Neurodermitis-Schulung ARNE-Konzept Erwachsene

Dr. med. Annice Heratizadeh, Medizinische Hochschule Hannover, zur Neurodermitis-Schulung nach ARNE-Konzept!

Neurodermitis-Schulung nach ARNE-Konzept verbessert Lebensqualität und Schweregrad der Neurodermitis bei Erwachsenen

In Deutschland wurde bereits die ambulante Neurodermitis-Schulung für Eltern erkrankter Kinder, Kinder und Jugendliche mit Unterstützung des BMG und der GKV hinsichtlich der Wirksamkeit in einem interdisziplinären Modellvorhaben überprüft (Staab 2006, Kupfer 2010). Aufgrund der Ergebnisse des Modellvorhabens empfehlen die Spitzenverbände der Krankenkassen seit 2007 die Kostenübernahme für die Durchführung dieser Schulungsprogramme nach AGNES e.V. Konzept. In einer Studie1) hat die Arbeitsgemeinschaft Neurodermitis-Schulung für Erwachsene (ARNE) nun nachgewiesen, wie sehr auch Erwachsene von gezielten Informationen zum Umgang mit der atopischen Dermatitis profitieren. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Annice Heratizadeh, Funktionsoberärztin Abteilung für Immundermatologie und experimentelle Allergologie, Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover und Prof. Dr. Thomas Werfel, Stellvertretender Direktor der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover und Präsident der DGAKI über die Erkenntnisse aus der ARNE-Studie und wie eine Neurodermitis-Schulung die Lebensqualität erwachsener Patienten verbessern kann.

Frau Dr. Heratizadeh, Herr Prof. Werfel, Sie haben eine Studie zur Schulung von Erwachsenen mit Neurodermitis durchgeführt. Was war das Ziel Ihrer Untersuchung?

thomas werfel direktor klinik dermatologie allergologievenerologie medizinische hochschule hannover dgaki praesident zu neurodermitis triggerfaktorenProf. Dr. Thomas Werfel, Stellvertretender Direktor der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover und Präsident der DGAKI!Ziel unserer Untersuchung war die Erhebung von Effekten und die Prüfung der Evidenz einer ambulanten Schulung von erwachsenen Patienten mit Neurodermitis. Hierfür wurde die Arbeitsgemeinschaft Neurodermitis-Schulung für Erwachsene (ARNE) gegründet, der ExpertenInnen aus den Bereichen Dermatologie, Psychotherapeutische Medizin, Psychologie, Pädagogik, Medizinische Soziologie, Ernährung, Versorgungsforschung und Medizinökonomie angehören. Gemeinsam initiierten wurde unter der Leitung der Universitätskliniken von Hannover und Gießen, Herrn PD Dr. Jörg Kupfer und Herrn Prof. Dr. Uwe Gieler, eine bundesweite multizentrische Studie .

 

Teilnehmende Zentren der ARNE-Multizenterstudie: Universitätskliniken
Berlin/Charité
Dresden
Erlangen
Hamburg
Gießen
Hannover
Heidelberg
Kiel
Leipzig
Mainz
München LMU
München TU
Tübingen
Quelle: A. Heratizadeh/T.Werfel, www.mein-allergie-portal.com

 

 

Teilnehmende Zentren der ARNE-Multizenterstudie: Weitere Zentren:
Vital Klinik Alzenau
Dermatologisches Zentrum für Reha und Rehabilitation Bad Soden
Elbekliniken Buxtehude
Dermatologikum Hamburg
Klinikum Darmstadt
Quelle: A. Heratizadeh/T.Werfel, www.mein-allergie-portal.com

 

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Wer konnte an der Studie zur Schulung von Erwachsenen mit Neurodermitis teilnehmen?

In die Studie wurden PatientenInnen mit einer mittelschweren bis schweren Neurodermitis eingeschlossen, die per Zufallsprinzip (Randomisierung) entweder der Schulungsgruppe oder einer Wartekontrollgruppe zugeordnet wurden. Den Patienten der Wartekontrollgruppe wurde im Verlauf der Studie keine Neurodermitis-Schulung erteilt. Es wurde ihnen jedoch nach Abschluss sämtlicher Erhebungen im Rahmen der Studie ebenfalls eine Schulungsteilnahme angeboten.

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Was genau wurde bei der Neurodermitis-Schulung für Erwachsene vermittelt?

Für die Durchführung der Schulung wurde von der ARNE ein verbindliches Manual zu den Themenschwerpunkten „Dermatologie“ „Psychologie“ und „Ernährung“ verfasst.
Die PatientenInnen der Schulungsgruppe wurden in Kleingruppen durch ein interdisziplinäres Schulungsteam, bestehend aus Dermatologen/innen, Ernährungsfachkräften, Psychologen/innen bzw. Pädagogen/innen oder Ärzte/innen für psychotherapeutische/psychosomatische Medizin zu krankheitsrelevanten Themen über 12 X 60 Minuten geschult.

Hierbei wurde einerseits handlungsrelevantes Wissen zur Veranlagung, Entstehung und zu Schubfaktoren einer Neurodermitis vermittelt. Außerdem wurden der Entzündungsprozess in der Haut und bei Allergien besprochen sowie wissenschaftlich fundierte Diagnosemethoden bei Neurodermitis und Allergien. Nicht zuletzt wurde die Bandbreite therapeutischer Optionen erläutert. Weiterhin waren sozialmedizinische Aspekte wie z.B. Rehabilitationsmaßnahmen und das Risiko, bei Neurodermitis möglicherweise eine Berufskrankheit zu entwickeln, wichtige Schulungsinhalte.

Andererseits umfasste das ARNE-Schulungsprogramm wichtige psychologische und verhaltenstherapeutische Inhalte mit u.a. praktischen Übungen zur Juckreiz- und Stressbewältigung, zu selbstsicherem Verhalten und Kommunikation.


Wie konnten Sie in der ARNE-Studie ermitteln, welchen Effekt die Schulungen hatten?

Vor und ein Jahr nach der Schulung wurde bei den PatientenInnen der Schulungsgruppe und der Wartekontrollgruppe der Schweregrad der Neurodermitis ärztlicherseits und auch durch die PatientenInnen selbst erfasst. Außerdem wurden Fragebögen, unter anderem zum Umgang mit Juckreiz, zur Krankheitsbewältigung, zur Krankheitsschwere und Lebensqualität, ausgefüllt.

Durch die Schulungsteilnahme sollten eine wesentliche Verbesserung der Selbstmanagementfertigkeiten der PatientenInnen („Patient Empowerment“) mit einer Verbesserung der Lebensqualität und Therapiemotivation erreicht werden.

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Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erkenntnisse aus der ARNE-Studie?

Insgesamt 315 PatientenInnen nahmen an der Studie teil. Tatsächlich konnte bei den geschulten PatientenInnen ein Jahr nach der Schulung eine deutlich stärkere, d.h. signifikante, Verbesserung der Krankheitsbewältigung hinsichtlich des Umgangs mit Juckreiz und der Lebensqualität im Vergleich zur Wartekontrollgruppe beobachtet werden. Außerdem verringerten sich auch soziale Ängste.

Obwohl erwachsene Patienten meist einen langjährigen und chronischen Krankheitsverlauf aufweisen, führte die Schulungsteilnahme auch zu einer signifikant stärkeren Verbesserung des Schweregrades der Neurodermitis sowohl in der Beurteilung ärztlicherseits als auch seitens der PatientenInnen.

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Konnten Sie sehen, von welchen Modulen der ARNE-Schulung die Patienten am meisten profitieren?

Im Vorfeld wurde durch die ARNE in mehreren Konsensuskonferenzen eine ausführliche Diskussion zum Curriculum der Schulung geführt.

Tatsächlich wurde durch diese Untersuchung unsere Annahme bestätigt, dass insbesondere durch eine interdisziplinäre Schulung - und nicht etwa durch eine ausschließliche Instruktion zu medizinischen Aspekten- die gewünschten positiven Effekte auf psychosoziale Parameter und die Krankheitsschwere bei NeurodermitispatientenInnen erreicht werden konnte. Gerade die Interdisziplinarität schafft die notwendigen Voraussetzungen dafür, dass die Patienten auf verschiedenen Ebenen motiviert werden, eigene positive Ressourcen frühzeitig zu betonten.

Welche Empfehlungen an die Gesundheitspolitik ergeben sich aus der ARNE-Studie?

Ziel der Schulungsmaßnahme ist eine nachhaltige Besserung der Hauterkrankung und damit auch eine Reduktion von stationären Maßnahmen und der Inanspruchnahme ineffektiver und ungesicherter Therapiemaßnahmen, sowie eine Reduktion von (psychosozialen) Folgekosten, wie z.B. Verminderung von Folgekosten von falscher Berufswahl.

Aufbauend auf den nun gewonnen Erkenntnissen soll der nächste Schritt eine Implementierung dieser ambulanten Versorgungsmaßnahme in der Fläche sein.

Frau Dr. Heratizadeh, Herr Prof. Werfel, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quelle:

1)    Heratizadeh A, Werfel T, Wollenberg A et al. Effects of structured patient education in adult atopic dermatitis - multi-center randomized controlled trial. J Allergy Clin Immunol. 2017 Feb 24. doi: 10.1016/j.jaci.2017.01.029. [Epub ahead of print])

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