Neurodermitis, richtig cremen im Sommer

Prof. Dr. med. Knut Schäkel, Leitender Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik in Heidelberg

Neurodermitis im Sommer: Wie cremt und pflegt man sich richtig?

Bei Neurodermitikern sind oft die Augen besonders betroffen. Gibt es hier spezielle Empfehlungen?

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, dass Neurodermitiker spezielle Augensalben verwenden, die auch direkt im Auge selbst angewendet werden können. Die Inhaltsstoffe dieser Augensalben, dazu gehören Kortison, aber auch andere Wirkstoffe, führen dann auf keinen Fall zu Augenreizungen. Ansonsten gilt für die Augenpflege bei Neurodermitikern, dass die Pflegeprodukte eher weniger fetthaltig sein und dünn aufgetragen werden sollten.

Wie oft sollte man sich bei Neurodermitis eincremen und gibt es hier spezielle Empfehlungen für den Sommer?

Neurodermitispatienten sollten sich zweimal täglich eincremen, gerade auch im Hinblick auf die Stabilisierung der Hautbarriere. Viele Neurodermitispatienten cremen aber eigentlich zu wenig, obwohl sie ihre Beschwerden allein dadurch erheblich vermindern könnten. Eincremen ist zum einen eine behandelnde, zum anderen aber auch ein präventive Maßnahme.

Ein häufigeres Eincremen im Sommer ist allerdings nicht nötig.

Was ist bei Neurodermitis in Bezug auf die Sonne bzw. das Sonnenbaden zu beachten?

Aus Erfahrung weiß man, dass bei vielen Patienten ein Sonnenaufenthalt an der See dazu führt, dass das Ekzem zurückgeht. Das sollte bei Neurodermitis allerdings nicht zu ausgedehnten Sonnenbädern verleiten, bei denen man u.U. auch ins Schwitzen kommt. Zudem gibt es auch Neurodermitispatienten, bei denen ein Sonnenbad einen regelrechten Schub auslöst, z.B. bei einer lichtverstärkten Neurodermitis. Auch wenn die Neurodermitis-Haut gerade sehr entzündlich ist, kann ein Sonnenbad die Immunabwehr der Haut gegen Viren und Bakterien, z.B. Herpesviren, herabsetzen. Nicht umsonst bekommen viele Menschen durch starkes Sonnenlicht Herpesinfektionen.

Hinzu kommt, dass sich bei Neurodermitispatienten die Haut schneller erneuert als bei anderen Menschen. Dadurch verliert sich das braune Pigment schneller und damit auch der natürliche Sonnenschutz. Das macht Neurodermitiker deutlich lichtempfindlicher.

Grundsätzlich gilt: Licht ist krebserregend, Licht nutzen wir jedoch auch zur Behandlung von Hauterkrankungen. Bei Licht, das therapeutisch genutzt wird, handelt es sich allerdings um ein klar definiertes Lichtspektrum, das unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt wird. Deshalb empfehlen wir Neurodermitispatienten, Licht wohldosiert und eher in geringem Maße einzusetzen.

Advertorial

Kann man bei Neurodermitis Sonnencremes benutzen und was ist zu beachten?

Man kann bei Neurodermitis auch Sonnencremes benutzen. Diese sollten über die üblichen chemischenUVA-Filter bzw. UVB-Filter verfügen. Alternativ dazu gibt es auch Sonnencremes, gerade auch für Kinder, die Titandioxyd-Partikel enthalten. Titandioxyd ist ein mineralischer Sonnenschutz, der dadurch wirkt, dass das Titandioxyd das Licht reflektiert.

Die Auswahl an Sonnencremes ist groß und es gibt keine generellen Empfehlungen für den Sonnenschutz bei Neurodermitikern. Für Sonnenschutz gilt, wie für die Cremeprodukte generell, dass jeder Patient individuell ausprobieren sollte, was seiner Haut gut tut. Deshalb empfehlen wir den Patienten auch bei unseren Neurodermitisschulungen, sich ihr eigenes Cremesortiment zusammenzustellen und auch hin und wieder etwas Neues auszuprobieren. Aus diesem Repertoire kann der Patient dann je nach Hautzustand, Hautareal, Jahreszeit, Situation etc. genau die Creme für die Körperstellen auswählen, die seiner Haut guttut.

Herr Prof. Schäkel, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.