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Neurodermitis Kind Geschwistern

Aileen Weber von der Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind zum Thema: Neurodermitis beim Kind: Was hilft auch den Geschwistern?

Neurodermitis beim Kind: Was hilft auch den Geschwistern?

Gesunde Geschwister von Kindern mit Neurodermitis werden nicht von Juckreiz und Ekzemen geplagt. Dennoch leiden auch sie unter der Erkrankung. Die Pflegemaßnahmen für das erkrankte Kind binden oft alle Kapazitäten einer Familie, auch emotional. Für die Geschwister bleibt dann manchmal einfach nur sehr wenig Zeit. Was also können die Eltern tun, damit die Geschwister eines Kindes mit Neurodermitis nicht „zu kurz“ kommen? MeinAllergiePortal sprach mit Aileen Weber, von der Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind (AAK e.V) über das Thema Neurodermitis beim Kind: Was hilft auch den Geschwistern?

Frau Weber, zu welchen Problemen kann es bei den Geschwistern kommen, wenn ein Kind Neurodermitis hat?

Neurodermitis bestimmt besonders im akuten Schub beziehungsweise zu Beginn der Erkrankung oftmals die gesamte Familie beziehungsweise deren Alltag. Unter Umständen müssen Essenspläne verändert werden, das Haus nach möglichen allergischen Auslösern „untersucht“ werden, die Pflege akut neurodermitischer Haut nimmt mit dem Eincremen, Baden, dem Anlegen fett-feuchter Verbände etc. einen enormen Raum ein.

Gesunde Geschwisterkinder können diese notwendigen Umstellungen des Familienalltags manchmal nicht genau verstehen, fühlen sich eventuell in ihren Bedürfnissen nicht ernst genommen, reagieren eifersüchtig darauf, dass dem erkrankten Geschwisterkind mehr Aufmerksamkeit zuteil wird.

Wie äußert es sich, wenn sich Geschwister von Kindern mit Neurodermitis vernachlässigt fühlen?

Genau so verschieden wie unsere Kinder, Geschwisterkinder und eben auch chronische Erkrankungen an sich sind, Genau so vielfältig können auch die Reaktionen auf die gefühlte „Vernachlässigung“ sein – hier lässt sich schwerlich verallgemeinern. Dennoch haben wir von der AAK e.V in unserer jahrzehntelangen Arbeit mit Familien im Wesentlichen zwei Arten von Reaktionen erkennen können:

  1. Das Geschwisterkind reagiert dem erkrankten Kind und/oder den Eltern gegenüber aggressiv und/oder eifersüchtig, lässt das Geschwister seine Wut und seinen Zorn spüren und hänselt es eventuell sogar wegen des anderen Erscheinungsbildes seiner Haut
  2. Das Geschwisterkind kapselt sich ab und kommuniziert zunehmend weniger mit den Eltern und dem erkrankten Kind. Oftmals hören wir hier von Kindern, dass Sie sich „ohnehin nicht ernst genommen fühlen“ und „Mama und Papa sich immer nur um das Geschwisterkind kümmern“. Für das Kind selbst bleibt dann oft „gefühlt“ kein Raum.

Selbstverständlich gibt es aber auch hierbei die ganze Facette anderer Reaktionen, die sich oftmals nur durch gute Beobachtung von uns als Eltern oder durch gute Beobachtung anderer Bezugspersonen erkennen lassen. So gibt es beispielsweise Kinder, die in akuten Erkrankungsphasen ihrer Geschwister selbst über undefinierte Bauch- oder Kopfschmerzen klagen, um so die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu erlangen.

Was können Eltern tun, wenn sie merken, dass die Geschwister des Kindes mit Neurodermitis sich mehr Aufmerksamkeit wünschen?

Auch hier lässt sich keine pauschalisierte Antwort geben. Wichtig und oberster Leitsatz all‘unserer Reaktionen als Eltern sollte jedoch sein, unser Kind anzusprechen und ihm zuzuhören, egal wie verletzend und unverständlich seine Äußerungen im ersten Moment sind.

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass ein solches klärendes Gespräch in vielen Familien schon ausreicht, um die Situation zu entschärfen. Manchmal bedarf es aber auch konkreterer Maßnahmen, beispielsweise dem Einführen von Zeitfenstern, in denen sich ein Elternteil ausschließlich mit dem nicht erkrankten Kind beschäftigt, mit ihm Aktivitäten plant, oder vielleicht auch einfach nur kuschelt…

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Und wenn disese Maßnahmen das Problem der Geschwister des Kindes mit Neurodermitis nicht lösen?

Sollten solche Gespräche oder Zeitfenster für „GemeinsamZeit“ nicht ausreichen, sollten wir als Eltern uns nicht scheuen, auch den Kinderarzt anzusprechen oder Rat in einer Selbsthilfegruppe zu suchen. Der Kinderarzt ist zum einen „unbeteiligter“ Dritter und hat möglicherweise weitere Impulse, die wir als Betroffene im ersten Moment nicht sehen und zum anderen kann er bei Bedarf auch weitere Hilfen, beispielsweise eine Familientherapie, vermitteln.

Der Austausch mit ebenfalls betroffenen Familien ist für uns ohnehin unerlässlich, da jede Familie mit chronisch erkrankten Kindern schon einmal mehr oder minder problematische Phasen im Familienleben gemeistert hat und der Erfahrungsaustausch hier ungemein bereichert.

Übrigens gibt es auch einige Vereine, die gemeinsame Aktivitäten ausschließlich für Geschwisterkinder chronisch erkrankter Kinder anbieten. Sind die Kids grundsätzlich für den Austausch mit Gleichgesinnten empfänglich, kann das dem Geschwisterkind auch eine gute Möglichkeit bieten, sich „Luft zu machen“.

Was können die Eltern tun, damit es gar nicht erst dazu kommt, dass die Geschwister unter der Neurodermitis des Kindes leiden?

Die Neurodermitis des Geschwisterkindes sollte von Anfang an als etwas begriffen werden, das zwar die ganze Familie betrifft, aber dennoch nicht das gesamte Familienleben bestimmen sollte. Das Geschwisterkind sollte bestmöglich eingebunden werden, was zum Beispiel bedeutet, dass eine Ernährungsumstellung in der Familie mit allen Familienmitgliedern besprochen werden muss. Es sollte unbedingt im gemeinsamen Plenum beraten werden, wie mit möglichen Einschränkungen umzugehen ist.

Oftmals ist es sinnvoll, das Krankheitsbild gemeinsam mit der ganzen Familie zu besprechen - gerne auch spielerisch und altersentsprechend. Hier möchten wir auch unsere Kinderseite an's Herz legen, auf der Fragen und Themen rund um atopische Erkrankungen kindgerecht und in leichter Sprache beleuchtet werden.

Dabei sollte man dem Geschwisterkind – eventuell auch im Vier-Augen-Gespräch – verdeutlichen, dass das Geschwisterkind akut zwar mehr Aufmerksamkeit benötigt, dass dies aber nicht daran liegt, dass das erkrankte Kind bevorzugt oder mehr geliebt wird.

Je nach Alter der Kinder, dem Altersunterschied zueinander und dem Charakter des Geschwisterkindes kann es auch hilfreich und sinnvoll sein, das Geschwisterkind spielerisch in die Erkrankung des Geschwisterkindes einzuführen. Zum Beispiel kann man es bei Pflegebehandlungen wie Eincremen oder ähnlichen Maßnahmen ganz praktisch mit einbinden und eventuell auch zu Arztbesuchen des erkrankten Kindes mitzunehmen.

Die Erfahrung zeigt, dass wir als Eltern in solchen Situationen unbedingt ehrlich zu unseren Kindern sein und im Gespräch über die Erkrankung gerne auch Gefühle zulassen sollten!

Wir sind übrigens auch auf Facebook aktiv!

Frau Weber, herzlichen Dank für dieses Interview!