Asthma Neurodermitis Anaphylaxie Schulung AGAS AGNES AGATE

„Passt die Schulung von GESTERN noch zu den Familien von HEUTE?“ lautet das Veranstaltungsmotto der 15. Gemeinsamen Jahrestagung von AGAS und AGNES!

Asthma, Neurodermitis, Anaphylaxie: Effektive Schulungskonzepte

Welche Konsequenzen hat es, wenn Kinder, die eine Schulung benötigen, nicht geschult werden?

Katharina Hagemeister: Nehmen wir einmal das Beispiel „Asthma bronchiale“: Hier zeigt sich im Verlauf der Erkrankung sehr deutlich, wie gut die Kinder „eingestellt“ sind, ob sie sich stabilisiert haben und ob sie gut im Alltag zurechtkommen. Ist der Krankheitsverlauf nicht positiv, kann das daran liegen, dass das Kind und dessen Familie keine Asthmaschulung erhalten haben. Für die Kinder bedeutet „nicht gut eingestellt sein“ jedoch eine erhebliche Einbuße an Lebensqualität.

Dr. Christian Weißhaar: Für die Neurodermitis gilt, dass ohne die Schulung oft das Gefühl, noch nicht das „Richtige“ gefunden zu haben und damit eine Ohnmacht gegenüber der Krankheit, vorherrscht.

Aus welchen Gründen nehmen Familien das Schulungsangebot nicht wahr?

Katharina Hagemeister: Häufig sehen die Familien schlicht keine Notwendigkeit für eine Schulung, oder sie scheuen den Zeitaufwand. Für manche Familien sind die Schulungen nur schwer in den Alltag zu integrieren. Dann melden sie sich zwar für ein Training an, aber es kommt eher zu Fehlzeiten oder sie erscheinen plötzlich gar nicht.

Oft befinden sich Familien mit chronisch kranken Kindern in einer Zwickmühle. Sie möchten auf der einen Seite maximal informiert und aufgeklärt werden, haben jedoch andererseits keine Zeit für die dafür nötigen Schulungen. Dabei spielt es sicher auch eine Rolle, dass immer häufiger beide Eltern berufstätig sind, aber auch lange Schul- und Kitazeiten lassen weniger Spielraum. Hinzu kommt das Phänomen, dass die Kinder zunehmend wöchentlich fest eingeplante Freizeitaktivitäten wahrnehmen. Es gibt bei den Familien einfach nicht mehr so viel „unverplante Zeit“.

In manchen Fällen spielen aber auch schlicht sprachliche Barrieren eine Rolle, z.B. bei Familien mit Migrationshintergrund.

Dr. Christian Weißhaar: Insgesamt ist es zunehmend schwierig, bei den Familien die für die Schulung notwendige Verbindlichkeit zu etablieren.

Katharina Hagemeister: Die Familien, die zu den Schulungen kommen, sind jedoch regelmäßig begeistert und geben an, wie wichtig die Schulung für sie war und dass sich die eingesetzte Zeit gelohnt hat.

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Die klassischen Schulungskonzepte stoßen also aufgrund veränderter Lebensgewohnheiten an gewisse Grenzen?

Katharina Hagemeister: Wir erreichen diese Familien mit dem klassischen Schulungskonzept nicht immer. Deshalb ist es ein zentrales Thema der gemeinsamen Jahrestagung von AGAS und AGNES, neue Gestaltungsoptionen zu entwickeln und den Schulungs-Zeitaufwand mehr an die Bedürfnisse der Familien anzupassen.

Gleichzeitig müssen wir jedoch sehr sorgfältig prüfen, an welchen „Stellschrauben“ der bestehenden Schulungskonzepte wir „drehen“ können, ohne dass es zu Qualitätsverlusten kommt. Gerade in den Bereichen Asthma und Neurodermitis sind die aktuellen Konzepte das Ergebnis einer langen Entwicklung. Am Ende dieser Entwicklung stehen die von den Krankenkassen anerkannten Qualitätshandbücher, die auch Grundlage für die Kostenübernahme durch die Kassen sind. Bei der Veränderung evaluierter Konzepte muss man also umsichtig vorgehen.

Dennoch sind neue Impulse bei den Schulungskonzepten und auch die Frage, wie man Jugendliche heutzutage besser erreichen kann, zentrale Themen bei der gemeinsamen Jahrestagung von AGAS und AGNES.

Dr. Christian Weißhaar: Im Bereich Neurodermitis hat sich in den letzten Jahren eine 30 minütige Pflegeberatung etabliert, die bei diesem komplexen Thema aber die 12 stündige Neurodermitisschulung nicht ersetzen kann, sondern oftmals eher eine Hinführung zur Schulung darstellt.

Welche weiteren Impulse gibt die AGAS/AGNES-Tagung im Hinblick auf Schulungskonzepte?

Katharina Hagemeister: Ideen zu alternativen Formaten zur Standardschulung werden bei unserer Tagung zum Beispiel im Vortrag von Silke Seiffert, Kinderkrankenschwester und Pflegepädagogin bei der DRK-Schwesterschaft Krefeld e.V, vorgestellt. Sie hält einen Vortrag mit dem Titel „Mikroschulung und Instruktion – was ist das?“ und passend zum Vortrag wird auch ein Workshop angeboten. Ziel ist es, zusätzlich zu den etablierten Schulungen, ein weiteres Schulungsformat anzubieten, das den Schulungsbedarf und das Zeitbudget bestimmter Patientengruppen berücksichtigt.

Für Jugendliche wird das Thema „soziale Medien“ mit dem Workshop „Schritthalten mit Jugendlichen – Facebook, Instagram und Co.“ behandelt. Hier erwarten uns interessante Anregungen und ein Blick „über den Tellerrand“, denn die Referentin und Kommunikationsexpertin Stephanie Hiller kommt nicht aus dem Bereich Schulung, sondern aus dem Bereich „Digitale Medien“.

In den letzten Jahren haben wir allerdings schon viel „digital experimentiert“, z.B. mit digitalen Nachschulungen oder mit Videos auf Youtube zur Asthmaschulung.

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