Neurodermitis und Ernährung: Was essen, was nicht? Wie kann man die Hautbarriere stärken?
Bei Neurodermitis ist die Hautbarriere geschädigt. Sie verliert damit ihre schützende Funktion. Da die Haut ein Schlüsselorgan des Immunsystems ist, schwächt eine geschädigte Hautbarriere das gesamte Immunsystem. Die Ernährung hat einen wesentlichen Einfluss auf die Haut. Spitzenforscher haben sich deshalb die Frage gestellt, wie die Ernährung die Hautbarriere bei Neurodermitis und das Allergierisiko insgesamt beeinflussen können. Untersucht wurden zum einen Makronährstoffe, dazu gehören Fette, Kohlenhydrate, Eiweiße, aber auch Mikronährstoffe, also Vitamine, sowie Polyphenole - sekundäre Pflanzenstoffe – und auch Probiotika. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis, Universität Zürich und Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF) über die Ergebnisse seiner Übersichtsarbeit zur richtigen Ernährung für die gestörte Hautbarriere bei Neurodermitis. Er gibt Antworten auf die Frage, was man bei Neurodermitis essen sollte und was nicht und wie man die Hautbarriere stärken kann.

Autor: Sabine Jossé M.A.
Interviewpartner: Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis, Universität Zürich und Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF)
Herr Prof. Akdis, welchen Einfluss hat die Ernährung auf die gestörte Hautbarriere bei Neurodermitis – was lernt man aus Studien?
Bei unserer Überprüfung einer großen Anzahl von Studien wurde deutlich, dass bestimmte Nahrungsbestandteile die Hautbarriere stärken, andere aber auch schwächen können. Es stellt sich also die Frage, ob die richtige Ernährung bei Neurodermitis möglicherweise Teil der Therapie sein könnte. Diese Erkenntnis ist bedeutsam, denn mittlerweile weiß man, dass bei allergischen Erkrankungen die Sensibilisierung über die Haut erfolgt und dass Neurodermitis oft die erste Station einer Allergikerkarriere ist. In vielen Fällen kommt es danach zu Nahrungsmittelallergien, Asthma und allergischer Rhinitis. Hinzu kommt, dass wir durch die Epithelbarriere Theorie wissen, dass die Hautbarriere in unserer westlichen Welt zahlreichen schädigenden Einflüssen ausgesetzt ist. Eine aktive und frühzeitige Stärkung der Haut wäre also dringend notwendig und würde ein enormes Therapiepotenzial bieten.
Welche Bestandteile der Ernährung haben einen Einfluss auf die gestörte Hautbarriere bei Neurodermitis?
Wir unterscheiden hier zwischen Mikronährstoffen, Makronährstoffen und weiteren Nährstoffen wie Probiotika und Polyphenole. Darüber hinaus spielt die generelle Ernährungsform eine Rolle für die Hautgesundheit. Es macht für die Haut einen großen Unterschied, ob man sich sich eher im Stil der westlichen Welt ernährt, ob man man die mediterrane Diät bevorzugt oder ob man überwiegend pflanzenbasiert isst. Zudem hat sich gezeigt, dass auch die mütterliche Ernährung für die Stärke der Hautbarriere relevant ist.
Was gehört zu den Mikronährstoffen und welchen Einfluss haben sie auf die Neurodermitis-Haut?
Zu den Mikronährstoffen gehören Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Für das Immunsystem sind sie lebensnotwendig, aber der Körper kann sie nicht selbst herstellen. Sie müssen also regelmäßig über die Nahrung aufgenommen werden. Bei vielen dieser Mikronährstoffe hat man einen Einfluss auf die Hautgesundheit beobachtet.
Welche Vitamine können bei Neurodermitis die Symptome verbessern?
In unserer Metastudie, bei der wir die Ergebnisse sehr vieler Studien untersucht haben, kamen wir zu dem Ergebnis, dass insbesondere die Vitamine C, E, A und D einen Einfluss auf das Hautbild bei Neurodermitis haben. Das sieht im Einzelnen so aus:
Neurodermitis und Vitamin C
Vitamin C, auch als Ascorbinsäure bezeichnet, ist für die Hautgesundheit von zentraler Bedeutung und kann ausschließlich über die Nahrung aufgenommen werden. In der Beobachtungsforschung hat man bei Neurodermitis-Patienten verminderte Vitamin-C-Plasmaspiegel festgestellt, begleitet von niedrigeren epidermalen Ceramidspiegeln. Ceramide sind ein wichtiger Bestandteil gesunder Haut. Sie bilden die Lipide, also die Fette der äußeren Hautschicht und stärken so die Hautbarriere.
Dies kann als Hinweis auf die Rolle von Vitamin C bei der Aufrechterhaltung der Hautbarrierefunktion gesehen werden. Vitamin C ist insbesondere in rohen frischen Früchten und in Gemüse enthalten. Viel Vitamin C ist in Zitrusfrüchten wie Grapefruit, Orangen, Zitronen, aber auch in Kirschen und Kiwi enthalten. Beim Gemüse enthalten Spinat, Broccoli, Grünkohl, Tomaten, Bohnen und rote Paprika besonders viel Vitamin C.
Neurodermitis und Vitamin E
Beim Vitamin E sind die Bestandteile α-Tocopherol und γ-Tocopherol biologisch am relevantesten. Es gibt hier allerdings widersprüchliche Eigenschaften, denn während α-Tocopherol anti-entzündlich wirkt, kann γ-Tocopherol entzündliche Prozesse fördern. Es gibt Studien, die gezeigt haben, dass tägliche Vitamin A-Dosen in Höhe von 268 mg das Hautbild von Neurodermitis-Patienten verbessern und IgE-Spiegel senken können, ohne dass es zu signifikanten Nebenwirkungen kommt. Allerdings kamen andere Studien zu gegenteiligen Ergebnissen. Hier muss also noch geforscht werden. Vitamin E α-Tocopherol ist in grünem Blattgemüse und in Ölen wie Olivenöl enthalten., Vitamin E γ-Tocopherol findet man in Rapsöl und Sojaöl.
Neurodermitis und Vitamin A
Vitamin A ist ein fettlösliches Vitamin, dass die Hautgesundheit und Immunfunktion unterstützt. Dabei gibt es zum einen die Vitamin-A-Abkömmlinge Retinoide, die in tierischen Nahrungsmitteln vorkommen und die Provitamin-A-Carotenoide aus pflanzlichen Lebensmitteln. Auch hier fand man bei Untersuchungen an Neurodermitis-Patienten wieder niedrigere Vitamin-A-Spiegel, die in Kombination mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln als Indikator für schwerere Neurodermitis-Formen gelten. Hinzu kommt, dass ein Vitamin-A-Mangel das Risiko für die Besiedlung mit Staphylococcus aureus, einem bekannten Auslöser von Ekzem Schüben, erhöht. Retinoide aus tierischen Lebensmitteln findet man in Fisch, Leber, Milchprodukten und Eiern. Provitamin-A-Carotenoide sind in pflanzlichen Lebensmitteln wie gelben Gemüsen, zum Beispiel Karotten und Süßkartoffeln, sowie in Orangenenthalten.
Neurodermitis und Vitamin D
Vitamin D wird zu 80 Prozent durch die Sonneneinstrahlung über die Haut hergestellt und ist in nur wenigen Nahrungsmitteln enthalten. Hier zeigen die Studien uneinheitliche Ergebnisse. So stellte man bei einer Beobachtungsstudie fest, dass ein Vitamin-D-Mangel mit einem erhöhten Risiko für Neurodermitis einhergehen kann, insbesondere bei Übergewicht. Einen generell niedrigeren Vitamin-D-Spiegel im Serum fand man bei Neurodermitis-Patienten allerdings nicht in allen durchgeführten Studien. Dennoch gibt es Studien, die eine signifikante Verbesserung der Neurodermitis-Symptome unter Vitamin-D-Supplementation festgestellt haben, dies bei guter Verträglichkeit. Vitamin D ist in fettem Fisch, Eigelb aber auch in mit Vitamin-D-angereicherte Industriell gefertigten Lebensmitteln enthalten, wie zum Beispiel in Frühstückscerealien.
Aber auch die Mineralien spielen eine große Rolle für die Hautgesundheit bei Neurodermitis.
Welche Mineralien können bei Neurodermitis die Symptome verbessern?
Bei den Mineralien haben wir in unserer Metaanalyse insbesondere bei Eisen, Zink und Kupfer einen Einfluss auf Neurodermitis-Symptome festgestellt.
Neurodermitis und Eisen
Eine ausreichende Zufuhr von Eisen ist wichtig für das Immunsystem und die Gesundheit, insbesondere die der Haut. Eisen kommt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor, wobei man zwischen dem tierischen Hämeisen, das eine bessere Bioverfügbarkeit hat, und dem pflanzlichen Nicht-Hämeisen unterscheidet. Bei der Eisenaufnahme kommt es aber auch auf weitere Faktoren an. So kann die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C die Bioverfügbarkeit von Nicht-Hämeisen deutlich erhöhen. Dagegen können Kalzium sowie phytatreiche Lebensmittel wie Linsen, die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen erheblich beeinträchtigen. Dem wirken wiederum fettreicher Fisch und Vitamin C entgegen. Auch im Falle des Eisens hat man bei Beobachtungsstudien einen Zusammenhang zwischen Eisenmangel und Neurodermitis festgestellt. Eisen ist in rotem Fleisch, Geflügel, Fisch, Gemüse und Cerealien enthalten, die allerdings oft nur mit Eisen angereichert sind.
Neurodermitis und Zink
Zink ist ein essentielles Spurenelement, das hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln enthalten ist. Hier hat man bei Kindern mit Neurodermitis einen Zusammenhang mit Zinkmangel beobachtet, wobei Zinkmangel häufig zusammen mit Eisenmangel auftritt. Es gibt auch Studien, die bei Neurodermitis-Patienten einen Zinkmangel in Serum, Haar und Erythrozyten festgestellt haben, zusammen mit einem erhöhten ph-Wert der Haut. Zink ist in Fleisch, Geflügel, Fisch und Austern in besonders hohen Mengen enthalten.
Neurodermitis und Kupfer
Kupfer kommt in einer Vielzahl von Fleischsorten sowie in Nüssen vor. Hier ist die Studienlage wiederum uneinheitlich. Es gibt Beobachtungsstudien, die bei Kindern mit Neurodermitis einen Zusammenhang zwischen niedrigen Kupferspiegel sehen, andere Studien finden hier keine Assoziation. Kupfer kommt insbesondere in Rinderleber, Austern, Krabben, Pilzen, dunkler Schokolade, Fisch, Truthahn, Huhn und Nüssen vor.
Wichtig für eine hautgesunde Ernährung sind aber auch Ballaststoffe.
Neurodermitis und Ballaststoffe
Ballaststoffe sind ein wichtiger Bestandteil vieler pflanzlicher Lebensmittel und entscheidend für die Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Darmmikrobioms. Zu diesen Ballaststoffen gehören Probiotika, unverdauliche Bestandteile der Nahrung. Als Probiotika, die „gute Darmbakterien“ fördern, gelten Inulin, Fructooligosaccharide (FOS), Galactooligosaccharide (GOS) und Xylooligosaccharide (XOS). Diese produzieren kurzkettige Fettsäuren (SCFAs), denen ein protektiver Effekt in Bezug auf die Entstehung von Neurodermitis zugeschrieben wird. Reich an Ballaststoffen, die die guten Darmbakterien und damit das Darmmikrobiom fördern, sind Knoblauch, Zwiebeln, Spargel, Brokkoli und Vollkornprodukte.
Man sollte aber auch die essentiellen Fettsäuren nicht außer acht lassen, wenn es um eine Ernährung geht, die der Haut von Neurodermitikern guttut.
Neurodermitis und essentielle Fettsäuren (EFAs): Omega-3 und Omega-6
Essentielle Fettsäuren (EFAs) wie Omega-3 und Omega-6, sind für die Hautgesundheit unerlässlich. Da der Körper essentielle Fettsäuren nicht selbst herstellen kann, müssen diese über die Nahrung aufgenommen werden. In einer optimalen Hautbarriere beträgt das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 in etwa 3 zu 1. Dieses Verhältnis kann aus der Ballance geraten, wenn zu viele Omega-6-Fettsäure-haltige Speisen verzehrt werden. Deshalb sollte der Schwerpunkt auf Omega-3 liegen, da Omega -6 auch entzündungsfördernde Eigenschaften hat.
Omega-3-Fettsäuren sind in fettem Fisch wie Hering, Lachs, Makrele, Sardinen und Dorschleber enthalten. Omega-3-Fettsäuren in pflanzlichen Lebensmitteln findet man in Leinsamen, Leinöl, Walnüssen, Walnussöl, Chia-Samen, Hanföl und Algenöl. Omega-3-reiche Nahrungsmittel sollten reichlich verzehrt werden.
Omega-6-haltige Nahrungsmittelsollten nur in äußerst geringen Mengen im Speiseplan enthalten sein. Man findetsie in Geflügelfleisch, Eiern, Milchprodukten und oft auch als Zusatz in industriell hergestellten Produkten. Pflanzliche Omega-6-Quellen sind Distelöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Sesamöl und Weizenkeimöl. Auch in Kürbiskernen, Sonnenblumenkernen, Walnüssen und Hanfsamen ist Omega-6 enthalten.
Neurodermitis und gesättigte Fettsäuren (SFAs)
Gesättigte Fettsäuren findet man überwiegend in fettreichen Produkten tierischen Ursprungs. Dazu gehören Butter, Butterschmalz, Schmalz, fettes Fleisch, Eier und Vollfett-Milchprodukte. Aber auch in pflanzlichen Produkten wie Kokosöl und Palmöl, das allerdings auch Entzündungs-fördernde Eigenschaften hat, sind sie reichlich enthalten. Gesättigte Fettsäuren werden mit oxidativem Stress und Entzündungen in Verbindung gebracht. Ebenso hat man einen Zusammenhang zwischen einem hohen Konsum von Nahrungsmitteln mit hohen Anteilen an gesättigten Fettsäuren, insbesondere im Säuglingsalter, mit einer erhöhten Prävalenz von Neurodermitis beobachtet. Dies deutet darauf hin, dass Ernährungsmuster in der frühen Kindheit die langfristige Hautgesundheit und Immunfunktion beeinflussen können.
Neurodermitis und Transfettsäuren (TFS)
Transfettsäuren kommen überwiegend in gehärteten Pflanzenölen oder daraus hergestellten Produkten wie Margarine, verarbeiteten Snacks, frittierten Produkten und Backwaren vor. Sie stehen im Verdacht, entzündungsfördernde Wirkungen zu haben und das Immunsystem zu schädigen. In modernen Industriegesellschaften ist der Anteil von Transfettsäuren in der Ernährung ausgesprochen hoch, insbesondere bei industriell hergestellten Produkten, Fertigprodukten und Fast Food. Unter anderem in einer Geburtskohortenstudie hat man einen Zusammenhang zwischen hohen Anteilen von Transfettsäuren in der Ernährung und einem erhöhten Risiko für Neurodermitis festgestellt. Ebenso scheint eine Transfettsäure-reiche Ernährung bei bestehender Neurodermitis die Symptome zu verschlimmern.
Wir haben aber auch Studien zum Zusammenhang zwischen Neurodermitis und Polyphenolen, das sind sekundären Pflanzenstoffe, untersucht.
Was sind Polyphenole und was haben sie mit Neurodermitis zu tun?
Polyphenole bzw. sekundäre Pflanzenstoffe kommen natürlicherweise in bestimmten pflanzlichen Lebensmitteln vor. Dazu gehören grüner Tee, Kakao, Granatäpfel, Beeren, Äpfel, Brokkoli, Zwiebeln und Kaffee. Wichtig zu wissen ist, dass Zubereitungsarten wie Kochen, Erhitzen in der Mikrowelle oder Braten den Phenolgehalt deutlich reduzieren. Es gibt klinische Studien, die den potenziellen therapeutischen Nutzen von Polyphenolen bei Neurodermitis unterstreichen, zum Beispiel bei Neurodermitis-Symptomen wie Entzündungen, Juckreiz und Schlafstörungen sowie eine geringere Anzahl von Eosinophilen im peripheren Blut.
Wurde denn auch der Zusammenhang von Neurodermitis und Probiotika untersucht?
Ja, auch Studien dazu wurden analysiert. Probiotika sind Bakterienstämme, die in Nahrungsmitteln wie Joghurt, Käse, Sauergemüse/Pickles, Sauerkraut, Kimchi und Kombucha vorkommen. Sie sind entscheidend für die Darmgesundheit und ein gesundes Immunsystem. Man hat deshalb in mehreren Studien untersucht, ob man Neurodermitis durch die pränatale oder postnatale Gabe von Lactobacillus rhamnosus GG verhindern kann. Zwar gab es Hinweise auf einen möglicherweise präventiven Effekt, aber insgesamt zeigten die Untersuchungen uneinheitliche Ergebnisse. Die derzeitigen Erkenntnisse zu Neurodermitis und Probiotika reichen aktuell nicht aus, um den Einsatz von Probiotika zur Behandlung von Neurodermitis zu befürworten. Dies liegt vor allem daran, dass in den untersuchten Studien unterschiedliche Bakterienstämmen, in unterschiedlichen Dosierungen und mit unterschiedlichen Behandlungsprotokollen verwendet wurden.
Könnten Sie bitte nochmals zusammenfassen: Was sollte man nicht essen, wenn man Neurodermitis hat?
Grundsätzlich ist die Rolle der Ernährung im Zusammenhang mit Erkrankungen, auch bei Neurodermitis, ein sehr vielversprechendes Forschungsfeld. Es entwickelt sich ständig weiter, so dass das Wissen um entzündungshemmende und entzündungsfördernde Ernährung kontinuierlich wächst. In Bezug auf Neurodermitis weiß man heute, dass man sich nicht nach der sogenannten „Western Diet“ ernähren sollte. Damit ist die Ernährungsweise gemeint, die viele verarbeitete und raffinierte Lebensmittel bzw. Fertigprodukte enthält. Insbesondere bei Neurodermitis ist das nicht empfehlenswert, weil zu viele gesättigte Fettsäuren und Transfette enthalten sind und weil die Lebensmittel oft auch einen sehr hohen glykämischen Index haben. Hinzu kommt, dass Nahrungsmittel, die reich an Antioxidantien sind, wie Obst und Gemüse, bei der westlichen Ernährungsweise unterrepräsentiert sind. Zusammenfassend kann man sagen: Die westliche Ernährungsweise ist reich an Kalorien, aber nährstoffarm und fördert entzündliche Prozesse. Zudem ist sie mit einem übermäßigen Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren verbunden, das oft 10:1 übersteigt. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Konsum von ultraverarbeiteten Lebensmitteln mit einem erhöhten Risiko für allergische Erkrankungen, einschließlich Neurodermitis einhergeht. Bemerkenswerterweise zeigt ein erheblicher Anteil von Säuglingen mit schwerer Neurodermitis eine Überempfindlichkeit gegenüber Tartrazin, einem synthetischen Lebensmittelfarbstoff, der häufig in ultraverarbeiteten Produkten vorkommt.
Diese Lebensmittel fördern Entzündungen und sollten bei Neurodermitis vermieden werden:
- Stark verarbeitete Lebensmittel: Fast Food, Fertiggerichte und Snacks mit raffiniertem Getreide und Transfetten.
- Raffinierter Zucker und süße Getränke: Limonaden, Süßigkeiten, Gebäck; Besser sind Obst oder kleine Mengen Zartbitterschokolade.
- Verarbeitetes rotes Fleisch und verarbeitetes Fleisch sollten nur eingeschränkt verzehrt werden, um Entzündungssignale zu reduzieren.
- Stark verarbeitete Pflanzenöle mit hohem Omega-6-Fettsäuregehalt wie zum Beispiel Maisöl, Sojaöl und Sonnenblumenöl können bei übermäßigem Verzehr das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren stören.
- Alkohol sollte nur in Maßen oder gar nicht getrunken werden, da starker Alkoholkonsum Entzündungen fördern kann.
Grundsätzlich gilt die mediterrane Diät oder Mittelmeer-Diät als gesunde Ernährung. Sie hat einen hohen Anteil an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Olivenöl und Nüssen. Sie enthält zudem viel Fisch, Fleisch aber nur in Maßen. Aufgrund ihres Reichtums an Makro- und Mikronährstoffen wird die Mittelmeer-Diät mit einer Stärkung des Immunsystems in Verbindung gebracht. Ihr hoher Gehalt an Antioxidantien, Ballaststoffen und gesunden Fetten wie Olivenöl und Fischöl trägt vermutlich zu ihren entzündungshemmenden und antioxidativen Wirkungen bei.
Weiter sind auch pflanzenbasierte Ernährungsweisen für ihre entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften bekannt, die sich positiv auf die Hautgesundheit auswirken können. Unterschieden wird dabei zwischen der vegetarischen Ernährung bei der auf Fleisch, Geflügel und Fisch verzichtet wird und veganer Ernährung, bei der auch Produkte tierischen Ursprungs, wie Milchprodukte, Eier und Honig nicht verzehrt werden.

Neurodermitis und Ernährung: Was kann man essen?
Diese Nahrungsmittel sollte man bei Neurodermitis essen, da sie anti-entzündlich wirken:
- Gemüse und Obst in einer bunten Vielfalt; Kreuzblütler wie Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl und Beeren wie Heidelbeeren und Erdbeeren sind besonders gesund.
- Fetter Fisch und Omega-3-Fettsäuren, die in Lachs, Sardinen, Makrele; Leinsamen, Chiasamen und Walnüsse enthalten sind.
- Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte wie Hafer, Quinoa, Gerste; Bohnen, Linsen; wobei naturbelassene Produkte bevorzugt werden sollten.
- Gesunde Fette wie sie in nativem Olivenöl extra, Avocado, Nüssen und Samen voerkommen.
- Gewürze und Kräuter wie Kurkuma (Curcumin), Ingwer, Knoblauch, Zimt, Koriander, Oregano. Kurkuma kann in Kombination mit schwarzem Pfeffer die Aufnahme verbessern.
- Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi, Miso, möglichst ohne Sauzzusatz.
- Milchprodukte in Maßen: Joghurt und Kefir können, sofern vertragen, vorteilhaft sein. Bei Unverträglichkeiten sollten man auf milchfreie Alternativen zurückgreifen.
Zunehmend rückt aber auch der Zusammenhang zwischen der Ernährung werdender Mütter und Neurodermitis beim Kind in den Fokus.
Welche Rolle spielt die Ernährung in der Schwangerschaft für das Risiko der Kindes Neurodermitis zu entwickeln?
Die Ernährung der Mutter könnte ein Ansatzpunkt für die Verbesserung präventiver Strategien gegen allergische Erkrankungen, einschließlich Neurodermitis, sein. Wir wissen, dass ein starker Zusammenhang zwischen der Ernährung und dem Darmmikrobiom besteht. Ebenso wissen wir, dass allergische Erkrankungen und die Ernährung der Mutter das Mikrobiom des Kindes direkt oder indirekt über das mütterliche Mikrobiom beeinflussen. Zudem hat eine Studie gezeigt, dass Kinder von Müttern, die sich während der Schwangerschaft vegetarisch ernährten, ein geringeres Risiko hatten, vor dem 18. Lebensmonat an Neurodermitis zu erkranken. Hier muss jedoch noch viel geforscht werden.
Prof. Akdis, herzlichen Dank für dieses Interview!

Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis ist Direktor des Schweizerischen Instituts für Allergie- und
Asthmaforschung (SIAF) in Davos und Ordentlicher Professor der Medizinischen Fakultät an der Universität Zürich. Prof. Akdis‘ Forschungstätigkeiten konzentrieren sich auf die Mechanismen der Immunantwort beim
Menschen, auf die Regulation und die Rolle von Gewebezellen und der epithelialen Barrierefunktion bei
Entzündungen und in der Immuntoleranz bei Asthma und Allergien sowie auf die Entwicklung neuer Impfstoffe und Behandlungsmöglichkeiten. Er ist der Vater der Epithelialen Barriere Hypothese bei chronischen Entzündungskrankheiten, welche über 1 Milliarde Menschen betrifft. Er ist Autor hochkarätiger Publikationen und Sprecher bei internationelen Fachkongressen. Erreichbar ist er hier: https://www.siaf.uzh.ch/director.html
Quelle:
Klaudia Ryczaj, Burcin Beken, Cezmi Akdis, Feeding the Skin Barrier: The Impact of Macro- and Micronutrients on Skin Barrier Function, CTA, First published: 18 November 2025, https://doi.org/10.1002/clt2.70105
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