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Neurodermitisschulung

Dr. med. Annice Heratizadeh, Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Allergologie in der Abteilung für Immundermatologie und experimentelle Allergologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover

AG Neurodermitisschulung (ARNE): Was ist wichtig für die Erwachsenen?

In Deutschland geht man davon aus dass bis zu 3 Prozent der Erwachsenen und 10 bis 15 Prozent der Kinder an Neurodermitis leiden. Da die Erkrankung im Kindesalter deutlich häufiger auftritt, liegt das Augenmerk der Neurodermitisschulungen überwiegend auf den kleinen Patienten. Dem Informationsbedarf erwachsener Neurodermitiker werden diese aber nicht in ausreichendem Maße gerecht. Dr. med. Annice Heratizadeh, Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Allergologie in der Abteilung für Immundermatologie und experimentelle Allergologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover, hat sich deshalb mit der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung für Erwachsene (ARNE) für die Entwicklung eines Konzeptes zur Schulung erwachsener Neurodermitiker eingesetzt und sprach mit MeinAllergiePortal über dieses Konzept.

Frau Dr. Heratizadeh, wie unterscheiden sich die Neurodermitisschulungen für Erwachsene von denen der Kinder?

Die Erwachsenenschulung nach ARNE-Konzept umfasst zusätzlich Themenbereiche zur Erkrankung „Neurodermitis“, die vor allem im Erwachsenenalter relevant sind. Zum einen sind dies Therapiemöglichkeiten insbesondere des Erwachsenenalters wie z.B. die Phototherapie oder innerliche immunmodulierende Behandlungen. Zum anderen werden sozialmedizinische Aspekte wie z.B. der Zugang zu Rehabilitationsmöglichkeiten oder die Beantragung eines „Grades der Behinderung“ besprochen. Auch berufsbedingte Risikofaktoren und in diesem Zusammenhang wichtige Ansprechpartner z.B. für den Fall, dass die berufliche Tätigkeit die Neurodermitis (insbesondere ein Handekzem) möglicherweise verschlimmert, sind Thema der ARNE-Schulung.

Wo werden die ARNE-Neurodermitisschulungen für Erwachsene durchgeführt?

Im Rahmen der 2010 gestarteten Multizenterstudie wurden Erwachsenenschulungen nach ARNE-Konzept in 17 Studienzentren verteilt über das Bundesgebiet durchgeführt. Mittlerweile wurde die „Schulungsphase“ im Rahmen der Studie abgeschlossen und wir sind derzeit mit der Auswertung der Daten beschäftigt. Unser langfristiges Ziel ist es, dass diese Patientenschulung in die wohnortnahe ambulante Versorgung erwachsener Patienten/innen aufgenommen wird.

Dies ist mit der Schulung nach AGNES e.V. Konzept für Eltern, Kinder und Jugendliche bereits erfolgreich geschehen. Für Erwachsene werden die Kosten für eine Schulungsteilnahme dagegen eher selten und dann häufig auch nur teilweise von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Daher werden diese Schulungen aktuell noch nicht regelhaft angeboten. Die erwähnte Studie wurde ins Leben gerufen, um positive Effekte einer Schulungsteilnahme für die Patienten/innen nachweisen zu können, um dann auch für eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen argumentieren zu können.

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Welche Themen interessieren die erwachsenen Neurodermitis-Patienten am meisten?

Zu Beginn jeder Schulung werden die Teilnehmer/innen gebeten, ihre Fragen zur Erkrankung „Neurodermitis“ zu notieren. So hat das Trainerteam eine Vorstellung darüber, welche Themen in dieser Schulungsgruppe von ganz besonderem Interesse sind. Hierbei fällt auf, dass das Interesse und der Informationsbedarf der Teilnehmer/innen grundsätzlich ausgesprochen vielfältig sind. Daher werden die Schulungen auch durch ein interdisziplinäres Trainerteam bestehend aus Fachkräften der Bereiche Dermatologie, Psychologie/Psychotherapie Medizin/Pädagogik und Ernährung.

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Wo besteht bei erwachsenen Neurodermtis-Patienten der größte Informationsbedarf?

Die Patienten/innen möchten mehr erfahren zur Krankheitsentstehung und zu Therapiemöglichkeiten, hier insbesondere auch zum Thema „Kortison“ und zu „alternativen Heilverfahren“. Aber auch zum Zusammenhang zwischen Neurodermitis und psychischen Einflussfaktoren sowie zum Umgang mit Juckreiz im Alltag besteht ein großer Informationsbedarf. Weiterhin werden Fragen zu Ernährungsfaktoren, möglichen Maßnahmen zur Vorbeugung und zu krankheitsbedingten Kosten gestellt.

 

Welche Triggerfaktoren sind bei Erwachsenen ausschlaggebend für einen Neurodermitis-Schub?

Die Ursachen für Neurodermitis sind vielfältig. Neben einer genetischen Veranlagung (Atopie) können äußere Triggerfaktoren wie u.a. Allergene (z.B.  Hausstaubmilben, Pollen oder seltener auch bestimmte Nahrungsmittel), klimatische Faktoren, chemische oder physikalisch-mechanische Irritation, Tabakkonsum und -rauch ebenso wie psychische Faktoren den Hautzustand beeinflussen. Hierbei sollte jeder Fall für sich zu betrachtet werden, um in Zusammenarbeit mit der Patientin/ dem Patienten individuell mögliche Triggerfaktoren zu identifizieren. Dies kann auch mit Unterstützung einer gezielten allergologischen Diagnostik geschehen, die ebenfalls fallabhängig veranlasst wird.

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Gibt es Strategien, wie man Neurodermitis-Schübe verhindern kann?

Aufbauend auf der individuellen Krankengeschichte und gegebenenfalls den Ergebnissen einer allergologischen Diagnostik wird das individuelle Therapiekonzept erstellt. Hieraus lässt sich erkennen, dass es kein allgemeingültiges Behandlungsverfahren gibt. Vielmehr haben wir zahlreiche wirksame Therapieoptionen, aus denen dann die geeigneten für jede/n Patienten/in ausgewählt werden. Durch regelmäßige Kontrollen sollte die Therapie im weiteren Verlauf an die individuelle Verträglichkeit und auch den Krankheitsverlauf angepasst oder, falls erforderlich, gegebenenfalls auch wieder verändert werden.

Was allerdings für alle Betroffenen gilt, ist die Tatsache, dass Neurodermitis mit einer gestörten Funktion der Hautbarriere assoziiert ist. Daher ist eine unverzichtbare Therapiemaßnahme die konsequente tägliche Basistherapie der gesamten Haut. Durch Anwendung eines gut verträglichen Pflegepräparates kann das Auftreten von Schüben verzögert und auch der Verbrauch an äußeren kortisonhaltigen Präparaten vermindert werden.

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Ebenso sollten Tabakkonsum und auch Passivrauchen vermieden werden.


Der Juckreiz und unschöne Hautstellen sind bei Neurodermitis zentrale Themen. Welche Empfehlungen geben Sie diesbezüglich?

Eine wichtige Erkenntnis zum Krankheitsgeschehen ist der sogenannte „Juckreiz-Kratz-Zirkel“. Grundsymptom der Neurodermitis ist der spezielle Juckreiz, welcher zu Kratzverhalten führt. Das Kratzen selbst und Kratzeffekte der Haut können dann wiederum die Entzündung in der Haut anfachen. Die sichtbare Entzündung der Haut wiederum führt zur Verstärkung des Juckreizes. Um diesen Zirkel zu durchbrechen, gibt es, wie erwähnt, eine Reihe an Therapiemaßnahmen.

Neben der medikamentösen Therapie sollte zusätzlich das individuelle Verhalten bei Juckreiz berücksichtigt werden und, wenn erforderlich, eine Verhaltensänderung angestrebt werden. Das ARNE-Schulungskonzept umfasst daher auch die interaktive Erarbeitung von Juckreiz-Bewältigungsstrategien, die Durchführung von Entspannungsübungen und krankheitsrelevante hilfreiche verhaltenstherapeutische Elemente.

Welche sonstigen Faktoren sind bei erwachsenen Neurodermitikern wichtig?

Als ein von den Patienten/innen als ausgesprochen wichtig empfundener Effekt der genannten Schulungen wird das „Wir-Gefühl“ in Bezug auf die Erkrankung angegeben. Die Schulungen werden in Kleingruppen durchgeführt und die Patienten/innen stellen dabei fest, dass sie mit der Erkrankung nicht alleine sind. Daher ist zu auch empfehlen, Kontakt mit Selbsthilfegruppen aufzunehmen.

Von Seiten der Experten ist zu sagen, dass das Krankheitsbild „Neurodermitis“ Thema intensiver internationaler Forschungsvorhaben ist. Ziel ist es, die Entstehung der Erkrankung noch besser zu verstehen und zukünftig neuartige gut verträgliche und möglichst nebenwirkungsarme Therapieverfahren zu entwickeln.

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Frau Dr. Heratizadeh, herzlichen Dank für dieses Interview!

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