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Neurodermitis Kind Cremen

Elke Stachelscheid - Koordinatorin der Arbeitsgruppe „Kindermanual Neurodermitis“ zum Thema: Cremen - So klappt es!

Neurodermitis beim Kind: So klappt das Cremen!

Das leidige Cremen“ – so sehen Kinder und Eltern viel zu oft die Basistherapie, die bei Kindern mit Neurodermitis bzw. atopischer Dermatitis so wichtig ist. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, das Cremen angenehm zu gestalten. Wie das Cremen besser klappt berichtete Elke Stachelscheid, Teamleitung Gesundheitspädagogik an der Fachklinik Sylt, im Interview mit MeinAllergiePortal. Frau Stachelscheid ist Koordinatorin der Arbeitsgruppe „Kindermanual Neurodermitis“, das bei der Fachkreise-Veranstaltung „18. Gemeinsame Jahrestagung AGAS/AGNES“ vorgestellt wurde.

Frau Stachelscheid, was sind die Gründe dafür, dass viele Kinder mit Neurodermitis vom Cremen nicht so begeistert sind? Was macht das Cremen so unangenehm?

Zunächst möchte ich kurz beschreiben, warum es für Kinder mit Neurodermitis wichtig ist, sich einzucremen.

Bei Neurodermitis ist die Hautbarriere gestört. Deshalb ist eine dem Hautzustand angepasste Therapie mit Cremes und Salben unumgänglich. In der Patientenschulung vermitteln wir, was Eltern und Kinder in ihren Alltag dafür tun können, um die trockene, juckende und gerötete Haut mit Cremes und Salben (wir sprechen hier von "Externa") zu versorgen. Angepasst an den Stufenplan der Neurodermitisbehandlung ist die sog. "Basistherapie" die Grundlage einer stadiengerechten Behandlung, die in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen sollte.

Begleitend dazu ist es in der Neurodermitisschulung wichtig, die Vorteile einer regelmäßigen Hautpflege durch Externa herauszustellen und auch mögliche Widerstände aufzudecken.

Kinder sind deshalb nicht immer begeistert vom Eincremen, weil sie die tägliche Hautversorgung als Einschränkung in ihrem Alltag erleben, die Gleichaltrige oder Geschwister möglicherweise nicht mit ihnen teilen.

Hinzu kommt, dass je nach individuellem Hautempfinden die Konsistenz der Salbe/Creme//Lotion unangenehm erlebt wird. Externa können brennen oder ein unangenehmes Hautgefühl auf der empfindlichen Neurodermitishaut erzeugen. Diese Merkmale beeinflussen in der Folge auch die Interaktion zwischen Bezugsperson und Kind während eingecremt wird.

Nicht selten wird in der Neurodermitisschulung darüber gesprochen, dass die aufgetragene Creme auf der Haut und in der Kleidung klebt oder schlecht einzieht, was ebenfalls für wenig Wohlbefinden sorgt. Kinder berichten, dass die Haut noch lange nach dem Eincremen glänzt oder dass auch der Geruch der Creme nicht angenehm erlebt wird.

Zu bedenken sind auch der Ort und der Zeitpunkt des Eincremens:

  • Wie ist zum Beispiel die Umgebungstemperatur des Raumes, in dem eingecremt wird und wie fühlt sich das Kind an diesem Ort?
  • Zu welchem Zeitpunkt kann das Eincremen in der Routine des Alltags einfließen und welche Zeiten sind aufgrund von Alltagsstressoren ungünstig?

Diese Fragen helfen den Betroffenen, das Thema der regelmäßigen Basispflege zu überdenken.

Liegt es eher an den Kindern, an den Eltern oder an der Creme, ob das Eincremen bei Neurodermitis gelingt?

Die Interaktion zwischen Eltern und Kind ist sicher ganz entscheidend für eine gelungene Hauttherapie.

Natürlich sind die Kinder häufig des Eincremens müde, vor allem dann, wenn die Creme nicht den gewünschten Effekt zeigt oder die derzeitige Einstellung zur erkrankten Haut die Motivation zum Eincremen verändert hat.

Auch die Einstellung mit der die Eltern das Eincremen ihres Kindes begleiten, macht vieles deutlich. Gern frage ich die Eltern, wie sie selbst mit der Creme oder Salbe des Kindes zufrieden sind, ob sie diese mögen und ob sie sich auch damit eincremen würden. Hier lassen sich dann eigene Widerstände im Umgang mit den Cremes und Salben aufdecken und nachhaltig verbessern.

Außerdem spielen Stressfaktoren im Familienalltag, die eigene Tagesform und besondere Tagesereignisse eine nicht unerhebliche Rolle. Und dann kommt es vor, dass eine entspannende Atmosphäre mit einer sanften Eincremetechnik kaum noch möglich ist.

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Was kann man tun, damit das Cremen für Kinder mit Neurodermitis angenehmer wird? Gibt es Tipps zur Motivation?

Es gibt viele hilfreiche Tipps für Eltern und Kinder. Die Hautbehandlung der Neurodermitis soll „nicht schlimmer sein“ als die Erkrankung selbst.
Jede Haut fühlt anders und deshalb sollte das an Neurodermitis erkrankte Kind bei der Auswahl der Creme mitentscheiden können, welche Creme als angenehm erlebt wird. Hierbei kann zum Beispiel in einem Halbseitenversuch, bei dem auf jeden Arm eine andere Creme aufgetragen wird, vom Kind die ihm angenehmere als zukünftige Hautpflege favorisiert werden.

Im Weiteren werden die Kinder befragt, was sie dafür tun können, damit eincremen nicht nur „nervig“, sondern auch ein bisschen Spaß bringen kann. Manchmal hilft dabei eine schöne Musik, eine andere Umgebung oder ein Wechsel der Bezugsperson, die das Eincremen unterstützt.

Gleichzeitig ist es wichtig, dass Eltern ihr Kind schon früh in die Therapie mit einbeziehen um die Selbständigkeitsentwicklung bei der Hautversorgung zu unterstützen.

Älteren Kindern hilft es, sich im Gespräch über Vor- und Nachteile des Eincremens auszutauschen und anhand dessen ein persönliches Fazit für den Alltag zu ziehen. Hierbei geht es dann vor allem um die Stärkung der Selbstwirksamkeitserfahrungen.

Geschichten von der Haut können die Kinder zum Eincremen motivieren. Wir erzählen, dass die Creme „als Nahrung der Haut“ dafür sorgt, dass sie sich wohl fühlt, satt und zufrieden ist.

Für den Alltag ist es wichtig, auch Zeiten einzuplanen, in denen ein „Schnelleincremen“ der am stärksten betroffenen Hautstelle möglich ist und konkrete Zeiten für die komplette Hautbehandlung zu planen.

Außerdem ist die Technik des Eincremens entscheidend. Mit der ganzen Hand von oben nach unten den Körper in kreisenden Bewegungen massierend einzucremen erhöht das Wohlbefinden der Haut.

Frau Stachelscheid, herzlichen Dank für dieses Interview!