodermitis in dem Bedürfnis äußern, sich aufgrund eines juckenden Ekzems exzessiv zu kratzen. Bei „Skin Picking“ zeigt sich dieses Bearbeiten der eigenen Haut eher in dem wiederholten Drücken, Quetschen und Zupfen an Hautunreinheiten oder Wundschorf.

Mit Kratz- und Knibbelepisoden sind die Momente gemeint, in denen es betroffenen Personen kaum möglich ist, nicht zu kratzen oder zu knibbeln, obwohl sie sich der negativen Folgen bewusst sind.

Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser Studie?

Der Ausgangspunkt der Untersuchung bestand darin, dass wir am Lehrstuhl für Klinische Psychologie der Universität zu Köln mehr über die bisher noch recht unerforschte Krankheit Skin Picking und ihre Auslösebedingungen herausfinden möchten. Personen, die von davon betroffen sind, haben möglicherweise vergleichbar mit Neurodermitikern häufig das Bedürfnis, ihre eigene Haut zu „bearbeiten“.

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In Ihrer Studie geht es auch um  Skin Picking, was genau ist Skin Picking?

Skin Picking bezeichnet man offiziell als „Pathologisches Hautzupfen / -quetschen“. Dahinter verbirgt sich eine relativ neue Störung, die erst 2013 in das DSM-5, ein Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen, aufgenommen wurde. Dabei ist das wiederholte und exzessive Bearbeiten der eigenen Haut ein zentrales Merkmal. Betroffene zupfen, quetschen und drücken („knibbeln“) an leichten Hautunreinheiten, Pickeln oder Wundschorf in einem solchen Maß, dass dies Hautschädigungen zur Folge hat.

Das Unvermögen dem Drang nicht nachzugeben, sowie die schädlichen Folgen für die Haut führen bei Betroffenen zu Scham- und Schuldgefühlen, sowie teilweise zu Beeinträchtigungen im Alltag.

Wiederholte Versuche, diese Verhaltensweisen zu unterbinden scheitern und einfache Aufforderungen, wie sie Betroffene in ihrem Alltag oft hören, wie bspw. „Hör doch einfach auf zu knibbeln“ sind dann leider ebenso wenig hilfreich, wie die Aufforderung, die vermutlich viele Neurodermitiker kennen, dass man bei einer juckenden Hautstelle „doch einfach nicht kratzen“ solle.


Ihre Studie richtet sich ausdrücklich an Frauen, was ist der Grund dafür?

Wir möchten mit dieser Studie gerne möglichst viel über Auslösebedingungen von „Kratzverhalten“ und „Knibbelverhalten“ herausfinden. Dabei ist es wichtig, die besonderen Eigenschaften und Unterschiede zwischen Personen mit Skin Picking, Neurodermitis und Personen ohne Hauterkrankung zu ermitteln. Da von Skin Picking vorrangig Frauen betroffen sind und es für die Aussagekraft bzw. die Vergleichbarkeit der Ergebnisse wichtig ist, dass sich die zu vergleichenden Gruppen (in anderen Merkmalen, wie bspw. dem Geschlecht) möglichst wenig unterscheiden, haben wir uns bei der vorliegenden Studie auf die Untersuchung von Frauen fokussiert. Es steht jedoch außer Frage, dass auch Männer von beiden Erkrankungen betroffen sind, was wir bei der Interpretation und Diskussion der Ergebnisse in jedem Fall berücksichtigen werden.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Studie?

Unser hauptsächliches Ziel besteht darin, mehr über Auslösebedingungen von Verhaltensweisen zu erfahren, wie sie bei Neurodermitis und Skin Picking auftreten können.

Wir wollen mehr über potentielle Auslösebedingungen bei beiden Erkrankungen verstehen, um die Erlebenswelt der Betroffenen genauer abbilden zu können.

Diese Kenntnisse können uns bei der Entwicklung geeigneter psychologischer Behandlungsmethoden bei Neurodermitis und Skin Picking helfen, um die Lebensqualität bei betroffenen Personen verbessern zu können.

Wieviel Zeit benötigt man zur Beantwortung der Fragen?

Für die Teilnahme an der Studie werden in etwa 30 Minuten benötigt. Es handelt sich dabei um eine Online-Umfrage, die man bequem vom heimischen Laptop oder Rechner bearbeiten kann.

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Frau Urban, herzlichen Dank für dieses Interview und viel Erfolg mit Ihrer Studie!

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