Compliance Therapietreue Neurodermitis

Dr. Gundula Ernst zum Thema: Compliance – Therapietreue: Wichtig bei Neurodermitis und Co.!

Compliance – Therapietreue: Wichtig bei Neurodermitis und Co.!

Wenn Ärzte eine Therapie verordnen heißt das, der Patient bekommt konkrete Angaben, welches Medikament er in welcher Dosis, wie häufig und wie lange einnehmen soll. Gerade bei chronischen Erkrankungen, wie Neurodermitis oder Asthma ist die Therapie oft lebenslang oder zumindest über einen  sehr langen Zeitraum einzuhalten. Vielen Patienten, aber auch den Eltern erkrankter Kinder, fällt die Compliance bzw. die Therapietreue aber ausgesprochen schwer. MeinAllergiePortal sprach mit Diplom-Psychologin, Dr. Gundula Ernst, Medizinische Hochschule Hannover, darüber, warum Compliance bei chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis und Co. so wichtig ist. Das Gespräch fand im Rahmen der 16. gemeinsamen Jahrestagung der AGAS und AGNES am 22. und 23. Januar 2019 in Stralsund statt.

Frau Dr. Ernst, warum ist eine gut Compliance insbesondere bei chronisch kranken Patienten wichtig?

Wenn der Arzt ein Medikament in einer bestimmten Dosierung und Einnahmefrequenz verordnet, ist dies die Methode der ersten Wahl in der Dosierung. Eine Änderung der Dosis oder ein „Ausfallen lassen“ der Therapie führt dann dazu, dass der Patient diese bestmögliche Therapie nicht bekommt. Dementsprechend kann auch der bestmögliche Therapieerfolg vermutlich nicht erzielt werden.

Ein Beispiel: Wenn Kinder unter einem Mangel an Wachstumshormonen leiden und deswegen eine tägliche Injektion mit Wachstumshormon erhalten sollten, kann jede nicht durchgeführte Gabe dazu führen, dass das Kind die bestmögliche Zielgröße nicht erreicht.

Das Problem bei einer mangelnden Compliance der Patienten ist, dass die Rückmeldung auf eine mangelnde Therapietreue nur selten unmittelbar erfolgt. Es ist ja oft nicht so, dass das Weglassen eines Medikamentes sofort zu einer Verschlechterung der Symptome führt. Ein Beispiel dafür wäre die Neurodermitis-Basistherapie.

 

Wie wirkt sich mangelnde Compliance bzw. mangelnde Therapietreue bei der Neurodermitis-Basistherapie aus?

Wenn man die Basistherapie nur einige Male nicht durchführt, wird dies nicht sofort zu negativen Konsequenzen führen. Die Hautbarriere wird dann aber nicht ausreichend gestärkt, das Hautbild kann sich daraufhin verschlechtern und letztendlich kann es dann zu einem Schub kommen.

Ähnlich ist es bei Asthma. Wenn die Patienten ihre Medikamente nicht regelmäßig nehmen bzw. das Inhalieren vergessen, kommt es meist nicht sofort zu Symptomen. Das Risiko, dass es in der nächsten Zeit zu einer Verschlechterung bis hin zu einem Asthmaanfall kommt, steigt jedoch. Oft verschlechtert sich die Situation schleichend und dies wirkt sich negativ auf die Therapietreue aus. Bei direkten Konsequenzen ist der Lerneffekt größer.

Bei der Neurodermitis ist es in der Regel möglich, Versäumtes nachzuholen. Es gibt aber auch Erkrankungen, bei denen die Nicht-Compliance schwerwiegende Folgen hat. Ein dramatisches Beispiel hierfür sind Patienten nach Organtransplantationen. Wenn die Patienten, und das betrifft vor allen die jüngeren, ihre Immunsuppressiva, die die Abstoßungsreaktion des Körpers unterdrücken, nicht einnehmen, kann es zu Organverlusten kommen.

Je schwerwiegender die Erkrankung, umso wichtiger ist eine gute Therapietreue. Generell sind eine gute Patienteninformation und insbesondere Schulungen bei allen chronischen Erkrankungen sehr sinnvoll.        

Nicht immer sind Patienten bzw. Eltern begeistert, wenn ihnen eine Schulung empfohlen wird…

Durch die zunehmende Komplexität des Alltags wird es für die Patienten bzw. die Familien schwieriger, an Schulungen teilzunehmen. Oft sind beide Eltern berufstätig, die Kinder besuchen Ganztagsschulen und zahlreiche andere Aktivitäten erschweren die Schulungsteilnahme.

Die Eltern haben auch häufig den Eindruck, dass eigentlich kein Schulungsbedarf besteht. Wenn sie sich dann aber doch entschlossen haben, teilzunehmen, sind die Patienten bzw. Eltern regelmäßig begeistert und stellen fest, dass sie wichtige Informationen erhalten haben, die ihnen den Alltag erleichtern.

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Mit welchen Strategien überwindet man den „inneren Schweinehund“?

Alle Formen von Erinnerungssystemen sind gut, egal, ob das der „Zettel am Spiegel“ ist, der Kalender oder die Handy-App.

Wichtig ist es auch, dass man als Patient versteht, was mit der Therapie erreicht werden soll und wie sie wirkt. Auf keinen Fall sollte man das Therapieschema selbstständig verändern. Im Zweifelsfall kann man jederzeit nochmals beim Arzt nachfragen.

Geht es um kleine Kinder ist es sehr hilfreich, die Kinder von Anfang an in den Vorgang der Medikamentengabe einzubeziehen. Sie können zum Beispiel die Injektionsstelle desinfizieren, oder den Inhaler aus der Schublade holen, damit sie am Geschehen aktiv beteiligt werden.

Auch der Einsatz von Belohnungssystemen ist bei Kindern empfehlenswert. Man kann dem Kind dann zum Beispiel nach dem Cremen bei Neurodermitis oder nach dem Inhalieren bei Asthma eine kleine Belohnung geben. Das sollte kein großes Geschenk sein, es genügt eine positive Bestätigung, ein Smiley, der in eine Tabelle geklebt wird, oder ein Gummibärchen. Erfolge zu visualisieren ist auch immer ein starker Motivationsfaktor, zum Beispiel, wenn die Peak-Flow-Werte zeigen, dass sich die Lungenfunktion verbessert.   

Und noch ein Tipp: Eine gute Therapietreue erreicht man dann, wenn es gelingt, eine Gewohnheitsstärke aufzubauen. Das bedeutet, die Therapie muss in den Alltag so eingebaut werden, dass sie quasi automatisch erfolgt, konsequent und ohne darüber nachzudenken, genau wie Zähne putzen.  

Frau Dr. Ernst, herzlichen Dank für dieses Gespräch!  

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