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Neurodermitis Therapie neue Substanzen

Prof. Dr. Thomas Werfel zum Thema: Neurodermitis-Therapie -es gibt neue Substanzen!

Neurodermitis-Therapie: Es gibt neue Substanzen!

Bei der Therapie von Neurodermitis tat sich in Bezug auf neue Behandlungsmöglichkeiten lange Zeit nicht so viel. Zwar konnte man mit den klassischen Neurodermitis-Therapien vielen Patienten helfen, aber es gab immer einige Fälle, bei denen eine völlige Symptomkontrolle nicht möglich war. Das könnte jetzt anders werden, denn in der Forschung an neuen Neurodermitis-Therapien tut sich so einiges. Beim Deutschen Allergiekongress 2018 (DAK), der Ende September in Dresden stattfand, gab Prof. Dr. Thomas Werfel, Stellvertretender Direktor der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover und Präsident der DGAKI einen Überblick über die neuen Substanzen für die Therapie von Neurodermitis.

Neurodermitis – Allergene können Schübe triggern

10 Prozent der Kinder im Alter bis zu sechs Jahren haben Neurodermitis, aber eine Kinderkrankheit ist Neurodermitis nicht. Auch 1 bis 2 Prozent der Erwachsenen sind von dieser entzündlichen Hauterkrankung, die mit leichten bis schwere Ekzemen einhergeht, betroffen. Der Neurodermitis liegt ein Barrieredefekt der Haut zugrunde. Das hat zur Folge, dass Allergene die defekte Hautbarriere durchdringen können. Bestehen klinisch relevante allergische Sensibilisierungen, können diese Allergene zu einer verzögert einsetzenden Verschlechterung des Ekzems führen. Nachweisen konnte man dies mit Hilfe einer Pollenexpositionskammer. „Dort haben wir pollensensibilisierte Neurodermitis-Patienten im Winter einer hohen Pollenbelastung ausgesetzt und konnten so nach einigen Stunden Aufflammreaktionen feststellen, die auch mit Juckreiz einhergingen“ führte Prof. Werfel aus. Ebenso konnte man bei oralen Provokationstests von Birkenpollen-sensibilisierten Patienten mit kreuzreaktiven Nahrungsmitteln eine deutliche Ekzem-Verschlimmerung feststellen.

Neurodermitis-Therapie: Topisch oder systemisch?

Während bei den ersten beiden Schweregraden der Neurodermitis topische, das heißt äußerliche, Therapien im Zentrum stehen, werden in der dritten und vierten Stufe der atopischen Dermatitis auch systemische Therapien empfohlen. Laut der Europäischen Leitlinie zum Management des atopischen Ekzems (EDF) sollte man bei der Stufe vier, einer schweren bzw. persistierenden Neurodermitis, die Möglichkeit einer Systemtherapie abklären. Aber auch schon bei der Stufe drei, den mittleren Schweregraden der Neurodermitis, sollte man bei Erwachsenen an eine Systemtherapie denken, wenn eine Chronifizierung vorliegt. Dafür wurde bislang Ciclosporin am häufigsten eingesetzt, dessen Wirksamkeit mit einer 50prozentigen Wirksamkeit bei jedem zweiten Patienten allerdings nicht sehr stark ist. Weitere Systemtherapeutika werden off-label eingesetzt, aber auch Kortikosteroide, die jedoch nicht als Dauertherapie zur Anwendung kommen sollten.

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Systemische Neurodermitis-Therapie – neue Optionen

Neue Therapieoptionen zur systemischen Behandlung von Neurodermitis könnten neue Substanzen bringen, deren Entwicklung unterschiedlich weit fortgeschritten ist. Ein monoklonaler Antikörper, der gezielt in die TH2-Entzündung eingreift, Dupilumab, ist zur Behandlung von Neurodermitis bereits zugelassen. Zu sieben weiteren Substanzen zur Therapie der Neurodermitis: Lebrikizumab, Tralokinumab, Nemolizumab, Fezakinumab, Ustekinumab, Baricitinib und ZPL3893787 gibt es bereits voll publizierte Studien.  

Monoklonale Antikörper bei Neurodermitis  – die Mechanismen

Der bereits zugelassene monoklonale Antikörper blockiert die Alphakette des IL-4-Rezeptors sowie das IL-13, die Schlüssel-Zytokine aus TH-2-Lymphozyten. Dies hat zur Folge, dass die allergische Reaktion blockiert und die Verdickung der Epidermis herunterreguliert wird. Außerdem wird die Hautbarriere restauriert, indem die Hautbarriereproteine herunterreguliert werden. Ein weiterer Mechanismus über den die Blockade von IL-4 bei Neurodermitis einen positiven Effekt haben könnte, ist die direkte Reduktion von Juckreiz.

 


Monoklonale Antikörper bei Neurodermitis  – was zeigen die Studien?

Zum bereits zugelassenen monoklonalen Antikörper wurden zwei große internationale Phase III-Studien an 1.379 moderat bis schwer betroffenen Neurodermitis-Patienten durchgeführt, die mit einer topischen Therapie nicht adäquat behandelt werden konnten. Das Studienziel, das heißt die Abheilung der Ekzeme, konnte bei knapp 40 Prozent der Patienten erreicht werden. Bei 50 Prozent der Patienten konnte eine 75prozentige Reduktion der Hautsymptome erreicht werden. Zudem berichteten die Patienten von einer signfikanten Reduktion des Juckreizes und von einer Verbesserung der Lebensqualität. Dabei kam es in vielen Fällen bereits nach 4-wöchiger Therapie zu einer deutlichen Ekzemverbesserung. Seine volle Wirkung entfaltet der Antikörper nach ca. 12 Wochen.

In einer Langzeitstudie, die über ein Jahr durchgeführt wurde, konnte bei 2/3 der Patienten eine stabile Verbesserung der Haut um 75 Prozent nachgewiesen werden. Der Effekt der Therapie mit dem monoklonalen Antikörper hält also lange an. Dies gilt auch für die Reduktion des Juckreizes. Auch bei Neurodermitis Patienten mit einem problematischen Krankheitsverlauf konnten mit dem monoklonalen Antikörper positive Ergebnisse erzielt werden. Dies zeigte eine Studie an Patienten, die entweder nicht auf Ciclosporin angesprochen hatten oder bei denen der Einsatz von Ciclosporin nicht möglich war.

Monoklonale Antikörper bei Neurodermitis  – welche Patienten könnten profitieren?

Zugelassen ist der monoklonale Antikörper für erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen. Dabei handelt es sich um eine First-Line Zulassung, das heißt, der Therapie mit dem monoklonalen Antikörper müssen keine anderen Therapien vorausgegangen sein. Dies wird allerdings von einigen Krankenkassen zum Teil regional unterschiedlich gehandhabt.

Monoklonale Antikörper bei Neurodermitis  – wie sieht die Therapie konkret aus?

Der monoklonale Antikörper wird alle zwei Wochen subkutan verabreicht, das heißt durch eine Spritze unter die Haut. Laut Leitlinie können parallel auch topische Therapien zum Einsatz kommen. „Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund, weshalb man bei einer systemischen Behandlung nicht zusätzlich auch topisch behandeln sollte“ betonte Prof. Werfel.

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Monoklonale Antikörper bei Neurodermitis  – gibt es Nebenwirkungen?

Zwei Nebenwirkungen traten in den großen Studien zum monoklonalen Antikörper signifikant häufiger auf, als in der Placebogruppe. Zum einen waren dies bei 2 bis 3 Prozent der Studienpatienten Bindehautentzündungen, zum anderen Reaktionen an der Injektionsstelle. Anzeichen dafür, dass es zu dem gefürchteten Ekzema herpeticatum kommen könnte, gibt es nicht.