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Neurodermitis Kinder Cremen

PD Dr. med. Hagen Ott, Kinderarzt, Hautarzt, Allergologe und Leitender Oberarzt der Pädiatrischen Dermatologie und Allergologie am Epidermolysis bullosa Kompetenzzentrum Hamburg (ELBA), Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, Hamburg

Neurodermitis bei Kindern: Richtig cremen mit der richtigen Creme!

Immer wieder wird betont, dass die Hautpflege bei Kindern mit atopischer Dermatitis bzw.  Neurodermitis das "A und O" ist. Aber gleichzeitig ergeben sich hier viele Fragen. Welche Creme ist die richtige? Wie cremt man richtig? Worauf muss man bei den Inhaltsstoffen achten? Eltern wissen hier oft nicht genau was zu tun ist. MeinAllergiePortal sprach mit PD Dr. med. Hagen Ott, Kinderarzt, Hautarzt, Allergologe und Leitender Oberarzt der Pädiatrischen Dermatologie und Allergologie am Epidermolysis bullosa Kompetenzzentrum Hamburg (ELBA), Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, Hamburg über richtiges Cremen mit der richtigen Creme bei Kindern mit Neurodermitis.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: PD Dr. med. Hagen Ott

Herr Privatdozent Ott, was ist bei Kindern mit Neurodermitis bei der Hautpflege zu beachten?

Die Neurodermitis tritt in über der Hälfte aller Fälle im ersten Lebensjahr auf, bis zum Ende des fünften Lebensjahres zeigen fast 90 Prozent der Patienten erste Symptome. Dies bedeutet, dass insbesondere Säuglinge und Kleinkinder von Neurodermitis betroffen sind. In diesem frühen Lebensalter sollten die eingesetzten Lotionen, Cremes und Salben keine unnötigen Zusatzstoffe enthalten.

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Warum ist es so wichtig, dass Pflegeprodukte für Kinder mit Neurodermitis keine unnötigen Zusatzstoffe enthalten?

Zum Beispiel besitzen Duftstoffe keinerlei therapeutischen Nutzen, können aber nicht selten Kontaktallergien auslösen. Die 26 am häufigsten zu Allergien führenden Duftstoffe sind in den Mitgliedsstaaten der EU deklarationspflichtig. Das heißt, dass sie auf der Verpackung des jeweiligen Produkts ab einer bestimmten Konzentration neben der Sammelbezeichnung "Parfüm" eindeutig gekennzeichnet werden müssen. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang Zimtaldehyd, Hydroxycitronellal, Eugenol und Isoeugenol, da sie ein hohes Kontaktallergie-Potenzial aufweisen.

Wieder andere Duftstoffe wie z. B. Majantol sind (noch) nicht deklarationspflichtig, werden aber von zahlreichen Experten als ebenfalls problematisch angesehen. Allerdings ist es für Eltern betroffener Kinder häufig nicht erforderlich, diese allergenen Inhaltsstoffe im Einzelnen zu kennen. Viele Hersteller sind sich des Problems aber durchaus bewusst und bieten „duftstoff-freie“ oder „parfüm-freie“ Produkte insbesondere für Säuglinge und Kinder anderer Altersstufen an.

Auch andere Zusatzstoffe können Allergien auslösen und/oder irritativ auf die Haut von Kindern mit Neurodermitis wirken. Sie sind jedoch, je nach Art und Zubereitung des Pflegeprodukts, schwer oder überhaupt nicht vermeidbar. So sind gut verstreichbare Cremes und Emulsionen ohne Emulgatoren bislang nur mit aufwändigen Verfahren herstellbar, die von den meisten Herstellern noch nicht eingesetzt werden.

Auch Konservierungsstoffe sind insbesondere bei stark wasserhaltigen Präparaten nicht zu umgehen, wenn eine Keimbesiedlung verhindert werden soll. Glücklicherweise werden die entsprechenden Produkte im Alltag von der Mehrzahl der von Neurodermitis betroffenen Kinder gut toleriert.

Tritt jedoch unter Anwendung eines Pflegeprodukts wiederholt eine Verschlechterung des Hautzustandes in den eingecremten Arealen auf, sollte dieses Produkt in jedem Falle zunächst nicht mehr eingesetzt werden. In diesem Fall ist zur eingehenden Beratung und gegebenenfalls zur weiterführenden allergologischen Untersuchung die Vorstellung bei einem Hautarzt oder einem Kinderallergologen sinnvoll.

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Neurodermitische Haut kann sich im Laufe der Zeit verändern, wie merken Mütter und Väter, dass die bisher verwendete Creme nicht mehr den Anforderungen entspricht?

Die Basistherapie bei Neurodermitis sollte u. a. stadien-, klima- und alters-adaptiert erfolgen. Hiermit ist gemeint, dass die Haut-Basispflege sich an der jeweiligen Krankheitsaktivität, den klimatischen Umgebungsbedingungen und dem Patientenalter orientieren sollte.

So gilt noch immer die dermatologische Grundregel: "Feucht auf feucht und fett auf trocken". Nässende, akut betroffene Neurodermitis-Areale werden daher am besten mit feuchten Umschlägen behandelt. Hier hat sich z.B. der Einsatz von schwarztee-getränkten Tupfern sehr bewährt. Werden diese nässenden Hautareale stattdessen mit fetthaltigen Cremes und Salben behandelt, werden die Eltern häufig eine ausbleibende Besserung oder sogar Beschwerdezunahme bemerken. In akuten, aber nicht nässenden Neurodermitis-Stadien kann eine wasserhaltige Creme eingesetzt werden, während in der Langzeitbehandlung sehr trockener Haut als Pflegeprodukte am besten Cremes mit höherem Lipid-Anteil oder Fettsalben verwendet werden sollten.

Auch Klima und Patientenalter spielen eine Rolle. So sollten in den Sommermonaten und bei hohen Außentemperaturen zu fettige Cremes und Salben vermieden werden, da sie durch den sogenannten Okklusionseffekt zu irritativen Reaktionen mit verstärkter Hautrötung und Juckreiz führen können. In gleichem Sinne ist die Anwendung stark fetthaltiger Cremes im Gesichtsbereich während und jenseits des Pubertätsalters nicht anzuraten, da hier die körpereigene Produktion von Hautfetten in der Regel ausreichend ist.

Wie häufig sollte man Kinder, die Neurodermitis haben, eincremen?

Die Häufigkeit der Basispflege richtet sich in erster Linie nach dem eingesetzten Pflegeprodukt und der Krankheitsaktivität. Generell gilt, dass ein Pflegeplan am besten individuell, auf den Einzelpatienten zugeschnitten, festgelegt wird, um eine optimale Wirksamkeit zu garantieren.

Bei den meisten Patienten mit chronischer Neurodermitis, die eine fettreiche Pflegecreme oder –Salbe einsetzen, ist die zweimal tägliche Anwendung ausreichend. Bei sehr trockener und verdickter Haut, insbesondere an Händen und Füßen, können häufigere Anwendungen erforderlich sein. In diesen Fällen ist der Einsatz sog. Feuchthaltefaktoren (Moisturizer) sinnvoll. Hierzu gehört im Säuglingsalter v. a. Glycerin, während bei älteren Klein- und Schulkindern sowie Jugendlichen zusätzlich Harnstoff (Urea) in Konzentrationen von 5 bis10 Prozent zugesetzt werden können.

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Ist es bei Neurodermitis sinnvoll, die Kinder vor jedem Eincremen zu baden?

Wasser ist in der Basistherapie als Pflegeprodukt zu betrachten, dessen Anwendungshäufigkeit sich am aktuellen Krankheitsstadium orientiert. So ist es bei akuten Verschlechterungen der Neurodermitis häufig sinnvoll, ein- bis zweimal täglich zu baden, damit Salben- und Hautreste sowie Bakterien abgespült werden. Zusätzlich empfinden viele Patienten das Bad in maximal körperwarmem Wasser als angenehm kühlend und juckreizlindernd. In stabilen Krankheitsphasen sind 2 bis 3 mal wöchentlich durchgeführte Bäder in der Regel ausreichend. In jedem Fall sollte im Anschluss an ein Vollbad oder Duschen das entsprechende Pflegeprodukt erneut aufgetragen werden, um ein Austrocknen zu verhindern.

Was ist bei Kindern mit Neurodermitis in Bezug auf Sonnencreme zu beachten?

Bei Kindern mit Neurodermitis gelten die allgemeinen Regeln zum Sonnenschutz im Kindesalter. So sollten Säuglinge nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden. In dieser Altersstufe ist zudem ein rein textiler Sonnenschutz (Hut, Hose, Hemd plus Sonnenschirm) zu empfehlen. Jenseits des Säuglingsalters sollten anorganische, besser bekannt als physikalische Sonnenschutz-Substanzen (Zinkoxid, Titandioxid) bevorzugt werden, auch wenn nach aktuellem Kenntnisstand Produkte mit organischen (chemischen) Sonnenschutz-Substanzen ebenfalls sicher einsetzbar sind. In jedem Fall ist ein Produkt mit ausreichendem Schutzspektrum (UVA und UVB) zu empfehlen. Ein Lichtschutzfaktor 30 ist bei fast allen Patienten ausreichend. Nur Patienten mit sehr heller Haut und/oder sonnenlicht-abhängigen Erkrankungen wie z. B. der Rosacea ist ein höherer Sonnenschutzfaktor anzuraten.

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Herr Privatdozent Ott, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.