antientzündliche proaktive Neurodermitis-Therapie

Dr. Katja Nemat, Fachärztin für Kinderpneumologie und Allergologie am Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt (Kid)und Mitglied des Vorstands beim Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. (AeDA)

Neurodermitis: Proaktive Therapien mit antientzündlichen Wirkstoffen!

Welche Hautprobleme sind es denn, die im Windelbereich auftreten?

Im Windelbereich findet man eher eine sogenannte irritativ-toxische Dermatitis. Zu Entzündungsreaktionen kommt es durch den Kontakt mit Kot oder Urin. Erreger wie Pilze und Bakterien, die aus dem Darm kommen, besiedeln dann die geschädigten Hautareale.

Die Windeldermatitis behandelt man antiseptisch und durch eine gute, stadien-angepasste Pflege. Die entzündeten Hautstellen werden dabei mit Zinkpaste vor dem Kontakt mit Urin geschützt.

Die Windeldermatitis muss kein Hygieneproblem sein, denn manche Kinder neigen eher zu Windeldermatitis und Pilzinfektionen als andere Kinder.  Es hilft aber bei der Behandlung und ist auch Teil der Therapie, wenn man den Kindern häufig die Windeln wechselt und sie auch einmal ganz ohne Windeln und Höschen frei lässt, den Windelbereich nicht mit harten Lappen abwischt und ggf. sogar trocken-föhnt nach der Reinigung. Vorsicht sollte man bei der Verwendung von Feuchttüchern walten lassen. Oft enthalten Feuchtstoffe reizende Stoffe oder Duftstoffe, die Kontaktallergien auslösen können.

Diese Art von Dermatitis heilt ab, wenn die Kinder windelfrei werden.

Sie erwähnten auch den Bereich der Augenlider…

Im „inneren Gesicht“ d.h. um die Lider herum, an Wangen und um den Mund herum, besteht ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Kortison-Nebenwirkungen. Dies ist allerdings nicht mit dem Risiko im Windelbereich vergleichbar. Insbesondere an den Lidern sollte man aufpassen. Jedoch kommt es häufig vor, dass man bei Lidekzemen oder überhaupt im Gesichtsbereich antientzündliche Wirkstoffe benötigt. Man kann entweder verdünnte Klasse 2-Kortikosteroide einsetzen oder als Alternative die topischen Calcineurininhibitoren, insbesondere das Pimecrolimus. Dies ist erst ab zwei Jahren zugelassen. Die neue ärztliche Neurodermitis-Leitlinie wird jedoch ausdrücklich – bei entsprechender Indikation - die Verwendung in diesen Bereichen auch bei Kindern unter 2 Jahren empfehlen.

Die Basistherapie der Neurodermitis ist auch im Gesicht die Pflege mit rückfettenden Cremes. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine „Therapie“ weil sie am Kernproblem, der Barrierestörung der Haut, angreift.

Letzte Frage: Es wird bald Sommer, wie lässt sich die proaktive Neurodermitistherapie mit dem Aufenthalt in der Sonne vereinbaren?

Ein Lichtschutz wird bei Kindern mit Neurodermitis generell wie bei nicht erkrankten Kindern empfohlen. Sinnvoll ist ein Sonnenschutz mit UVA/UVB-Filter, der konsequent angewendet werden sollte, ergänzt um sonnenschützende Textilien. Die Sonnenschutzprodukte sollten keine Duft-, Konservierungs- und Farbstoffe enthalten, eine Empfehlung, die auch generell für die Basispflegeprodukte gilt.  Eine exzessive Sonnenexposition durch Sonnenbaden oder Solarien ist generell nicht empfehlenswert, auch nicht für hautgesunde Kinder.

Advertorial

Frau Dr. Nemat, herzlichen Dank  für dieses Gespräch!

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