Neurodermitis-Schulung ARNE-Konzept Erwachsene

Dr. med. Annice Heratizadeh, Medizinische Hochschule Hannover, zur Neurodermitis-Schulung nach ARNE-Konzept!

Neurodermitis-Schulung nach ARNE-Konzept verbessert Lebensqualität und Schweregrad der Neurodermitis bei Erwachsenen

Wie konnten Sie in der ARNE-Studie ermitteln, welchen Effekt die Schulungen hatten?

Vor und ein Jahr nach der Schulung wurde bei den PatientenInnen der Schulungsgruppe und der Wartekontrollgruppe der Schweregrad der Neurodermitis ärztlicherseits und auch durch die PatientenInnen selbst erfasst. Außerdem wurden Fragebögen, unter anderem zum Umgang mit Juckreiz, zur Krankheitsbewältigung, zur Krankheitsschwere und Lebensqualität, ausgefüllt.

Durch die Schulungsteilnahme sollten eine wesentliche Verbesserung der Selbstmanagementfertigkeiten der PatientenInnen („Patient Empowerment“) mit einer Verbesserung der Lebensqualität und Therapiemotivation erreicht werden.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erkenntnisse aus der ARNE-Studie?

Insgesamt 315 PatientenInnen nahmen an der Studie teil. Tatsächlich konnte bei den geschulten PatientenInnen ein Jahr nach der Schulung eine deutlich stärkere, d.h. signifikante, Verbesserung der Krankheitsbewältigung hinsichtlich des Umgangs mit Juckreiz und der Lebensqualität im Vergleich zur Wartekontrollgruppe beobachtet werden. Außerdem verringerten sich auch soziale Ängste.

Obwohl erwachsene Patienten meist einen langjährigen und chronischen Krankheitsverlauf aufweisen, führte die Schulungsteilnahme auch zu einer signifikant stärkeren Verbesserung des Schweregrades der Neurodermitis sowohl in der Beurteilung ärztlicherseits als auch seitens der PatientenInnen.

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Konnten Sie sehen, von welchen Modulen der ARNE-Schulung die Patienten am meisten profitieren?

Im Vorfeld wurde durch die ARNE in mehreren Konsensuskonferenzen eine ausführliche Diskussion zum Curriculum der Schulung geführt.

Tatsächlich wurde durch diese Untersuchung unsere Annahme bestätigt, dass insbesondere durch eine interdisziplinäre Schulung - und nicht etwa durch eine ausschließliche Instruktion zu medizinischen Aspekten- die gewünschten positiven Effekte auf psychosoziale Parameter und die Krankheitsschwere bei NeurodermitispatientenInnen erreicht werden konnte. Gerade die Interdisziplinarität schafft die notwendigen Voraussetzungen dafür, dass die Patienten auf verschiedenen Ebenen motiviert werden, eigene positive Ressourcen frühzeitig zu betonten.

Welche Empfehlungen an die Gesundheitspolitik ergeben sich aus der ARNE-Studie?

Ziel der Schulungsmaßnahme ist eine nachhaltige Besserung der Hauterkrankung und damit auch eine Reduktion von stationären Maßnahmen und der Inanspruchnahme ineffektiver und ungesicherter Therapiemaßnahmen, sowie eine Reduktion von (psychosozialen) Folgekosten, wie z.B. Verminderung von Folgekosten von falscher Berufswahl.

Aufbauend auf den nun gewonnen Erkenntnissen soll der nächste Schritt eine Implementierung dieser ambulanten Versorgungsmaßnahme in der Fläche sein.

Frau Dr. Heratizadeh, Herr Prof. Werfel, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quelle:

1)    Heratizadeh A, Werfel T, Wollenberg A et al. Effects of structured patient education in adult atopic dermatitis - multi-center randomized controlled trial. J Allergy Clin Immunol. 2017 Feb 24. doi: 10.1016/j.jaci.2017.01.029. [Epub ahead of print])

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