Allergie Haut Alter

Dr. Sabine Müller, Funktionsoberärztin Allergologie und Immundermatologie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Freiburg

Haut im Alter: Was ist anders? Was ändert sich bei Allergien?

Wie beeinflusst die Hautalterung das Krankheitsbild Neurodermitis?

Durch die zunehmende Hauttrockenheit können möglicherweise Mikroben oder Hefepilze wie S. aureus und M. furfur in der Persistenz des atopischen Ekzems bei älteren Menschen eine relevante Rolle spielen. Das atopische Ekzem bereitet im Allgemeinen bei älteren Patienten im

Vergleich zu jüngeren Atopikern seltener Beschwerden. Dieses ist am ehesten durch die Immunseneszenz und einer damit einhergehenden Reduktion der Dendritischen-Zellen in der Haut zu erklären. Es werden im Alter drei verschiedene Muster des atopischen Ekzems beobachtet:

1.) ein atopisches Ekzem das sich im geriatrischen Alter de novo manifestiert,

2.) ein Wiederaufflammen eines im kindlichen  Alter bereits vorhandenen atopischen Ekzems und

3.) eine Persistenz des im Erwachsenenalter vorhandenen atopischen Ekzems.

Wie bei jüngeren Patienten werden intrinsische und extrinsische Varianten des atopischen Ekzems beobachtet. Das klinische Bild der atopischen Dermatitis im Alter unterscheidet sich dadurch, dass oft keine wesentliche Beugenbetonung der Ekzeme vorhanden ist. Es zeigt sich verhältnismäßig oft das Bild einer Erythrodermie, d.h. eine Rötung der gesamten Haut. Die typischen Merkmale einer Atopie z.B. das Hertoghe-Zeichen oder Dennie-Morgan-Falten sind üblicherweise vorhanden.

Gibt es ähnliche Effekte der Hautalterung für Urtikaria oder Mastozytose?

Trotz Reduktion der Mastzellen in der Haut mit zunehmendem Alter zeigt die Krankheitsaktivität der chronischen spontanen Urtikaria im Alter widersprüchliche Tendenzen. Es ist nicht eindeutig belegt, dass die Krankheitsaktivität bei älteren Patienten geringer ist. Die Urtikaria im Alter scheint seltener mit Angioödemen oder mit einer Analgetika-Intoleranz verbunden zu sein.

Bei der Mastozytose handelt es sich um eine klonale Erkrankung der hämatopöetischen Stammzelle. Im Erwachsenenalter liegt in der Regel eine systemische Mastozytose mit Nachweis von klonalen Mastzellen im Knochenmark vor – die Haut ist häufig befallen. Eine Regredienz der kutanen Beteiligung der Mastozytose und Symptomreduktion wurde in 10 bis 20 Prozent der Patienten mit zunehmendem Alter beobachtet. In Fällen bei denen die systemische Mastozytose mit einer weiteren hämatologischen Grunderkrankung assoziiert ist, kann die Reduktion der Hauteffloreszenzen eine Progression der assoziierten hämatologischen Erkrankung verzeichnen. Aufgrund der alternden Bevölkerung werden zukünftige Studien sicherlich mehr Licht auf das Verhalten diverser Hauterkrankungen im Alter werfen.

Hat es Konsequenzen für die Therapie der Hauterkrankungen, wenn ältere Menschen betroffen sind und inwieweit wird dies in der täglichen medizinischen Praxis berücksichtigt?

Die Hautalterung und damit einhergehende Xerodermie hat die Konsequenz, dass diese Menschen eine ausgiebige, reichhaltige Hautpflege benötigen. In der täglichen Praxis wird dieses in der dermatologischen Behandlung von älteren Patienten auf jeden Fall berücksichtigt. Je nach Hauteigenschaften und Jahreszeit besteht die Basispflege aus feuchtigkeitsspenden Cremes oder fetthaltigen Salben. Spreitende Ölbäder die gerne bei jüngeren Patienten mit Ekzemen zur Anwendung kommen, werden bei älteren Patienten aufgrund der Rutschgefahr nicht mehr empfohlen.

Antihistaminika wirken bei vielen Erkrankungen juckreizlindernd und werden meistens auch von älteren Patienten gut toleriert. Eine engere Überwachung der Therapie und eine strenge Abwägung bzgl. des zu erwartenden Nutzens und der Risiken ist in diesen Fällen geboten. Ältere Menschen nehmen häufig bereits wegen anderer Erkrankungen diverse Medikamente ein. Hier müssen mögliche Interaktionen zwischen Antihistaminika und diese Medikamenten berücksichtigt werden z.B. Herzrhythmusstörungen durch QT-Verlängerung. Bei einer hochdosierten „Off-Label“-Therapie mit Antihistaminika z.B. in der Behandlung der chronischen spontanen Urticaria sind mögliche EKG Veränderungen unabhängig von Medikamenteninteraktionen zu bedenken. Erstgeneration Antihistaminika haben durch die Überquerung der Blut-Hirnschranke u. U. eine sedierende Wirkung. Bei älteren Menschen könnte dies die Sturzgefahr erhöhen und das Auftreten von Verwirrtheitszuständen begünstigen.

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