Sommer allergische Hauterkrankung

Dr. Christina Hecker, Fachärztin für Dermatologie und Allergologie in Köln

Sommer, Sonne, Urlaub – wie passt das zu allergischen Hauterkrankungen?

Ob Neurodermitis, allergisches Kontaktekzem oder gar Urtikaria - im Sommer sind Hauterkrankungen noch unangenehmer als sonst. Das Schwitzen kann die Haut reizen und den Juckreiz verstärken. Angesichts von Sonne, Sand, Salzwasser und Chlor wissen viele Betroffene nicht so genau, welche Auswirkungen auf ihre Haut zu erwarten sind. Deshalb sprach MeinAllergiePortal mit Dr. Christina Hecker, Fachärztin für Dermatologie und Allergologie in Köln über Tipps und Tricks für einen beschwerdefreien Sommer.

Frau Dr. Hecker, gibt es Urlaubsorte, die sich für Menschen mit Hauterkrankungen ganz besonders gut eignen, welche? Und welche Regionen eignen sich nicht?

Gut geeignet sind z.B. für Patienten mit Neurodermitis und Psoriasis Orte an der Ost-oder Nordsee.

Relativ trockene, salzhaltige Luft und nicht zu heißes Klima sorgen zusammen mit relativ niedrigem Salzgehalt der Ostsee für angenehmes Hautgefühl. Die UV-Strahlung ist nicht zu stark und kann ihre antientzündliche Wirkung entfalten.

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Viele Menschen mit Neurodermitis oder Kontaktekzemen klagen über verstärkten Juckreiz durch Schwitzen. Welche Deos helfen?

Deos gegen verstärktes Schwitzen enthalten Aluminiumhexachlorat. Es hemmt die Schweißdrüsensekretion für die Dauer der Anwendung im Bereich der Achselhöhlen, für eine Anwendung am ganzen Körper kommt die Substanz nicht infrage. Als Nebenwirkung tritt manchmal eine Hautreizung auf, insgesamt ist es jedoch relativ gut verträglich.

Was muss man in Bezug auf das Schwitzen bei Säuglingen, die noch Windeln tragen, beachten?

Im Windelbereich treten besonders  bei Schwitzen in den Sommermonaten häufig Rötung und Wundsein der Haut auf, manchmal sogar mit Hefepilzbefall (Windelsoor). Austrocknende, tanninhaltige Lotion oder Zinkpasten könne vorbeugend wirksam sein, außerdem Kamillenbäder. Die früher häufiger angewendeten Farbstoffpinselungen sind heute wegen ihrer potentiell toxischen Wirkung eher obsolet. Windelsoor erkennt man an randständigen weißlichen Pusteln im geröteten Areal und durch Pilzabstriche. Die Behandlung erfordert dann spezielle antimykotische Wirkstoffe, z.B. Nystatin.

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Tut Sonne bei Hauterkrankungen gut oder sollte man sie eher meiden?

Bei einigen entzündlichen Erkrankungen wie Röschen-,Knötchen-, Schuppenflechte oder Neurodermitis wird die antientzündliche Wirkung von UV-Licht genutzt. Bei anderen Erkrankungen wie Schmetterlingsflechte oder Rosazea  ist Sonnen-bzw. UV-Licht schädlich und muß daher gemieden werden. Insofern gibt es keine pauschal gültige Aussage.


Was muss man bei Hauterkrankungen beim Sonnenschutz beachten? Welche Inhaltsstoffe sollte man meiden? Welche bevorzugen?

Generell sollte man bei vorliegenden Hauterkrankungen eher mineralhaltigen UV-Schutz als chemische Filter verwenden. Auch Konservierungsstoffe sind wenn möglich zu meiden, da sie allergisierend wirken können. Kinder unter 1 Jahr sollten überhaupt keine UV-Filter aufgetragen bekommen.

Wie sieht es mit dem Baden aus, tut es der Haut gut oder eher nicht? Was ist verträglicher: Salzwasser oder gechlortes Wasser?

Ob Bäder der Haut gut tun, hängt von der jeweiligen Erkrankung ab. Bei Schuppenflechte oder Neurodermitis sind Bäder mit Ölzusätzen sinnvoll, generell gilt, dass nicht zu oft gebadet werden soll. Die individuell richtige Dosis muss von Patient zu Patient gefunden werden.

Im Urlaub laugt gechlortes Wasser die Haut sehr aus und ist in jedem Fall schlechter verträglich als Salzwasser. Bei vorhandenen Hauterkrankungen sollte nach dem Baden in jedem Fall lauwarm geduscht und die Haut mit (harnstoffhaltiger) Pflegelotion eingecremt werden, bei sehr trockener Haut kann auch eine fettigere Creme oder Salbe benutzt werden.

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Gibt es Empfehlungen bzgl. der Kleidung?

Die Kleidung sollte locker und luftig sein, am besten aus Baumwollstoff oder Mischgewebe.Bei  Sonnenallergie kann es sinnvoll sein, UV-dichte Kleidungsstücke zu tragen. Kratzige Materialien sind eher ungünstig, weil sie die Hautbarriere stören und zu Juckreiz führen können.

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Kann man sich schon zuhause auf den Urlaub vorbereiten? Welche Tipps geben Sie ihren Patienten?

Eine spezielle Vorbereitung gibt es nicht, vor allem ist es nicht ratsam, sich „vorzubräunen“, denn dies schützt nicht vor Sonnenbrand und erhöht zudem noch die UV-Dosis. Die beste Vorbereitung ist eine gute, dem Hauttyp angepasste Hautpflege und vorsichtiges Gewöhnen an die Sonne am Urlaubsort.

Frau Dr. Hecker, herzlichen Dank für das Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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