Neurodermitis Kinder Jugendliche

Dr. med. Doris Staab erklärt, was bei schwere Neurodermitis bei Kindern und Jugendlichen zu tun ist!

Schwere Neurodermitis bei Kindern und Jugendlichen: Was tun?

Bei Kindern verschwindet die Neurodermitis häufig wieder, gilt das auch für die schwere Form?

10 Prozent der Kinder, die Neurodermitis haben, sind langfristig, bis ins Jugend- oder Erwachsenenalter, betroffen. In der Regel handelt es sich dabei um die schwerer betroffenen Patienten. Die schweren Neurodermitiker sind oft die, die bereits als Säugling betroffen waren und im Jugendalter immer noch unter atopischer Dermatitis leiden.

Dagegen haben Kinder mit leichten Ekzemen, die häufig in den ersten Lebensjahren auftreten, eine gute Prognose. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Neurodermitis wieder verschwindet, liegt bei 80 Prozent, vorausgesetzt, es besteht keine weitere allergische Sensibilisierung.

Es gibt aber auch Patienten, bei denen die Neurodermitis intermittierend auftritt, das heißt nur zeitweise, zum Beispiel bei Stresssituationen oder in der Schwangerschaft.

Darüber hinaus gibt es Patienten, die ein schweres chronisches persistierendes Ekzem haben, das heißt, die schweren Ekzeme sind durchgängig vorhanden.  

Welche Therapieoptionen gibt es für die schwere Neurodermitis beim Kind?

Die erste Stufe der Therapie ist immer die Hautreinigung und die Hautpflege mit wirkstofffreien Basisprodukten. Insbesondere bei Hautverletzungen ist die Hautreinigung ein wesentlicher Faktor, denn bei offenen Wunden ist das Risiko für Superinfektionen sehr groß. Hierbei empfehlen wir, die offenen Stellen zunächst zu desinfizieren und erst nach dem Abtrocknen zu cremen, damit man das Wundsekret nicht über die gesamte Hut verteilt. Die Faustregel lautet hier „feucht auf feucht“ und „fett auf trocken“.

In der zweiten Therapiestufe kommt das topische Steroid zur Anwendung, das heißt Kortison in Form einer Creme. Bei den schweren Neurodermitikern würde man sich sicher frühzeitig für eine proaktive Therapie entscheiden. Das heißt man behandelt die Stellen zwei Mal pro Woche mit Kortisoncreme, die immer wieder aufflammen, auch wenn die Haut gerade symptomfrei ist. Lassen sich die Symptome so nicht kontrollieren, besteht die Möglichkeit der Kombination mit Tacrolimus-Creme, wobei die Wirkung in der Regel die eines guten Kortison-Präparates nicht übersteigt.

Kommt man mit der Lokaltherapie bei der Symptomkontrolle nicht weiter, bestünde bei superinfizierten Wunden die dritte Stufe in einer Therapie mit einem Antibiotikum. Bei der Indikation zu einer antibiotischen Behandlung würde man jedoch immer systemisch in Form von Saft oder Tabletten therapieren und nicht in Form von antibiotikahaltigen Cremes. Geht es nur um ein isoliertes Ekzem, ist zwar auch eine topische Therapie machbar. Die großflächige Verteilung von antibiotikahaltigen Cremes auf die Haut ist aber nicht sinnvoll, weil die Behandlung nicht ausreichend effektiv ist und zudem ein hohes Sensibilisierungsrisiko besteht. Es könnte dann zu einer allergischen Sensibilisierung auf Antibiotika kommen. In der Regel ist eine oberflächliche Antibiotikatherapie auch nicht ausreichend, weil die Kinder oft schon unter regional geschwollenen Lymphknoten leiden, das heißt, die Infektion hat sich bereits unter der Haut ausgebreitet.

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In der vierten Therapiestufe wäre dann Ciclosporin das Mittel der Wahl, ein Immunsuppresivum, das aus der Organtransplantation kommt. Ciclosporin wurde bei Kindern mit Neurodermitis getestet und hat sehr gute Ergebnisse erzielt, ist aber relativ nebenwirkungsarm. Immunsuppressiva gibt man nicht ohne Not, aber wenn es indiziert ist, ist es eine hervorragende Therapie der Neurodermitis.

Wenn auch das Ciclosporin nicht zu einem nachhaltigen Effekt führt, gibt es in der fünften Therapiestufe seit neustem Dupilumab, ein monoklonaler Antikörper, der zur Behandlung von Neurodermitis für Erwachsene ab 18 Jahren bereits zugelassen ist. Kinderstudien ab 12 Jahren liegen vor, ab 6 Jahren werden sie demnächst publiziert, aber die Zulassung für Kinder steht noch aus.

Dupilumab wurde ursprünglich zur Behandlung von Asthma entwickelt, man hat dann jedoch gesehen, dass es für Neurodermitis sogar viel besser einsetzbar ist. Aus Sonderanträgen für Kinder haben wir bereits erste off-label-Erfahrungen mit dieser Therapie sammeln können, und diese Erfahrungen sind sehr positiv. Da es sich hierbei um eine off-label-Therapie handelt, kann man noch keine offiziellen Empfehlungen aussprechen. Man kann jedoch sagen, dass es sich um ein Medikament mit einer hohen Sicherheit handelt.

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