Nasenpolypen Biologika

Prof. Martin Wagenmann über Biologika – wie helfen sie bei Nasenpolypen?

Nasenpolypen – wie helfen die neuen Biologika?

Kortison und Operationen, das waren lange Zeit die einzigen Möglichkeiten, Nasenpolypen - medizinisch Polyposis nasi – zu behandeln. In den letzten Jahren haben sich jedoch durch die neuen Biologika auch für Patienten mit Nasenpolypen neue therapeutische Optionen ergeben. „Für die Patienten ist dies ein Paradigmenwechsel“ stellte Prof. Martin Wagenmann, Universitätsklinikum Düsseldorf, bei den Düsseldorfer Allergie- und Immunologietagen 2020, fest.

Nasenpolypen: Oft kommen sie nicht allein!

Nasenpolypen stellen für die Patienten insbesondere auch deshalb eine starke Beeinträchtigung dar, weil sie häufig mit Begleiterkrankungen einhergehen, insbesondere Asthma. Zudem ist es bei Nasenpolypen-Patienten häufig nötig, zum Skalpell zu greifen und das oft mehrfach. Wie eine Untersuchung mehrere Studien zu Nasenpolypen zeigte, werden bei durchschnittlich 19 Prozent der an Nasenpolypen operierten Patienten erneut Operationen nötig, weil die Nasenpolypen zurückgekommen sind und erneut zu Symptomen führen. „Dabei kommt es bei manchen Patienten sogar zu schweren Komplikationen“, erläuterte Prof. Wagenmann.

Anzeige

 

Nasenpolypen – wo setzen die neuen Biologika an?

Die Forschung an den Mechanismen, die den Nasenpolypen zugrunde liegen, hat gezeigt: Zytokine, das sind entzündungsfördernde Stoffe, sind in den Nasenpolypen deutlich erhöht. „Bei 80 Prozent der Patienten mit Nasenpolypen findet man die typischen Entzündungen“ so Prof. Wagenmann. Die neuen Biologika, die an diesen Entzündungsmechanismen ansetzen, wurden deshalb in den letzten Jahren auch auf ihre Wirksamkeit bei der Therapie von Nasenpolypen untersucht. Zwei der untersuchten Substanzen sind bereits zur Behandlung von Nasenpolypen zugelassen, an zwei weiteren wird noch geforscht.

Biologika bei Nasenpolypen – was können sie erreichen?

Zu beachten ist allerdings, dass es sich bei Nasenpolypen um eine chronische Erkrankung handelt. „Nasenpolypen können wir behandeln“, betonte Prof. Wagenmann, „heilen können wir sie nicht“. Auch können Biologika bei Patienten mit Nasenpolypen nicht sämtliche anderen Medikamente ersetzen. „Die Nasenpolypen müssen auch unter Biologika dauerhaft mit kortisonhaltigen Nasensprays therapiert werden“ betonte Prof. Wagenmann, „durch die Biologika-Therapie lassen sich jedoch sowohl die Kortison-Dosis reduzieren als auch weitere operative Eingriffe vermeiden“.

Biologika bei Nasenpolypen – für wen sind sie geeignet?

Voraussetzung für die Verordnung der neuen Biologika ist eine beidseitige schwere chronische Rhinosinusitis, die mit Kortisontabletten oder einer Operation vorbehandelt wurde, ohne dass eine Symptomverbesserung erzielt werden konnte. Zuvor sollte jedoch sichergestellt werden, dass die Therapie mit den Medikamenten konsequent durchgeführt wurde.

Biologika und COVID-19

Die Frage, welche Risiken mit Biologika in Anbetracht einer möglichen COVID-19-Erkrankung verbunden sein könnten, hat Patienten wie Ärzte in den letzten Monaten sehr beschäftigt. Inzwischen gibt es hierzu Empfehlungen, sowohl von nationalen und internationalen Fachgesellschaften als auch von Seiten der WHO. Nach bisherigen Erkenntnissen besteht durch eine Biologika-Therapie keine zusätzliche Gefährdung der Patienten. „Begonnene Therapien sollten deshalb weitergeführt werden“, erläuterte Prof. Wagenmann, „man geht sogar davon aus, dass die Patienten mit Nasenpolypen durch eine effektive Kontrolle der Erkrankung besser geschützt sind“.