Zehn Regionen Erbgut Neurodermitis

Dr. Marie Standl vom Helmholtz Zentrum München

Neurodermitis - Gene – Umwelt – Lifestyle? Neues aus der Forschung!

Die Studie zu Neurodermitis und Genen konnte auch nachweisen, dass, zusätzlich zur genetischen Komponente, spezielle umweltbedingte Einflüsse dafür verantwortlich sind, dass sich eine Neurodermitis einstellt…

Der Anteil der Genetik an der Entstehung der Neurodermitis-Erkrankung ist vergleichsweise gering und lässt keine sichere Vorhersage für die Erkrankung zu. Deshalb wird davon ausgegangen, dass verschiedene Umwelt- und Lebensstilfaktoren ebenfalls die Entstehung von Neurodermitis beeinflussen und verschiedene Menschen aufgrund der Genetik unterschiedlich auf diese Faktoren reagieren.

Ziel unserer genomweiten Analyse war es, Gene zu identifizieren, die mit Neurodermitis in Zusammenhang stehen. Diese Art genetischer Analyse wird mit großer Fallzahl zuverlässiger, erschwert aber die Berücksichtigung weiterer Faktoren. Daher gilt es in Folgestudien zu untersuchen, inwieweit die identifizierten Genregionen im Wechselspiel mit Umwelt- und Lebensstilfaktoren die Entstehung von Neurodermitis beeinflussen.

Konnte man in Ihrer Studie auch sehen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Ausmaß der Veränderungen am Erbgut und anderen Faktoren, z.B. der Schwere der Erkrankung oder dem Zeitpunkt des Ausbruchs der Erkrankung?

Wir konnten in unserer Analyse Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedener Altersgruppen einschließen. Dabei zeigten sich für einige Genregionen zwar stärkere Effekte bei den Personen, die bereits im Kindesalter an Neurodermitis erkrankt sind, die Unterschiede waren allerdings nicht statistisch relevant. Das kann allerdings auch daran liegen, dass diese Gruppe sehr viel kleiner war. Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Erwachsenenalter war das genaue Alter, in dem die Erkrankung aufgetreten ist aber nicht bekannt. Eine genaue Einteilung der Schwere der Erkrankung war aufgrund der verfügbaren Informationen nicht möglich, allerdings unterscheidet sich die Klassifizierung der Neurodermitis-Patienten zwischen den verschiedenen Studien. Dabei zeigten sich stärkere Effekte in Einzelstudien, bei denen Personen nach einer ärztlichen Untersuchung als Neurodermitis-Patienten identifiziert wurden, im Vergleich zu Studien in denen Personen aufgrund eigener Angaben klassifiziert wurden.

Konnten Sie schon Erkenntnisse zu den Auslösern der Veränderungen im Erbgut gewinnen?

Es wurden ausschließlich vererbte Merkmale im Erbgut untersucht, die relativ häufig auftreten. Nur ein Teil der Personen, die diese Veränderungen tragen, erkrankt auch tatsächlich an Neurodermitis. Die Identifikation der Genbereiche, in denen diese Veränderungen liegen, geben aber einen Hinweis darauf welche Gene, und damit welche biologischen Prozesse beteiligt sind. Dies ist von großer Bedeutung für das Verständnis der biologischen Mechanismen, die bei der Entstehung von Neurodermitis eine Rolle spielen. Die in unserer Analyse identifizierten Gene spielen eine Rolle in der Regulation des Immunsystems, und bieten daher neue Ansatzpunkte für die Prävention und Entwicklung neuer oder verbesserter Therapiemöglichkeiten für Neurodermitis.

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Wie geht es weiter mit Ihrer Studie? Wann könnten Neurodermitis-Patienten erstmals von Ihrer Forschung profitieren?

Die Identifizierung der Gene, die im Zusammenhang mit Neurodermitis stehen, war nur ein erster Schritt. Das Potential dieser Forschung muss durch weitere Untersuchungen geklärt werden, die beispielsweise die genaue Gen-Funktion betreffen, oder auch den Zusammenhang mit verschiedenen Umwelt- und Lebensstilfaktoren. Das langfristige Ziel dabei ist es, die Vorhersage des Erkrankungsrisikos zu verbessern, sowie verbesserte Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahmen zu entwickeln.

Frau Dr. Standl, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

1) Multi-ancestry genome-wide association study of 21,000 cases and 95,000 controls identifies new risk loci for atopic dermatitis, Lavinia Paternoster, Marie Standl, Johannes Waage, Hansjörg Baurecht, Melanie Hotze, David P Strachan, John A Curtin, Klaus Bønnelykke, Chao Tian, Atsushi Takahashi, Jorge Esparza-Gordillo, Alexessander Couto Alves, Jacob P Thyssen, Herman T den Dekker, Manuel A Ferreira, Elisabeth Altmaier, Patrick M A Sleiman, Feng Li Xiao, Juan R Gonzalez, Ingo Marenholz, Birgit Kalb, Maria Pino-Yanes, Cheng-Jian Xu, Lisbeth Carstensen, Maria M Groen-Blokhuis et al., Nature Genetics (2015) doi:10.1038/ng.3424doi:10.1038/ng.3424

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