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Allergie Haut Alter

Dr. Sabine Müller, Funktionsoberärztin Allergologie und Immundermatologie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Freiburg

Haut im Alter: Was ist anders? Was ändert sich bei Allergien?

Die Haut älterer Menschen ist „anders“ als in der Jugend. Verantwortlich dafür sind eine Reihe von Faktoren, die sich nur zum Teil beeinflussen lassen. Im Alter ändert sich auch die Funktion der Hautbarriere, die bei der Entstehung von Allergien der Haut eine wichtige Rolle spielt. Was weiß man über die Risiken für allergische Hauterkrankungen im Alter? Welche Auswirkungen hat die Hautalterung auf bestehende Allergien der Haut? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Sabine Müller, Funktionsoberärztin Allergologie und Immundermatologie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Freiburg über den Stand der Wissenschaft und Präventionsmöglichkeiten.

Frau Dr. Müller, welche Faktoren beeinflussen die Hautalterung und was ändert sich?

Die Hautalterung ist zum Teil chronologisch, bzw. durch Vorgaben im eigenen Genmaterial bedingt, aber die Hautalterung wird vorwiegend durch exogene Faktoren, insbesondere die UV-Exposition beeinflusst und wird als Lichtalterung bezeichnet.

UV-Strahlen führen zur Entstehung freier Radikale sogenannter ROS (Englisch: Reactive Oxygen Species). Durch Oxidation von Proteinen verursachen diese DNA-Schäden. Die Effizienz der in der Haut vorhandenen Reparaturmechanismen lassen im Lauf der Jahre und aufgrund zunehmender UV-Schädigung nach. In Folge führt dieses zu einer Reduktion der Anzahl der Kollagen- und Elastin- Fasern der Haut. Die Haut wird dünner und schlaffer und entwickelt Falten.

Altersabhängige Änderungen des kutanen Immunsystems und Beeinträchtigung der Wundheilung werden ebenfalls beobachtet. Die Funktion der Zellen des angeborenen Immunsystems lassen nach und eine prozentuale Reduktion naiver B- und T-Zellen des adaptiven Immunsystems wird beobachtet. Die Anzahl Antigen-präsentierender dendritischer Zellen (Langerhans-Zellen) reduziert sich im Alter um etwa 50  Prozent. Diese Reduktion wird durch die Lichtalterung erheblich beeinflusst. Die Langerhans-Zellen spielen im allergischen Kontaktekzem eine zentrale Rolle. Sie erzeugen durch Interaktion mit T-Zellen im regionalen Lymphknoten eine adaptive Immunantwort gegen ein bestimmtes Hapten bzw. Kontaktallergen. Im Mausmodel wurde gezeigt, dass mit zunehmendem Alter die Funktion der Langerhans-Zellen beeinträchtig ist. Ebenfalls kommt es zu einer Reduktion der kutanen Melanozyten und der Mastzellen. Viele dieser Änderungen sind nicht nur von der chronologischen Hautalterung, sondern von der UV-Exposition sowie von weiteren Lebensstilfaktoren, wie z.B. Rauchen abhängig, wobei diese Änderungen bei verschiedenen Individuen in unterschiedlichem Alter einsetzen. Eine genauere Aussage ist durch Fehlen von systematischen Untersuchungen am Menschen nicht möglich.

Eine weitere wichtige Änderung durch den Hautalterungsprozess ist eine zunehmende Hauttrockenheit. Dieses kommt bei beiden Geschlechtern vor und ist auf eine gestörte Hautbarrierefunktion zurückzuführen. Bei Frauen wurde eine stetige Reduktion der Talgproduktion der Haut, beginnend ab dem 5. Lebensjahrzehnt, beobachtet. Dieses führt zu einem Verlust des natürlichen Säureschutzmantels der Haut und einer zunehmenden Xerodermie, d.h. trockene, spröde Haut. Bei Männern nimmt die Hydration des Stratum Corneums,  das ist die oberste Schicht der Epidermis, ab dem 5. Lebensjahrzehnt stetig ab.

Welche Auswirkungen hat die Hautalterung auf Menschen mit allergisch bedingten Hauterkrankungen wie z.B. Kontaktekzemen?

Die genaue Auswirkung der Hautalterung auf das allergisches Kontaktekzem ist unklar. Auf der einen Seite begünstigt die gestörte Hautbarrierefunktion und daraus resultierende kleine Verletzungen der Hautoberfläche das Eindringen in die Epidermis von Hautirritanzien und sensibilisierenden Substanzen. Diese können dann kumulativ toxische und allergische Kontaktekzeme verursachen. Eine gestörte Hautbarriere erleichtert nicht nur das Eindringen von Substanzen in die Haut, sondern generiert zudem ein entzündliches Milieu.

Das kumulative Expositionsrisiko gegenüber sensibilisierenden Substanzen über viele Jahre kann das Risiko, ein allergisches Kontaktekzem im Alter zu entwickeln, erhöhen. Bei älteren Patienten liegt eine höhere Frequenz an Sensibilisierungen gegenüber bestimmten Allergenen vor, insbesondere gegen Duftstoffe, Perubalsam, Neomycin sowie gegen andere Arzneistoffe.  Dieses ist durch deren Anwendung im Rahmen der Behandlung bestimmter Co-Morbiditäten im Alter, z.B. Ulkus cruris, Inkontinenz, Dekubitus oder ein Stoma zu erklären.

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Auf der anderen Seite führt die Reduktion der Langerhans-Zelldichte in der Haut und der damit verbundenen geringerer Produktion proinflammatorischer Zytokinen zu einer verminderten Bereitschaft ein allergisches Kontaktekzem zu entwickeln. Insgesamt ist die Frequenz des allergischen Kontaktekzems bei älteren Patienten (> 65 Jahren), geringer als bei jüngeren Patienten.

Ein allergisches Kontaktekzem kann beim älteren Patienten verzögert auftreten und ein weniger entzündliches klinisches Bild verursachen. Aufgrund der langsameren Reifung der Hautzellen, verbleiben Allergene bzw. Haptene länger in der Haut und können dadurch über einen längeren Zeitraum Beschwerden verursachen. Trotz Allergenkarenz benötigt die Haut anschließend wesentlich länger (bis zu 3 Monaten) um sich vollständig von einem allergischen Kontaktekzem zu erholen.


Wie beeinflusst die Hautalterung das Krankheitsbild Neurodermitis?

Durch die zunehmende Hauttrockenheit können möglicherweise Mikroben oder Hefepilze wie S. aureus und M. furfur in der Persistenz des atopischen Ekzems bei älteren Menschen eine relevante Rolle spielen. Das atopische Ekzem bereitet im Allgemeinen bei älteren Patienten im

Vergleich zu jüngeren Atopikern seltener Beschwerden. Dieses ist am ehesten durch die Immunseneszenz und einer damit einhergehenden Reduktion der Dendritischen-Zellen in der Haut zu erklären. Es werden im Alter drei verschiedene Muster des atopischen Ekzems beobachtet:

1.) ein atopisches Ekzem das sich im geriatrischen Alter de novo manifestiert,

2.) ein Wiederaufflammen eines im kindlichen  Alter bereits vorhandenen atopischen Ekzems und

3.) eine Persistenz des im Erwachsenenalter vorhandenen atopischen Ekzems.

Wie bei jüngeren Patienten werden intrinsische und extrinsische Varianten des atopischen Ekzems beobachtet. Das klinische Bild der atopischen Dermatitis im Alter unterscheidet sich dadurch, dass oft keine wesentliche Beugenbetonung der Ekzeme vorhanden ist. Es zeigt sich verhältnismäßig oft das Bild einer Erythrodermie, d.h. eine Rötung der gesamten Haut. Die typischen Merkmale einer Atopie z.B. das Hertoghe-Zeichen oder Dennie-Morgan-Falten sind üblicherweise vorhanden.

Gibt es ähnliche Effekte der Hautalterung für Urtikaria oder Mastozytose?

Trotz Reduktion der Mastzellen in der Haut mit zunehmendem Alter zeigt die Krankheitsaktivität der chronischen spontanen Urtikaria im Alter widersprüchliche Tendenzen. Es ist nicht eindeutig belegt, dass die Krankheitsaktivität bei älteren Patienten geringer ist. Die Urtikaria im Alter scheint seltener mit Angioödemen oder mit einer Analgetika-Intoleranz verbunden zu sein.

Bei der Mastozytose handelt es sich um eine klonale Erkrankung der hämatopöetischen Stammzelle. Im Erwachsenenalter liegt in der Regel eine systemische Mastozytose mit Nachweis von klonalen Mastzellen im Knochenmark vor – die Haut ist häufig befallen. Eine Regredienz der kutanen Beteiligung der Mastozytose und Symptomreduktion wurde in 10 bis 20 Prozent der Patienten mit zunehmendem Alter beobachtet. In Fällen bei denen die systemische Mastozytose mit einer weiteren hämatologischen Grunderkrankung assoziiert ist, kann die Reduktion der Hauteffloreszenzen eine Progression der assoziierten hämatologischen Erkrankung verzeichnen. Aufgrund der alternden Bevölkerung werden zukünftige Studien sicherlich mehr Licht auf das Verhalten diverser Hauterkrankungen im Alter werfen.

Hat es Konsequenzen für die Therapie der Hauterkrankungen, wenn ältere Menschen betroffen sind und inwieweit wird dies in der täglichen medizinischen Praxis berücksichtigt?

Die Hautalterung und damit einhergehende Xerodermie hat die Konsequenz, dass diese Menschen eine ausgiebige, reichhaltige Hautpflege benötigen. In der täglichen Praxis wird dieses in der dermatologischen Behandlung von älteren Patienten auf jeden Fall berücksichtigt. Je nach Hauteigenschaften und Jahreszeit besteht die Basispflege aus feuchtigkeitsspenden Cremes oder fetthaltigen Salben. Spreitende Ölbäder die gerne bei jüngeren Patienten mit Ekzemen zur Anwendung kommen, werden bei älteren Patienten aufgrund der Rutschgefahr nicht mehr empfohlen.

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Antihistaminika wirken bei vielen Erkrankungen juckreizlindernd und werden meistens auch von älteren Patienten gut toleriert. Eine engere Überwachung der Therapie und eine strenge Abwägung bzgl. des zu erwartenden Nutzens und der Risiken ist in diesen Fällen geboten. Ältere Menschen nehmen häufig bereits wegen anderer Erkrankungen diverse Medikamente ein. Hier müssen mögliche Interaktionen zwischen Antihistaminika und diese Medikamenten berücksichtigt werden z.B. Herzrhythmusstörungen durch QT-Verlängerung. Bei einer hochdosierten „Off-Label“-Therapie mit Antihistaminika z.B. in der Behandlung der chronischen spontanen Urticaria sind mögliche EKG Veränderungen unabhängig von Medikamenteninteraktionen zu bedenken. Erstgeneration Antihistaminika haben durch die Überquerung der Blut-Hirnschranke u. U. eine sedierende Wirkung. Bei älteren Menschen könnte dies die Sturzgefahr erhöhen und das Auftreten von Verwirrtheitszuständen begünstigen.


Welche Möglichkeiten der Prävention gibt es für ältere Patienten und was kann der Patient selbst tun?

Es ist sinnvoll dem älteren Menschen oder gegebenenfalls den Familienangehörigen die Wichtigkeit einer konsequenten Hautpflege zu vermitteln. Manche ältere Menschen sind aufgrund eingeschränkter körperlichen oder kognitiven Fähigkeiten nicht mehr in der Lage eine adäquate Hautpflege selbst durchzuführen. Einige dieser Menschen versorgen sich trotzdem selbst ohne Hilfe durch eine Pflege- oder Sozialstation. Diese Patienten sind besonders gefährdet, an Ekzemen unterschiedlicher Genese sowie an diversen Hautinfektionen z.B. durch Bakterien (Wundrose) oder Pilze zu erkranken. Eine gut gepflegte Haut kann das Erkrankungsrisiko diesbezüglich erheblich reduzieren. Optimal geeignet sind blande Emollienzien, d.h. hautglättende Pflegeprodukte, die nach Möglichkeit keine wesentlichen sensibilisierenden Substanzen wie Duftstoffe oder Wollwachsalkohole enthalten.

Hinsichtlich der chronischen Urtikaria können mit Hilfe der Dokumentation in einem Tagebuch auslösende Faktoren (z.B. Analgetika oder physikalische Auslöser) identifiziert und gemieden werden. Im Fall einer chronischen spontanen Urtikaria kann in manchen Fällen die Einnahme einer Kost, die arm an Nahrungsmittelzusatzstoffen ist, die Krankheitsaktivität erheblich reduzieren. Diese Diät ist für ältere Menschen, die noch aktiv sind und keine Hilfe im Alltag benötigen, einfach umzusetzen. Bereits nach ca. 4 Wochen ist eine Besserung zu erwarten und in manchen Fällen kann durch diese Diät auf die Einnahme von Antihistaminika und damit verbundenen möglichen Nebenwirkungen verzichtet werden.

Alte Menschen werden oft von Pflegepersonal betreut. Ist man in der Pflege auf veränderte Anforderungen eingestellt?

Das Pflegepersonal ist in manchen Aspekten auf die veränderten Anforderungen in der Pflege von alten Menschen z.B. die regelmäßige Umlagerung von immobilen Patienten um Dekubiti zu verhindern, gut eingestellt. Die Anwendung einer Hautbarriere-schützende Hautpflege bei Inkontinenz oder sachgerechte Versorgung eines Stomas verhindern das Auftreten von Ekzemen.

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In der alltäglichen Hautpflege wird die schädliche Einwirkung von Seifen auf die Hautbarriere der Altershaut oft bagatellisiert. Für das Pflegepersonal sollten Schulungen bzgl. der optimalen Pflege der Altershaut angeboten werden. Wichtige Punkte zum Thema „Basispflege Altershaut“ sind unter anderem das Bevorzugen von seifenfreier Waschsyndets, das regelmäßige Auftragen von ausreichenden Mengen Emollienzien, sowie die Wahl einer hypoallergenen Hautpflege. Dieses ist leicht im Alltag umzusetzen und hat eine große Auswirkung auf die Pflege der Altershaut.

Frau Dr. Müller, herzlichen Dank für dieses Interview!