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Neurodermitis Schulung

Dipl.oec.troph. Jennifer Vagts, Elbe Klinik in Buxtehude

Neurodermitis: Was passiert bei einer Neurodermitis Schulung?

Neben der entsprechenden Medikation gehört die Teilnahme an einer Neurodermitis-Schulung zu den ersten Empfehlungen, die Menschen mit Neurodermitis bekommen. Dank der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitis-Schulung e.V. oder AGNES gibt es in Deutschland ein engmaschiges Netz von Schulungszentren, die wichtige Informationen zum Umgang mit der Erkrankung Neurodermitis mit einem standardisierten Programm vermitteln. MeinAllergiePortal sprach mit Dipl.oec.troph. Jennifer Vagts, Elbe Klinik in Buxtehude.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dipl.oec.troph. Jennifer Vagts

Frau Vagts, was sind die wichtigsten Dinge, die bei den Neurodermitis-Schulungen vermittelt werden?

jennifer vagts und team elbeklinik in buxtehudeDipl.oec.troph. Jennifer Vagts und das interdisziplinäre Neuro-dermitis-Schulungsteam an der Elbe Klinik in Buxtehude Bei der Neurodermitis-Schulung geht es in erster Linie um Wissensvermittlung. Die Schulungen werden mit Hilfe eines interdisziplinären Teams durchgeführt, das aus einem Arzt, d.h. einem Dermatologen, einem Psychologen und einer Ernährungsfachkraft besteht. Eine Neurodermitis-Schulung wird in 6 Einheiten zu jeweils 2 Stunden durchgeführt, die im wöchentlichen Abstand  stattfinden. So sollen die Teilnehmer die Gelegenheit haben, das theoretisch vermittelte Wissen zwischen den Schulungseinheiten zu Hause auszuprobieren. Manchmal werden bei den Schulungen regelrecht Hausaufgaben vergeben,  mit dem Ziel, das Erlernte praktisch umzusetzen.

Die Schulungen für Kinder und erwachsene Neurodermitis Patienten finden getrennt statt. Für die Eltern betroffener Kinder gibt es ebenfalls separate Schulungen, bzw. teilweise auch Schulungen in denen Kinder und Eltern gemeinsam geschult werden.

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Werden in der Neurodermitis-Schulung konkrete Alltagssituationen geschult?

Zunächst werden in den Neurodermitis-Schulungen übergeordnete Themen behandelt. Wichtig ist es, den Patienten ein gewisses Hintergrundwissen zum Krankheitsbild zu vermitteln:

•    Was ist eine Neurodermitis und was muss ich als Neurodermitis-Patient über die Erkrankung wissen?
•    Welche verschiedenen Einflussfaktoren gibt es bei Neurodermitis?
•    Wie gehe ich mit Einflussfaktoren wie Umweltfaktoren, Stress, hormonellen Einflussfaktoren etc. um?
•    Welche mechanischen Reize können bei Neurodermitis-Haut eine Rolle spielen?
•    Wie unterscheidet sich die Neurodermitis-Haut von der Nicht-Neurodermitis-Haut?
•    Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Neurodermitis?
•    Wie geht man mit einer Neurodermitis-Haut richtig um und wie pflegt man sie?
•    Was ist eine Allergie?
•    Was muss man bei der Auswahl der Lebensmittel beachten?
•    Wie bekommt man bei Neurodermitis den Juckreiz in den Griff?

Oft klären wir zu Beginn der Schulungen die Erwartungen und Fragen der Teilnehmer ab, damit wir besser auf die konkreten Bedürfnisse der Gruppe eingehen können. Je nachdem, wie sich der Teilnehmerkreis zusammensetzt und welche Fragestellungen aufkommen, werden die Themen dann so aufbereitet, dass sie konkrete Handlungshilfen für die unterschiedlichen Alltagsstrategien bieten.

In manchen Gruppen liegt dann der Schwerpunkt der Fragestellungen mehr bei sportlichen Aktivitäten, z.B. bei der konkreten Frage: "Was kann ich tun, wenn mein Kind unbedingt Fußball spielen will und die Schienbeinschoner zusammen mit dem Schweiß immer wieder zu Hautirritationen führen?"

Das große Ziel einer Neurodermitis-Schulung ist es, den Patienten zum Experten seiner Erkrankung zu machen.

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Zu welchen Themen besteht bei den Neurodermitis Schulungen der größte Informationsbedarf?

Es gibt Fragen, die immer an erster Stelle stehen und Fragen, die sich unterscheiden, je nachdem, wer an den Neurodermitis-Schulungen teilnimmt. Bei ausnahmslos allen Teilnehmern unserer Neurodermitis-Schulungen ist der Umgang mit dem Juckreiz die wichtigste Fragestellung. Aber auch alle Fragestellungen rund um das Thema Kortison sind für die Teilnehmer immer wieder von hohem Interesse, z.B. Fragen wie:

•    Wie gehe ich mit Kortison richtig um?
•    Wie cremt man mit den Kortisonsalben am besten ein?
•    Wo cremt man am besten?
•    Wann ist der beste Zeitpunkt fürs Cremen mit Kortison?
•    Gibt es Alternativen zu Kortison? Welche?

Grundsätzlich konnten wir bei unseren Neurodermitis-Schulungen auch einen Unterschied zwischen den Fragen der "alten Hasen" und den "Neueinsteigern" feststellen. Mit "alten Hasen" meine ich jedoch nicht unbedingt das Alter der Teilnehmer, sondern die Dauer der Erfahrungen mit der Neurodermitis. Gemeint sind also durchaus ältere Erwachsene, zum anderen aber auch Kinder, die z.B. 11 Jahre alt sind, aber schon ihr Leben lang eine Neurodermitis haben.  Bei den Eltern betroffener Kinder kommt es dann nochmals zu ganz anderen Fragestellungen.

Auch diese "alten Hasen", die bereits Neurodermitis Schulungen gemacht haben, kommen immer wieder zu unseren Schulungen. Das ist auch sinnvoll, denn es ändert sich immer wieder etwas, z.B. gibt es immer wieder neue Studienergebnisse, neue Diagnostikverfahren oder neue Therapien. Typische Fragen der erwachsenen "alten Hasen" sind z.B.:

•    Welche neuen Studien gibt es zu Neurodermitis?
•    Welche neuen Neurodermitis Medikamente gibt es?

Bei Kindern, die schon lange eine Neurodermitis haben und die deshalb manchmal schwer zu motivieren sind, eine gute und regelmäßige Hautpflege zu betreiben, kommen Fragen wie:

•    Was bringt das "nervige" Eincremen eigentlich?
•    Warum muss ich immer Eincremen, obwohl es nicht immer besser wird?
•    Kann die Neurodermitis jemals wieder besser werden?
•    Wie bekomme ich den Juckreiz weg?

Das Eincremen der Haut erfolgt ja üblicherweise vor dem "zu Bett gehen". Das "zu Bett gehen" kann allerdings bei vielen Kindern in einem bestimmten Alter eine stressige Situation darstellen und dies gilt schon für die ganz "normalen" Dinge wie Zähne putzten, Schlafanzug anziehen etc.. Wenn dann noch das Eincremen dazu kommt, kann das in manchen Fällen zu einem regelrechten Machtkampf werden. Immer wenn es zu erzieherischen Schwierigkeiten kommt, z.B. wenn das Kind keine Gummibärchen essen soll oder seine Spielsachen aufräumen etc. kann es sein, dass das Kind anfängt sich zu kratzen, sozusagen als "stummer Protest". Hier kann der Psychologe im Team wertvolle Hilfestellungen geben.

Sie erwähnten die Eltern der von Neurodermitis betroffenen Kinder. Welche Fragestellungen kommen hier auf?

Bei den Eltern von Kindern mit Neurodermitis drehen sich die Fragen häufig um Ursachen, Perspektiven und Alltagsstrategien:

•    Wie kommt es zur Neurodermitis?
•    Welche Konsequenzen ergeben sich für mein Kind?
•     Kann mein Kind trotz Neurodermitis schwimmen gehen und ist Chlorwasser verträglich?
•    Wie geht man mit dem Juckreiz und wie mit Kortison?

Wir richten uns in den Neurodermitis Schulungen immer danach, welche Schwerpunkte die Teilnehmer gerne setzen wollen.

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Sie hatten gesagt dass die Hautpflege bei Neurodermitis ganz besonders wichtig ist. Es scheint jedoch nicht so leicht zu sein, verträgliche Pflegeprodukte zu finden. Was empfehlen Sie bei den Schulungen?

Der wichtigste Aspekt in unseren Schulungen ist zunächst einmal, dass überhaupt eine Basispflege stattfindet und dies auch dann, wenn der Hautzustand gerade gut ist. Dabei geht es immer wieder um die Frage: "Warum ist das Eincremen so wichtig?"

Grundsätzlich empfehlen wir Cremes, die frei von Duftstoffen und Konservierungsstoffen sind.  Anhand von Probepackungen zeigen wir den Patienten dann, worauf sie beim Einkauf achten müssen.

Wir vermitteln in den Neurodermitis Schulungen aber auch ein Basiswissen zu Salbengrundlagen und beantworten Fragen wie:

•    Wann gebe ich welche Creme auf welchen Hautzustand?
•    Wann ist eine fettreiche Creme angebracht?
•    Wann ist eine Creme mit einem höheren Wasseranteil sinnvoller?

Eine wichtige Botschaft in unseren Schulungen ist: "Es gibt nicht die eine  Creme, die man immer verwenden kann." Bei der Auswahl der richtigen Pflege kommt es z.B. darauf an, wie der aktuelle Hautzustand aussieht oder welches Wetter vorherrscht. Man sollte bei Neurodermitis auch wissen, dass sich die Haut auch immer wieder einmal verändern kann und dass man die Pflege dann entsprechend anpassen muss. Und ein ganz wichtiger Faktor ist: Das Eincremen muss ein Wohlbefinden auslösen! Die beste Creme nützt nichts, wenn sie brennt oder unangenehm klebt.

Wir raten in unseren Schulungen den Neurodermitis Patienten mit unterschiedlichen Cremes zu experimentieren und dies der aktuellen Situation bzw. der Jahreszeit anzupassen.

Das Thema "Juckreiz" ist das wichtigste Thema bei Ihren Neurodermitis-Schulungen. Wie lauten hier Ihre Empfehlungen?

Zunächst geht es auch hier wieder um die Information des Patienten. Wir erklären deshalb in den Neurodermitis-Schulungen das Entstehen des Juckreizes und die Mechanismen, die den Juckreiz aufrechterhalten. Das hilft den Neurodermitis-Patienten oder den Eltern betroffener Kinder, besser zu verstehen, was genau passiert, und sich in der Situation weniger hilflos fühlen.

Dann geht es in unseren Schulungen immer auch um Kratzalternativen, d.h. um die Frage: Was kann man tun um sich oder das Kind vom Juckreiz abzulenken?

Eine der beliebtesten Kratzalternativen ist z.B. das Kühlen. Manche kommen auch gut damit zurecht, die juckende Hautstelle zu klopfen oder leicht zu reiben. Es ist sehr individuell, was als angenehm empfunden wird.

Bei Kindern ist die Ablenkung vom Juckreiz oft sehr wirkungsvoll. Kinder greifen dann zu einem Buch oder stellen ihre Lieblingsmusik auf "laut" und tanzen wild im Zimmer.

Erwachsene, bei denen der Juckreiz manchmal erst am Abend einsetzt, wenn sie zur Ruhe kommen und es keine Ablenkung mehr gibt, haben oft Ablenkungsstrategien entwickelt, die sie unterbewusst einsetzen.   

Die Patienten geben sich in unseren Schulungen aber auch gegenseitig Tipps.

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Welche Rolle spielt die Psyche bei Neurodermitis?

Die Psyche kann bei Neurodermitis eine wichtige Rolle spielen, denn häufig kommt es bei Belastungen zu einer Verschlechterung des Hautbildes. Erwachsene Neurodermitiker reagieren oft auf Stress bei der Arbeit oder große Umbruchsituationen im Leben. Bei Kindern können schon kleine, auch positive Veränderungen, wie z.B. der eigene Geburtstag, die Einschulung oder die Vorfreude in der Weihnachtszeit Neurodermitis-Schübe auslösen. Auslöser können aber auch immer Faktoren wie trockene Heizungsluft, die infektanfällige Zeit etc. sein.

Auch beim Thema Psyche liegt der Schwerpunkt unserer Neurodermitis-Schulungen in erster Linie auf der Wissensvermittlung. Für die Patienten ist es meist sehr wichtig zu wissen, wie sie mit Stress, Stressfaktoren und Stressreaktionen umgehen können. Dieses Wissen hilft dabei, Strategien zur Stressbewältigung, wie z.B. Entspannungstechniken, die in den Schulungen ebenfalls vermittelt werden, besser einzusetzen.

Frau Vagts, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.