Neurodermitis Schminken

Privatdozentin Dr. med. Kristine Breuer, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, Allergologie, Berufsdermatologie (ABD) und Leiterin der Abteilung für Allergologie und Berufsdermatologie im Dermatologikum in Hamburg

Neurodermitis und Schminken: Passt das zusammen?

Es gibt ja eine Reihe von Kosmetikprodukten speziell für Neurodermitiker. Sind diese Produkte zuverlässig?

Die erste Maßnahme zur Überprüfung der Verträglichkeit von Kosmetikprodukten wäre der Abgleich der Inhaltsstoffe mit dem persönlichen Allergiepass.

Dann gibt es auch eine Reihe von Spezialprodukten für Neurodermitiker, aber nicht alle, die mit der Angabe "dermatologisch getestet" versehen sind, sind auch unbedingt gut geeignet. Im Grunde ist die Angabe "dermatologisch getestet" irreführend, denn sie besagt nicht, dass das Produkt keine möglichen Kontaktallergene enthält.

Tendenziell kann man sagen, dass Apothekenprodukte (Duft- und Konservierungsstoff-frei) eher für Neurodermitiker geeignet sind als herkömmliche Produkte, hier sollte man seinen Allergologen um Rat fragen.

Wie muss die Basispflege bei Neurodermitis aussehen?

Die Basispflege sollte feuchtigkeitsspendend sein, Feuchthaltestoffe wie z.B. Glyzerin enthalten oder Ceramide, d.h. körpereigene Bausteine der Hautbarriere, enthalten. Urea-haltige (d.h. Harnstoff-haltige) Produkte werden von sehr empfindlichen Menschen im Gesichtsbereich unter Umständen nicht vertragen. Die Basispflege bei Neurodermitis sollte sehr viel Feuchtigkeit spenden und die Hautbarriere stärken, damit die Kosmetikprodukte die Haut nicht austrocknen können. Öle sind hierzu eher nicht geeignet.

Abschminken sollte man sich mit einer milden Reinigungsmilch ohne Konservierungsstoffe, Farbstoffe und Duftstoffe oder mit klarem Wasser. Wenn man z.B. wasserlösliche Mascara nutzt, ist dies sehr gut möglich. Seife sollte man eher nicht fürs Gesicht verwenden.

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Zwar werden die Haare nicht "geschminkt", aber auch hier gibt es ja diverse Hilfsmittel , die der Verschönerung dienen. Was sollte man bei Neurodermitis in Bezug auf Färbemittel, Festiger, Haargels, Harsprays etc. beachten?

Färbemittel und Blondierungen reizen die Haut und enthalten Kontaktallergene, d.h. man sollte möglichst darauf verzichten. Wenn es nicht anders geht, sollte man zumindest statt oxidativer Haarfarben weniger allergene  Produkte , z.B. sogenannte direktziehende Haarfarben verwenden. Grundsätzlich ist beim Thema Haare färben bei Neurodermitis ausschlaggebend, ob auch die Kopfhaut von der Neurodermitis betroffen ist oder nicht.

Für Shampoos und andere Haarpflegeprodukte gilt das gleiche wie für die Hautprodukte. Auch hier sollten keine Konservierungsstoffe, Farbstoffe und Duftstoffe enthalten sein und man sollte die Inhaltsstoffe mit dem persönlichen Allergiepass abgleichen.

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Übrigens ist auch Henna allergologisch nicht unproblematisch. Das liegt nicht an Henna selbst, sondern an den Zusatzstoffen, die oft die gleichen sind wie bei den oxidativen Haarfarben, also potente Kontaktallergene.

Frau Privatdozentin Breuer, ich danke Ihnen für dieses Interview!

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