Neurodermitis Mikrobiom Haut

Prof. Dr. Thomas Werfel, Stellvertretender Klinikdirektor an der Medizinischen Hochschule Hannover

Neurodermitis: Welche Rolle spielt das Mikrobiom der Haut?

Bei Menschen mit Neurodermitis ist die Hautbarriere gestört. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Hautbarriere und mikrobieller Besiedelung der Haut?

Bestimmte Keime, z.B. die Staphylokokken, vermehren sich auf einer gestörten Hautbarriere ganz besonders gut. Interessanterweise haben bestimmte Barrieremoleküle, wenn sie in der Haut abgebaut werden, auch eine antimikrobielle Wirkung. Ein Beispiel ist das zurzeit viel diskutierte Filaggrin. Wenn diese Moleküle bei gestörter Hautbarriere verringert sind, könnte dies auch damit zusammenhängen, dass bestimmte Keime  hier besser überleben können. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen der gestörten Hautbarriere und dem Überlebensvorteil für bestimmte Keime.   

Omega 3 Fettsäuren sollen die Stabilität der Hautbarriere bei Neurodermitikern fördern. Wirken sich diese Substanzen auch auf das Mikrobiom der Haut aus?

Es wird diskutiert, dass eine Behandlung mit Omega 3 Fettsäuren eine hilfreiche Wirkung in Bezug auf die gestörte Hautbarriere der Neurodermitis haben kann. Leider gibt es auch hier keine direkten kontrollierten Studien, die dies sicher nachweisen. Es handelt sich hierbei also nach wie vor um konzeptionelle Überlegungen, wobei ich persönlich glaube, dass es sehr lohnenswert ist, bei Neurodermitis gezielte Studien mit omega-3 Fettsäuren durchzuführen. 

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Auch Harnstoff wird bei der Behandlung von Neurodermitis eingesetzt. Gibt es auch hier einen Zusammenhang mit dem Mikrobiom der Haut?

Harnstoff wird schon seit langer Zeit eingesetzt, um eine Wasserrückbindung auf der Haut zu erzielen. In einer neueren Studie der Arbeitsgruppe um Prof. Krutmann aus Düsseldorf wurden die Funktionen von Harnstoff auf der molekularen Ebene der Haut gezielt untersucht. Die Autoren haben publiziert, dass antimikrobielle Peptide, d.h. Antibiotika, die die Haut selbst produziert, unter Harnstoffbehandlung von Hautmodellen ansteigen. Harnstoff hat also vermutlich eine größere Wirkung als wir früher angenommen haben.

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Gibt es auch eine Wechselwirkung zwischen Metabiotika und dem Mikrobiom der Haut?

Aktuell ist für den Einsatz von Metabiotika bei der Behandlung von Neurodermitis keine abschließende Empfehlung möglich. Die Daten sind widersprüchlich und in zukünftigen Studien müsste in hinreichend großen Kollektiven und kontrolliertem Design eine Wirksamkeit von Metabiotika bei der Behandlung von Neurodermitis nachgewiesen werden.  

Herr Prof. Werfel, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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