Neurodermitis Säugling Kleingind Mutter-Kind-beziehung

Dipl. oec. troph. Sonja M. Mannhardt, Gesundheitsmanagement, Schliengen zur Beziehung zwischen Mutter und Kind und deren Einfluss auf das Krankheitsbild Neurodermitis!

Neurodermitis beim Säugling und Kleinkind: Die Rolle der Mutter-Kind-Beziehung

Man weiß, dass bei chronischen Erkrankungen die Psyche eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Auch bei der chronischen Erkrankung Neurodermitis scheint es einen Zusammenhang zwischen dem seelischen Wohlbefinden und dem Hautbild zu geben. Inwiefern aber kann die Ausgeglichenheit der Mutter das neurodermitische Hautbild beim Säugling und Kleinkind beeinflussen? MeinAllergiePortal sprach mit Dipl. oec. troph. Sonja M. Mannhardt, Gesundheitsmanagement, Schliengen über die Beziehung zwischen Mutter und Kind und deren Einfluss auf das Krankheitsbild Neurodermitis.

Frau Mannhardt, welche Rolle spielt bei Kindern mit Neurodermitis die Mutter-Kind-Beziehung?  

Kinder  sind soziale und emotionale Wesen. Von Geburt an sind Sie auf Mitmenschen angewiesen, um zu überleben. Der erste Mitmensch ist für jeden Menschen die Mutter oder ein mütterlicher Mensch. Doch auch andere Menschen spielen im Leben eines Menschen eine Rolle und auch Geschwister prägen einen Menschen. Und da der Mensch auch ein emotionales Wesen ist, gehört Emotionalität einfach zum Wesen Mensch dazu. Dies gilt natürlich für Kinder mit Neurodermitis in besonderem Maße.

So sind es zumeist die Mütter, die die meiste Zeit mit dem Kind verbringen, ihnen körperliche Nähe schenken, sie nähren und ernähren, ihnen wichtige Wegbegleiter in ein selbstbestimmtes Leben sind. Sie sind meist diejenigen, die bei Diagnosestellung Ansprechpartner für Ärzte sind, sie sind die Co-Therapeuten, lindern Juckreiz, cremen ein, kümmern sich um die Therapie.

Es sind Mütter, die den Hautzustand des Kindes sehen und darauf in einer individuellen Weise reagieren, ja zuweilen stärker leiden, als das betroffene Kind selbst. Es sind Mütter, die sich sorgen und meist stärker emotional involviert sind, als Väter. Dabei sind es auch Mütter, die sich häufig in Doppel- oder Dreifachbelastungen wiederfinden und selbst mehr oder weniger belastet sind.

Was ich damit sagen möchte:  Insbesondere bei Kindern mit Neurodermitis ist es wichtig, sowohl das betroffene Kind zu betrachten, als auch die Mütter zu stützen und zu unterstützen, denn sie sind zumeist diejenigen, die mit diesem Krankheitsbild am meisten zu tun haben.

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Sie sagten, dass Mütter unter der Neurodermitis der Kinder manchmal stärker leiden, als die Kinder selbst….

Ein Säugling oder Kleinkind mit Neurodermitis sieht sich selbst nicht, sondern schaut ins Gesicht des geliebten Menschen, der ihn betrachtet. Schaut dieser Mensch besorgt oder ängstlich ins Gesicht des Kleinkindes mit Neurodermitis, dann spürt dieses Kind diese Emotionen und reagiert darauf. Doch wer will es einer Mutter verübeln, dass sie sich sorgt, wenn sie das Kind mit offener, blutig gekratzter Haut erlebt?

Welche Auswirkungen hat die Angst der Mutter auf ein Kind mit Neurodermitis?

Wir wissen, dass viele Mütter sich fürchten, das Kind zu berühren, zu streicheln, in der Meinung es könne dem Kind wehtun. Wir wissen, dass genau diese dann fehlende körperliche Zuwendung eher schadet. Wir wissen, dass viele Mütter stärker leiden, wenn sie ihr Kind so sehen, als die betroffenen Kinder selbst. Wir wissen, dass Neurodermitis-Kinder sehr „sensibel“, „dünnhäutig“ und  „emotional“ sind und sehr auf ihr soziales Umfeld reagieren, auch dann, wenn andere nichts spüren.

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Heißt das, dass Kinder mit Neurodermitis besonders stark auf die Stimmung der Mutter reagieren?

Aus Studien wissen wir, dass eine Großzahl der Kinder mit atopischem Ekzem Einzelkinder oder Älteste sind. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass Mütter noch recht unerfahren und zuweilen ängstlich sind. Diese Unsicherheit kann einerseits dazu führen, dass Mütter zu überfürsorglich sind und jeden Schritt und Atemzug des Kindes kontrollieren und überwachen, andererseits vor lauter Angst, selbst vollkommen verunsichert sind. Im ersten Fall führt das oft zu einer Verwöhnung und Verzärtelung, da dem Kind nichts zugetraut und zugemutet wird. So kann der Selbstwert des Kindes untergraben  werden, es kann zu einer Verunsicherung und damit zu Stress beim Kind kommen. Im zweiten Fall überträgt sich die Ängstlichkeit und Unsicherheit der Mutter auf das Kind.

Wie können Mütter von Kindern mit Neurodermitis vermeiden, dass sie die eigene Angst und Unsicherheit auf das Kind überträgt?

In beiden Fällen zielt die Beratung darauf ab, diese Beziehungsmuster aufzudecken und zu verstehen, was sich hinter diesen Strategien verbirgt. Ziel  der Beratung ist es, den Stress zu minimieren und Entspannung in die Mutter-Kind Beziehung zu bekommen.

Gibt es im Zusammenhang mit Neurodermitis „typische Beziehungsmuster“ für diese Mutter-Kind-Beziehungen?

Viele Mütter betrachten es als unerträglichen Zustand, relativ hilflos gegenüber dem Krankheitsbild des eigenen Kindes zu sein. So ist es verständlich und durchaus nachzuvollziehen, dass Mütter nach jedem Strohhalm greifen, der ihnen das Gefühl gibt, etwas tun zu können. Da liegt es für Viele nahe, beim Essen nach einem Auslöser zu suchen, obwohl bei vielen betroffenen Kindern das Essen überhaupt keinen Einfluss hat.

So kommt es nicht selten vor, dass Mütter in die Praxis kommen, weil sie sich und ihre Kinder in einem „Diätteufelskreis“ wiederfinden. Sie ließen viele Lebensmittel weg, in der Hoffnung, es würde helfen, die Neurodermitis-Schübe zu verhindern. Deshalb ließen sie bestimmte Lebensmittel dauerhaft weg. Für das Kind bedeutet eine Diät, die weder sinnvoll noch nützlich ist, jedoch großen Stress.

Wie kommen Kinder mit Neurodermitis und ihre Mütter aus diesem Diätteufelskreis wieder heraus?

In solch einem Fall müssen wir zunächst über gesunde Ernährung sprechen und darüber, dass einseitige Diäten eher schaden als nützen. Gleichzeitig wird eine genaue Anamnese durchgeführt, um zu sehen, ob es tatsächlich einen begründeten Verdacht auf eine klinisch relevante Nahrungsmittelallergie gibt. Dieser wird dann medizinisch  allergologisch abgeklärt, damit alle Klarheit haben. Dann wird die Kost des Kindes Schritt für Schritt wieder aufgebaut, bis das Kind wieder eine ausgewogene Ernährung genießen kann und sich gleichzeitig die Ängste der Mutter reduziert haben. Ist dies nicht mit psychologisch-pädagogischer Beratung möglich, muss  man eventuell einen Psychotherapeuten zu Rate ziehen.

Frau Mannhardt, herzlichen Dank für dieses Interview!

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