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Neurodermitis, Symptome, Diagnose, Therapie

Prof. Dr. Peter Schmid-Grendelmeier, Leiter der Allergiestation der Dermatologischen Klinik im Universitätsspital Zürich.

Neurodermitis: Symptome, Triggerfaktoren, Diagnose und Therapien

Neurodermitis gehört, zusammen mit der allergischen Rhinitis und Asthma, zu den Atopischen Erkrankungen, d.h. hier spielt die Vererbung eine Rolle. Die Neurodermitis äußert sich nicht bei jedem Patienten gleich. Die Symptome können sich je nach Alter unterscheiden und unterschiedlich sind auch die sogenannten Triggerfaktoren. Wie sich diese Faktoren auf die Diagnose und die Möglichkeiten der Therapie auswirken, darüber sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. Peter Schmid-Grendelmeier, Leiter der Allergiestation der Dermatologischen Klinik im Universitätsspital Zürich.

Herr Prof. Schmid-Grendelmeier, wie erkennt der Patient, dass er eine Neurodermitis hat? Wie sehen die betroffenen Hautstellen genau aus?

Die Neurodermitis ist eine Erkrankung, die wiederholt auftritt und mit Rötungen, Schuppenbildung und Juckreiz einhergeht. Häufig ist auch eine gewisse "Familiengeschichte" vorhanden, d.h. Eltern oder Geschwister leiden oft ebenfalls an Neurodermitis.  

Welche Areale des Körpers können von der Neurodermitis betroffen sein? Gibt es Unterschiede, je nachdem ob Säuglinge, Kinder oder Erwachsene betroffen sind?

Grundsätzlich kann eine Neurodermitis am ganzen Körper auftreten. Typisch für die Neurodermitis bei Kleinkindern ist das Auftreten der Hautveränderungen am Rumpf und an den Augen. Auch die Streckseiten sind bei kleinen Kindern häufig von der Neurodermitis betroffen und ebenso die Knie und Ellenbogen. Typischerweise bleibt beim Säugling die Windelregion ausgespart.

Beim Erwachsenen tritt die Neurodermitis oft an etwas anderen Körperstellen auf. Die Hautveränderungen zeigen sich hier häufig im Gesicht, im Nacken, in den Kniekehlen und in den Beugen der Ellenbogen, häufig auch symetrisch.

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Gibt es andere Hauterkrankungen, die der Neurodermitis in ihrer Erscheinungsform ähneln?

Ja, es gibt Hauterkrankungen, deren Erscheinungsbild dem der Neurodermitis ähnelt.

Das Kontaktekzem kann sich sehr ähnlich wie die Neurodermitis äußern und ebenso das seborrhoische Ekzem im Gesicht. Auch die Psoriasis, d.h. die Schuppenflechte, kann der Neurodermitis teilweise ähneln. Selten kann auch eine Skabies aufgrund des Juckreizes und sekundärer Ekzemreaktionen einer Neurodermitis ähnlich sehen.

In seltenen Fällen können bestimmte Erkrankungen auch parallel zu Neurodermitis auftreten, z.B. das Kontaktekzem – typisch ist dies allerdings nicht.

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Sind Neurodermitiker für solche Kontaktallergien anfälliger?

Generell kann man das nicht sagen, aber Neurodermitiker erkranken an gewissen Kontaktallergien  häufiger als andere Menschen. Das liegt jedoch in erster an gewissen Medikamenten, die sie zur Behandlung der Neurodermitis in die Haut einstreichen. Die häufigen Hautbehandlungen, die Neurodermitiker durchführen müssen, um eine gute Basispflege zu gewährleisten, bergen auch ein gewisses, wenn auch geringes Risiko, durch diese Pflegeprodukte Kontaktallergien zu entwickeln.

Bei Neurodermitis ist häufig von Triggerfaktoren die Rede, die die Schübe auslösen können? Was ist damit gemeint?

Triggerfaktoren bei der Neurodermitis sind Faktoren, die die Neurodermitis zwar nicht im eigentlichen Sinne "verursachen" wohl aber einen sogenannten "Schub" auslösen können, d.h. eine Verschlimmerung der Symptome. Triggerfaktoren für die Neurodermitis sind von Patient zu Patient sehr individuell verschieden. Z.B. kann bei dem einen Patienten eine Hautinfektion ein Triggerfaktor sein, beim anderen eine allergische Reaktion und bei einem Dritten sind es psychische Belastungen, die einen Schub auslösen können oder auch mehrere Faktoren gemeinsam. Es gibt aber auch Patienten, bei denen der Neurodermitis-Schub kommt, ohne dass Triggerfaktoren erkennbar sind.

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Bleiben diese Triggerfaktoren für Neurodermits ein Leben lang konstant oder können sie sich ändern?

Auch dies variiert stark. Es gibt Neurodermitis-Patienten, bei denen sich die Triggerfaktoren im Laufe des Lebens verändern und bei anderen bleiben sie ein Leben lang gleich. Dementsprechend wird der Arzt im Gespräch mit dem Patienten regelmäßig überprüfen, ob sich die die Triggerfaktoren geändert haben.

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Wie erfolgt die exakte Diagnose einer Neurodermitis?

Das Wichtigste bei der Diagnose der Neurodermitis ist die Patientenbefragung und die klinische Untersuchung der Haut. Ein erfahrener Arzt kann aufgrund der Krankengeschichte, d.h. des Verlaufs der Erkrankung und anhand des Hautbildes, meist schon eine Diagnose stellen.

Zusätzlich gibt es noch ergänzende Testungen, d.h. den IgE-Test, das ist ein Bluttest und Allergietests. Diese Testungen führt man nicht durch, um eine Diagnose zu stellen, sondern um eventuelle Triggerfaktoren zu identifizieren. Testen würde man z.B., wenn die Neurodermitis im Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln auftritt, oder wenn die Neurodermitis-Symptome sich während der Pollensaison oder bei Tierkontakt verschlechtern. Kommt es zu einer Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel würde man empfehlen, diese zu meiden. Wenn der Patient auf Tierhaare reagiert und genau dieses Haustier besitzt, würde man z.B. bei Katzen empfehlen, diese möglichst nicht ins Schlafzimmer zu lassen.

Ein Haustier muss jedoch nicht zwingend eine Verschlechterung des Ekzems verursachen. Die Hundehaltung kann in Einzelfällen sogar positive Effekte haben. So haben Kinder mit atopischer Vorbelastung, deren Mütter während de Schwangerschaft Kontakt mit einem Hund haben, möglicherweise ein geringeres Risiko, eine Allergie gegen Hundehaare zu entwickeln.

Oft sind bei der Neurodermitis die Hausstaubmilben relevant, die ja das ganze Jahr über vorhanden sind, und diesen Trigger erfasst man nur über Haut- und Bluttests. Kommt es bei den Testungen auf Hausstaubmilben zu Reaktionen, würde man u.a. milbendichte Bettbezüge empfehlen.

In Ausnahmefällen, z.B. zum Ausschluss anderer Erkrankungen, kann auch eine Gewebeprobe der Haut zur Diagnose entnommen werden.

Bei einem Teil der Neurodermitiker spielen auch Nahrungsmittelallergien eine Rolle. Gilt dies für Kinder und Erwachsene gleichermaßen?

Bei Kindern sind Nahrungsmittelallergien als Auslöser nicht selten – bei etwa einem Drittel der Kinder mit Neurodermitis spielen sie eine Rolle. Deshalb ist es bei kleinen Kindern sinnvoll, zusätzliche Blut- und Allergietests durchzuführen.

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Bei Erwachsenen mit Neurodermitis sind Nahrungsmittelallergien als Auslöser der Neurodermitis eine große Ausnahme. Viele erwachsene Patienten haben dennoch den Eindruck, dass Nahrungsmittel der Auslöser ihres Ekzems sein könnten, aber hier zeigen die Tests dann oft wenig verwertbare Ergebnisse. Und: Selbst wenn ein Allergietest bei einem Erwachsenen Neurodermitiker positiv reagiert, heißt dies lediglich, dass eine Sensibilisierung vorliegt. Das muss jedoch nicht heißen, dass es deswegen zu klinischen Beschwerden kommt.

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Die nächste Frage wäre dann: "Führt es tatsächlich zu einer Besserung der Neurodermitis-Symptome, wenn der Patient das besagte Nahrungsmittel weglässt?" Erst wenn nach sechswöchiger Karenz eine deutliche Symptomverbesserung eintritt, ist es sinnvoll, das betreffende Nahrungsmittel dauerhaft zu meiden – dies gilt übrigens auch für die Kinder.


Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Behandlung der Neurodermitis zur Verfügung?

Ganz wichtig für die zu trockene Haut der Neurodermitiker ist eine gute Hautpflege. Neurodermitische Haut kann Feuchtigkeit nicht gut speichern, deshalb sind feuchtigkeitsspendende und rückfettende Maßnahmen das A und O.

Etwaige auftretende Entzündungen kann man mit Cremes lokal behandeln. Hierfür stehen Kortisonsalben oder die kortisonfreien Wirkstoffe Pimecrolimus oder Tacrolimus zur Verfügung.

Eine weitere Therapiemöglichkeit bei Neurodermitis sind Lichttherapien mit UVA und UVB Strahlen, die sich positiv auf Entzündungen der Haut auswirken. Diese Therapie führt man über vier bis sechs Wochen zwei bis drei Mal wöchentlich durch. Die Sitzungen dauern, je nach Lichtqualität, ca. 5 bis 10 Minuten. Die Lichttherapie kann bei Neurodermitis für einige Monate eine gute Linderung der Beschwerden bewirken, bei manchen Patienten sogar dauerhaft. Ansonsten würde man die Therapie entsprechend wiederholen.

Mit Medikamenten zum Einnehmen, die z.B. den Wirkstoff Ciclosporin A enthalten, hat man die Möglichkeit, das Immunsystem etwas zu "drosseln" und so die Heftigkeit der allergischen Reaktion etwas zu vermindern.

Gibt es zur Behandlung der Neurodermitis so etwas wie eine Immuntherapie?

Für Neurodermitiker, die unter einer hochgradigen Hausstaubmilbenallergie oder unter einem Heuschnupfen leiden, steht die Spezifische Immuntherapie (SIT) zur Verfügung. In diesen Fällen behandelt man die jeweilige Allergie und es kann sein, dass auch die Neurodermitis besser wird.

Wie sehen Sie die selektive Immunadsorption zur Behandlung der Neurodermitis?

Bei sehr schweren Fällen gibt es noch die Möglichkeit der selektiven Immunadsorption an spezialiserten Zentren. Dabei handelt es sich um eine Art "Blutwäsche", die in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden muss. In einem sehr aufwändigen Verfahren werden bestimmte Eiweiße, die im Zusammenhang mit Allergien möglicherweise relevant sind, aus dem Blut des Patienten herausgefiltert. Bei schweren Neurodermitikern kann sich diese Behandlung günstig auswirken.

Welche Therapie eingesetzt wird, bzw. welche Therapiekombinationen, hängt vom Schweregrad der Erkrankung, dem Hautzustand und der Gesamtsituation ab und wird individuell auf jeden Patienten zugeschnitten.

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Ergänzend können durch die Schulung von Patienten oder Eltern von betroffenen Kinder im multidisziplinären Ansatz sehr positive Effekte erreicht werden. Solche "Neurodermitis-Schulungen" werden in breitem Rahmen angeboten; sie führen in vielen Fällen zu einer positive Auswirkung auf den Verlauf und den Umgang mit der Krankheit und letzendlich selbst zu einer Reduktion der damit verbundenen Kosten.

Herr Prof. Schmid-Grendelmeier, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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