antientzündliche proaktive Neurodermitis-Therapie

Dr. Katja Nemat, Fachärztin für Kinderpneumologie und Allergologie am Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt (Kid)und Mitglied des Vorstands beim Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. (AeDA)

Neurodermitis: Proaktive Therapien mit antientzündlichen Wirkstoffen!

Kann es durch die Anwendung externer Kortikoide zu lokalen Nebenwirkungen kommen?

Lokale Nebenwirkungen durch externe Kortikoide sind prinzipiell möglich. Bei den modernen Kortikoiden ist das Risiko insgesamt aber sehr gering. Bei korrekter Anwendung moderner Kortikoide kann man lokale – ebenso wie systemische - Nebenwirkungen ausschließen.

Unterscheiden muss man, um welche Art von Kortison es sich genau handelt, denn es gibt vier Generationen von Kortisonexterna. 1952 kam das ersteKortikoid als Externum auf den Markt  und seitdem wurden die Kortisonsalben kontinuierlich weiterentwickelt. Ähnlich wie bei den Antihistaminika wurden die Wirkstoffe weiterentwickelt und das Nebenwirkungs-Wirkungs-Verhältnis deutlich verbessert. Im Moment sind wir bei der vierten Kortisonexterna-Generation, bei denen nur noch ein extrem geringes Risiko für lokale Nebenwirkungen besteht, vor allem für eine Hautatrophie, einer Verdünnung der Haut. Zu einer Hautatrophie kann es kommen, wenn man ältere Kortisonsalben in hoher Dosis häufig und über einen längeren Zeitraum hinweg, d.h. täglich ohne Unterbrechung anwendet – insbesondere an Stellen, an denen die Haut bereits per se etwas dünner ist. Bei Kindern sind dies der Bereich der Augenlider und der Windelbereich bzw. Genitalbereich. Hier besteht auch eine erhöhte Durchlässigkeit. Deshalb können dort bei exzessiver Anwendung von Kortisonexterna lokale Nebenwirkungen auftreten, insbesondere unter Okklusion, d.h. Abdeckung.

Eine Hautverdünnung durch ältere Kortikoidexterna ist in der Regel, wenn sie frühzeitig bemerkt wird, noch reversibel, d.h. sie kann sich wieder zurückbilden. Bemerkt man dies nicht und wendet die Kortisonexterna weiterhin an, kann die Hutverdünnung irreversibel werden. Mit den modernen Kortikoiden sehen wir diese Hautatrophien allerdings gar nicht mehr. Das liegt einmal am optimierten Wirkstoff, aber wahrscheinlich auch daran, dass wir unsere Patienten beraten, wie, wann und wie lange sie die Kortikoide anwenden sollen.

Wie merken Patienten, die Kortisonsalben der alten Generation verwendet haben, dass sich die Haut verdünnt?

Man erkennt die Hautverdünnung an einer dünneren, vermehrt durchsichtigen Haut und einer pergamentartigen Fältelung. Manchmal kommt es zu  Teleangiektasien, d.h. es sind einzelne Adern durch die Haut sichtbar. Zu solchen Hautverdünnungen kommt es mit den modernen Kortisonexterna, die nach einem festen Behandlungsschema aufgetragen werden, nicht mehr.

Sie erwähnten den Windelbereich und in diesem Zusammenhang die Anwendung von Kortisonsalben unter Okklusion….  

Unter Okklusion, d.h. abdeckender Behandlung, steigt das Risiko für Nebenwirkungen dramatisch an. Dieser Umstand hat im Windelbereich Relevanz, dort ist die Haut sowieso bereits etwas dünner und durchlässiger. Schwerwiegende Nebenwirkungen durch Kortisonsalben oder –cremes wurden nur bei Anwendung im Windelbereich gesehen! Allerdings wurde das nur bei stark oder sehr stark wirksamen Kortikod-Externa beobachtet. Diese Substanzen verbieten sich daher im Windelbereich.

Wenn die Entzündungsreaktion zu stark ist und pflegende oder antiseptische Maßnahmen nicht mehr ausreichen, kann hier für kurze Zeit ein Klasse 2-Kortikosteroid – am besten sogar 30 Prozent  oder 60 Prozent verdünnt angewandt werden.

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Im Windelbereich behandelt man in der Regel aber keine Neurodermitis, denn es ist typisch für die Neurodermitis, dass sie im Windelbereich gar nicht auftritt. Durch die Windeln befindet sich die Haut in diesem Bereich in einer Art feuchten Kammer und ist gut hydriert. Nur in ausgesprochen seltenen (und schweren) Fällen treten bei Kindern mit Neurodermitis Ekzeme auch im Windelbereich auf.

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