Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Nahrungsmittelallergie Triggerfaktor Neurodermitis Schübe

Daniel Gianelli, Leiter Ernährungstherapie an der Hochgebirgsklinik Davos in der Schweiz zum Thema „Nahrungsmittelallergie: Triggerfaktor für Neurodermitis Schübe?

Nahrungsmittelallergie: Trigger für Neurodermitis Schübe?

Nahrungsmittel geraten bei Neurodermitis schnell in den Verdacht, Auslöser von Neurodermitis Schüben zu sein. Doch nicht immer steckt eine Nahrungsmittelallergie dahinter, wenn die Haut reagiert. Wie aber findet man heraus, ob eine Allergie hinter den Beschwerden steckt oder nicht? MeinAllergiePortal sprach mit Daniel Gianelli, Leiter Ernährungstherapie an der Hochgebirgsklinik Davos in der Schweiz über das Thema „Nahrungsmittelallergie: Trigger für Neurodermitis Schübe?“.

Herr Gianelli, sind Nahrungsmittel ein relevanter Triggerfaktor für Neurodermitis-Schübe?

Nahrungsmittel können, vor allem bei Kindern mit mittlerer und schwerer Neurodermitis, zu einer Verschlechterung der Neurodermitis führen. Bei ungefähr einem Drittel dieser Kinder sind Nahrungsmittel ein Triggerfaktor. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass sich die Nahrungsmittelallergie bei den meisten Kindern bis zum Schulalter wieder verliert, so dass Nahrungsmittel keinen Triggerfaktor mehr darstellen.

Verliert sich in diesen Fällen auch die Neurodermitis?

Nein, das ist nicht der Fall, aber die Nahrungsmittel sind dann kein auslösender Faktor mehr für Neurodermitis Schübe.

Es gibt es auch noch andere Triggerfaktoren. So können Wärme, z.B. Schwitzen, oder körperliche Betätigung wie beim Sport oder beim Tanzen, oder auch ein warmes Bad Triggerfaktoren für Neurodermitis Schübe sein. Ebenso können Infekte oder Stress Neurodermitis-Symptome an der Haut auslösen. Auch bei Pollenallergikern kann es sein, dass sich die Neurodermitis in der Pollensaison verschlechtert, während die Haut im Winter in einem besseren Zustand ist.

Advertorial

Sie sagten, dass sich Nahrungsmittelallergien bei Kindern oft wieder verlieren. Heißt das, dass Nahrungsmittel bei erwachsenen Neurodermitis-Patienten keine Rolle spielen?

Nahrungsmittel spielen bei Erwachsenen mit Neurodermitis meist keine Rolle, es sei denn, es liegt eine klassische Nahrungsmittelallergie vor. Bei den meisten erwachsenen Neurodermitikern liegt jedoch keine Nahrungsmittelallergie vor.

Nichts desto trotz hegen die Betroffenen oft den Verdacht, dass Nahrungsmittel die Ursache für ihre Hautprobleme sein könnten und meiden bestimmte Produkte vorsorglich. Wenn ein solcher Verdacht besteht, ist es deshalb ausgesprochen wichtig, dass eine klassische Allergiediagnose durchgeführt wird. Die strikte Meidung eines Nahrungsmittels sollte nie ohne eine gesicherte Diagnosestellung erfolgen.

Man sollte also nicht nur „auf Verdacht“ auf Nahrungsmittel verzichten?

Wenn ein ganz konkreter Verdacht besteht, kann man das verdächtige Nahrungsmittel auch für einige Wochen aus der Diät ausschließen und dann wieder einzuschließen. Wenn die Symptome unter Karenz verschwinden und bei Wiedereinführung erneut beginnen, kann das schon ein Hinweis auf eine Unverträglichkeit des betreffenden Nahrungsmittels sein.

Hilfreicher ist jedoch eine klassische-Nahrungsmittelallergiediagnostik.

Advertorial


Wie sieht die klassische Diagnostik zur Ermittlung einer Nahrungsmittelallergie aus?

Der klassische Weg für die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie ist die Durchführung eines IgE-Blut-Tests, eines Prick-Tests und einer oralen Provokation. Sind die Ergebnisse von Prick- und Bluttest eindeutig, kann auf eine orale Provokation auch verzichtet werden, aber in der Regel ist die orale Provokation der Goldstandard der Diagnose von Nahrungsmittelallergien. Das Resultat ist oft fast Nebensache, die Betroffenen sind einfach um die Klarheit froh; allergisch oder nicht allergisch.

Für welche Allergene besteht denn bei Neurodermitis am häufigsten eine Unverträglichkeit?

Bei Kindern sind Kuhmilch und Hühnerei die häufigsten Auslöser für Nahrungsmittelallergien. Bei Erwachsenen sind diese Allergien, wie gesagt, äußerst selten.

Wenn eine Nahrungsmittelallergie besteht, wie schnell kommt es dann zu Neurodermitis Schüben?

Durch Nahrungsmittel ausgelöste Neurodermitis Schübe treten in der Regel direkt nach dem Verzehr des Nahrungsmittels auf, aber auch noch bis zu 12 Stunden danach.

Meine bisherigen Erfahrungen gehen eher in Richtung: Direkt nach der Mahlzeit oder innerhalb einiger Stunden.

Advertorial

Spielt die aufgenommene Allergenmenge eine Rolle für das Ausmaß des Neurodermitis Schubes?

Theoretisch könnte bei einer Nahrungsmittelallergie eine gewisse Toleranzschwelle bestehen. Das bedeutet, bis zu einer bestimmten Menge kann das Nahrungsmittel verträglich sein. Wird diese Grenze aber überschritten, kommt es zu Hautreaktionen.

Advertorial


Wie therapiert man die Nahrungsmittallergie bei Neurodermitis?

Grundsätzlich wird bei einer Nahrungsmittelallergie die Meidung des Allergens für einen bestimmten Zeitraum empfohlen.

Existiert jedoch ein Schwellenwert, würde man versuchen, das Nahrungsmittel bis zur individuelle verträglichen Menge in den Speisplan zu integrieren. Außerdem erleichtert es den Alltag der Betroffenen enorm, wenn sie z.B. bei dem Hinweis „Kann Spuren von… enthalten“ nicht auf das Lebensmittel verzichten müssten. Aus eben diesem Grunde ist die orale Provokation so wichtig, weil dabei der individuelle Schwellenwert ermittelt werden kann.

Zudem konnte man in Studien zeigen, dass die strikte Meidung von Nahrungsmitteln bei Nahrungsmittelallergien grundsätzlich nicht von Vorteil ist. Strikte Karenz kann sogar dazu führen, dass sich die Nahrungsmittelallergie bei den Kindern sogar zu einer Soforttyp Nahrungsmittelallergie, das heisst einer IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie, mit systemischen Reaktionen entwickeln bzw. dazu führen kann.

Hingegen scheint es die Toleranzentwicklung zu fördern, wenn immer eine bestimmte Menge des Allergens, also z.B. Kuhmilch oder Hühnerei, regelmäßig konsumiert wird. Wenn wir in der Hochgebirgsklinik Davos bei einem Kind beim oralen Provokationstest feststellen, dass es z.B. verbackene Milch oder verbackenes Hühnerei im Kuchen verträgt, geben wir den Eltern die klare Empfehlung, dass das Kind diese Speisen jede Woche in Form von Kuchen oder Muffins erhalten sollte. Eine schöne Empfehlung, die die Kinder immer sehr freut. Natürlich gilt dies nicht für hochallergische Kinder, bei denen die Gefahr einer Anaphylaxie besteht.

Die Hochgebirgsklinik Davos bietet für Neurodermitis Patienten Rehabilitationsmaßnahmen an, wie lange werde diese durchgeführt?

In der Regel bewilligen die Kassen für Kinder einen dreiwöchigen Aufenthalt, wobei eine Verlängerung von ein bis zwei Wochen möglich ist, wenn das Therapieziel nach drei Wochen noch nicht erreicht ist. Die Jugendlichen bleiben länger in der Rehabilitation und können dabei auch in unserer eigenen Klinikschule am Unterricht teilnehmen.

In dieser Zeit werden die Kinder und Jugendlichen mit Neurodermitis sehr intensiv und sehr individuell betreut und erhalten zahlreiche Schulungen, z. B. von Dermatologen und Ernährungstherapeuten. In der Regel bessert sich das Hautbild unserer Patienten sehr rasch, unter anderem auch deshalb, weil sich die Hochgebirgsklinik in einer pollen- bzw. allergenarmen Umgebung befindet und das Immunsystem aufgrund dessen weniger stark gefordert wird. Auf Basis der durchgeführten Diagnostik und der Erfahrungen bei der Therapie werden dann für jeden Neurodermitis Patienten individuelle Empfehlungen für zu Hause erarbeitet. Es ist wichtig, diese Empfehlungen zu beherzigen und nicht bei weniger fundierten Quellen Rat zu suchen.

Welche Quellen wären weniger fundiert und welche Empfehlungen geben Sie Ihren Patienten hierzu?

Wenn ein Kind Neurodermitis hat, belastet das natürlich in erster Linie das Kind, aber auch die Eltern und letztendlich die ganze Familie. Natürlich suchen die Eltern nach Heilungschancen für ihr Kind und sind dann manchmal auch offen für alle möglichen Ratschläge. Wenn dann ohne fundierte Diagnose empfohlen wird, z.B. Gluten zu meiden, ist dies schon sehr einschränkend für das Kind und aufwändig für die Mutter, die dann eventuell „glutenfrei“ und „normal“ kochen muss. Das ist eine sehr große Belastung und die Lebensqualität der ganzen Familie leidet enorm. Ich empfehle deshalb dringend, nach wissenschaftlichen Kriterien vorzugehen und eine fundierte Diagnose vornehmen zu lassen, bevor unnötige Diäten durchgeführt werden.

Advertorial

Was kann passieren, wenn man bei Neurodermitis Auslassdiäten „auf Verdacht“ durchführt?

Wir hatten jüngst ein Kind in Behandlung, bei dem aufgrund einer Sensibilisierung, ohne klare Diagnostik der klinischen Relevanz, wie z.B. orale Provokation, über einen langen Zeitraum Weizen, Eier und Milchprodukte aus dem Speichplan gestrichen wurden, ein Fall, den wir in der Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin ausführlich beschrieben haben.1) Das Kind litt an Gedeihstörungen und hatte keinen Appetit mehr.

Bei der erneuten Diagnose stellte sich dann heraus, dass eine Sensibilisierung auf diese Nahrungsmittel bestand, die klinischen Symptome nach Verzehr von Kuhmilch, Ei und Weizen jedoch unklar waren. Bei der oralen Provokation zeigte sich dann, dass das Kind das Ei in verbackener Form problemlos vertrug und dass keine Unverträglichkeit auf Weizen bestand. Und: Bei der Kuhmilch in reiner Form kam es erst ab einer gewissen Dosis (Schwellenwert) zu leichten Hautreaktionen.

Nach der Wiedereinführung von weizenhaltigen Produkten, sowie regelmäßig verabreichten festgelegten Mengen an verbackenem Hühnerei und verbackener Milch in den Speiseplan hatte das Kind wieder Spaß am Essen, es blühte auf und nahm innerhalb kurzer Zeit wieder an Gewicht zu. Eine Nachfrage bei der Mutter nach einem halben und nach einem Jahr zeigte dann, dass das Kind zuerst Ei und dann Milchprodukte auch in unverbackenem Zustand wieder vertrug.

Herr Gianelli, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Quellen:
1) Daniel Gianelli, Julia Eisenblätter, Ernährungsberatung bei Kindern mit Nahrungsmittelallergien, Ein Plädoyer für eine individuelle Ernährungstherapie, SZE, 1/2016, S. 1-4

Advertorial

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.