Lichttherapie Neurodermitis Psoriasis Ekzem

Prof. Hjalmar Kurzen, Dermatologe in Freising

Lichttherapie bei Neurodermitis, Schuppenflechte und Kontaktekzemen

Lichttherapien sind bei Ekzemerkrankungen eine von vielen Möglichkeiten der Symptombehandlung. Dabei stehen sowohl die Bekämpfung des Juckreizes als auch die das Abheilen der Hautsymptome im Mittelpunkt. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Hjalmar Kurzen, Dermatologe in Freising über die Lichttherapie und ihre Wirkung bei Neurodermitis, Schuppenflechte und Kontaktekzemen.

Herr Prof. Kurzen, bei welchen Hauterkrankungen kann man die Lichttherapie einsetzen?

Die Lichttherapie wird überwiegend zur Behandlung von Ekzemerkrankungen wie z.B. dem endogenen Ekzem, d.h. der Neurodermitis eingesetzt. Ein weiteres Haupttherapiefeld für die Lichttherapie ist die Psoriasis, d.h. die Schuppenflechte, die sich sehr gut mit Licht behandeln lässt.

In speziellen Fallen, z.B. wenn andere Therapien nicht einsetzbar sind oder wenn es sich um eine besondere Lokalisation handelt, werden Lichttherapien auch zur Behandlung von Ekzemerkrankungen, d.h. Allergien vom verzögerten Typ, eingesetzt.

Typische Beispiele dafür sind z.B. Nickelekzeme oder Duftstoffallergien, bei denen größere Hautareale betroffen sind. z.B. durch das großflächige Eincremen mit einer unverträglichen Bodylotion. Der spezielle immunologische Mechanismus, der diesen Erkrankungen zugrunde liegt, lässt sich sehr gut über Licht beeinflussen.

Wie sieht eine Lichttherapie bei Neurodermitis, Psoriasis etc. genau aus?

Es gibt unterschiedliche Lichttherapien. Bei der sogenannten Balneophototherapie oder Photo-Sole Therapie nimmt der Patient zunächst ein Salzbad und wird dann in der Lichtkabine behandelt.  

Weiter gibt es die PUVA-Therapie - das „P“ in PUVA steht für Psoralen und  bezeichnet einen Pflanzenwirkstoff, den man seit den 40er Jahren einsetzt. Das „UVA“ in „PUVA“ steht  die UVA-Strahlen – das ist die Wellenlänge, die meist auch in Solarien verwendet wird.  

Interessanterweise war diese Therapie im Prinzip bereits bei den alten Ägyptern bekannt, die sich zur Behandlung von Ekzemerkrankungen mit dem Pflanzenextrakt eingerieben und dann in die Sonne gelegt haben.

Auch unbeabsichtigt kann es dazu kommen, dass Pflanzenwirkstoffe im Zusammenhang mit Sonnenlicht Hautreaktionen auslösen- man nennt das phototoxische Dermatitis.  Eine phototoxische Dermatitis oder auch Wiesengräser-Dermatitis kann z.B. dadurch entstehen, dass man bei Sonnenschein barfuß über eine feuchte, nicht-gemähte Wiese läuft.  In bestimmten Wiesengräsern, insbesondere im Bärenklau sind Furocumarine enthalten und die bekannteste Substanz ist Psoralen. Durch den Kontakt mit der Haut wird sie lichtempfindlich und die Sonnenstrahlen können dann Hautreaktionen auslösen. Die PUVA-Therapie ist daher nichts anderes als ein gezielter Einsatz eines natürlichen Phänomens.

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Wie geht man vor bei der PUVA-Therapie?

Bei der PUVA-Therapie wird die Haut zunächst mit Hilfe von Psoralen gegen spezielle UV-Strahlen, den sogenannten UVA-Strahlen, empfindlich gemacht. Ohne diese Vorbereitung haben die UVA-Strahlen nur eine relativ geringe Wirkung. Zwar bräunen sie die Haut, aber eine entzündungshemmende Wirkung haben sie nicht. Das Psoralen wird entweder durch ein Bad auf die Haut des Patienten aufgebracht oder in Form von Cremes. Auch die Einnahme von Tabletten ist möglich.   


Wie oft muss die PUVA-Therapie durchgeführt werden?

Bei der Schuppenflechte, z.B. sollte die PUVA-Therapie drei Mal die Woche durchgeführt werden. Man beginnt die Bestrahlung mit einer sehr geringen Dosis von wenigen Sekunden - ansonsten riskiert man Verbrennungen - die langsam auf 5 bis 10 Minuten hochgesteigert wird. Die Zieldosis ist abhängig von der Leistungsstärke der jeweiligen Lichtkabine.

Dabei wird, wie gesagt, jedes Mal zunächst das Psoralen aufgetragen, meist durch ein Bad. Die Creme wird in der Regel dann eingesetzt, wenn es darum geht, kleine Areale zu behandeln. Beim großflächigen Auftragen der Creme besteht die Gefahr, dass die Verteilung zu ungleichmäßig ist und das könnte wiederum zu Verbrennungen führen. Bei der Neurodermitis erfolgt die Behandlung ähnlich.

Die Geräte, die für die Lichttherapie eingesetzt werden, sind High-Tech-Lichtkabinen, die zwar aussehen wie Solarien, aber nicht damit vergleichbar sind.

Was passiert bei der Lichttherapie in der Haut?

Wenn das UVA-Licht auf die Haut trifft, werden in der Haut bestimmte Botenstoffe freigesetzt. Ein Schlüsselzytokin ist das Interleukin-10  oder kurz IL 10, ein bekannter Entzündungsmodulator. Interleukin-10 wird von den Hautzellen produziert und der Botenstoff wirkt dann auf andere Immunzellen ein und wirkt in erster Linie entzündungshemmend in der Haut. Zusätzlich vertreibt das IL10 bestimmte Zellen aus der Haut, die sogenannten Langerhans-Zellen, die durch die UVA-Einwirkung reduziert werden.

Für die Kontaktallergie hat man zur Lichttherapie interessante Untersuchungen am Mausmodell durchgeführt. Es gibt obligate Kontaktallergene, d.h. Substanzen, die immer Kontaktallergien auslösen, wie z.B. Nickel. Man hat deshalb Mäuse mit diesen Allergenen sensibilisiert und die eine Gruppe gleichzeitig mit UV-Licht behandelt und die andere Gruppe nicht. So konnte man sehen, dass die UV-Therapie die Ekzembildung verhindern kann.  Durch die Lichttherapie „arbeitet man gegen“ den Prozess, d.h. man vertreibt von vornherein die Langerhans- Zellen aus der Haut, die zur Entstehung eines Kontaktekzems nötig sind und die Kontaktallergie kann gar nicht erst entstehen. Nach dem gleichen Prinzip verwendet man die Lichttherapie bei bestehenden Ekzemen zur Behandlung. Das UV-Licht vertreibt die Langerhans-Zellen aus der Haut, der Entzündungsprozess geht zurück und das Ekzem heilt ab.

Man setzt also die Lichttherapie für das atopische Ekzem, Kontaktekzeme und Schuppenflechte gleichermaßen ein?

Für Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Kontaktekzem und Psoriasis setzt man die Lichttherapie ein. Weitere Einsatzgebiete der Lichttherapie sind bestimmte T-Zell-Lymphome der Haut, sowie juckende Hauterkrankungen – Juckreiz ist ein sehr häufiges Symptom bei Hauterkrankungen.
Juckreiz ist jedoch auch eine häufige Begleiterscheinung bei anderen Erkrankungen, wie z.B. Diabetes oder bei Erkrankungen der Leber  und der Nieren. Für die Betroffenen ist das oft nur schwer erträglich und viele kratzen sich die Haut sehr stark auf. Die Lichttherapie kann in diesen Fällen, d.h. bei starkem Juckreiz, hervorragend helfen.  

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Wie lange sollte die Lichttherapie durchgeführt werden?

Über einige Monate hinweg sollte man die Lichttherapie schon anwenden.

Allerdings: Auf Dauer, d.h. über Jahre hinweg und zu häufig eingesetzt, kann die Lichttherapie auch negative Effekte haben. UV-Licht hat auch eine Schattenseite und kann die Entstehung von Hautkrebs fördern.   

Bei einer Kurzzeitbehandlung von zwei bis drei Monaten und in den geringen Dosen, wie sie modernste Geräte üblicherweise verwenden, bestehen jedoch nur geringe Risiken – eine vollständige Behandlung  von 20-30 Bestrahlungen ist ungefähr vergleichbar mit einem Nachmittag an der Isar.

Die Wirkung der Lichttherapie tritt meist relativ schnell ein – oft verschwindet der Juckreiz bereits nach zwei bis drei Bestrahlungen. Bis das Ekzem abgeheilt ist, kann es bis zu drei Wochen dauern und nach ca. sechs Wochen sind meist die sichtbaren Symptome an der Haut verschwunden.

Auch die Urtikaria gehört zu den juckenden Hauterkrankungen – setzt man die Lichttherapie hier auch ein?

Bei der Urtikaria stehen auch andere Therapieformen zur Verfügung. Bestimmte Formen der Urtikaria, z.B. die Form, die durch Wasser ausgelöst wird, kann auch mit der Lichttherapie behandelt werden. Oft reicht eine Behandlung von 2 bis 3 Minuten in der Woche, um den Juckreiz zu stillen. Auch bei der cholinergen Urtikaria ist eine Lichttherapie möglich.

Gibt es denn verschiedene Lichttherapien?

Die Lichttherapien unterscheiden sich nach der Wellenlänge des Lichtes. Früher hat man im UVA/UVB- Bereich relativ breite, gemischte Spektren von ca. 300 bis 350 verwendet. Damit hat man zwar eine deutliche Wirkung erzielt, aber auch schädliche Nebenwirkungen, heute nutzt man diese Geräte nicht mehr.

Die modernen Schmalspektrum UVB-Lampen, die man heute z.B. für die Behandlung von Psoriasis und Neurodermitis einsetzt, haben ca. 311 nm und haben nur wenig Nebenwirkungen – bei 308 nm erzielt man die maximale biologische Wirkung der Bestrahlung. Diese Wellenlänge wird vom sogenannten Excimer Laser verwendet, der in der gleichen Indikation verwendet wird, jedoch höhere (Laser)-Lichtintensität auf kleineren Arealen verwendet.

Für die PUVA-Therapie, die wir gerade besprochen haben, setzt man UVA Strahlen ein.

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Langwellige UVA1-Strahlen, das ist ein Licht kurz vor dem Blaulicht, setzt man ebenfalls für die Therapie von Neurodermitis ein. UVA1-Licht hat nur eine sehr schwache Wirkung und muss hoch dosiert werden - man nennt die deshalb auch Hochdosis UVA-Lichttherapie.  UVA1-Licht hat den Vorteil, dass man tief in das Gewebe hineinkommt, entsprechende Geräte stehen allerdings nur in speziellen Zentren zur Verfügung.

Herr Prof. Kurzen, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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