Coronavirus chronische Rhinosinusitis Nasenpolypen

Prof. Ludger Klimek zum Thema: Coronavirus & chronische Rhinosinusitis ohne/mit Nasenpolypen!

Coronavirus & chronische Rhinosinusitis ohne/mit Nasenpolypen

Das Risiko besteht also nicht in kortisonhaltigen Nasensprays sondern in systemischen Kortison-Präparaten?

Systemische Kortison-Präparate sollten während der COVID-19-Pandemie tatsächlich nur mit äußerster Vorsicht zur Therapie eingesetzt werden. Das heißt, nur bei Patienten mit sehr schweren Symptomen, für die es keine therapeutischen Alternativen gibt.

Wie sehen angesichts von COVID-19 Ihre Empfehlungen für Patienten mit schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen aus, die mit Biologika therapiert werden?

Zu Biologika im Zusammenhang mit Virusinfektionen gib es nur wenige Daten. Der Einsatz von Biologika bei Patienten mit schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen sollte deswegen immer individuell, unter Abwägung von Nutzen und Risiko und entsprechend der Fachinformationen erfolgen. Beachtet werden sollten das Alter des Patienten (> oder <60 Jahre alt) und mögliche andere Erkrankungen. Dazu gehören unter anderem schwere chronische Erkrankungen des Herzen, Diabetes, schwerer Bluthochdruck, Erkrankungen der Leber und Nieren, respiratorische Erkrankungen, onkologische Erkrankungen oder der Risikofaktor “Rauchen”.

Das EAACI-Positionspapier gibt hierzu weitere Empfehlungen.

 

Welche Empfehlungen gibt das EAACI-Positionspapier für Patienten mit chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen im Hinblick auf Biologika und COVID-19?

In unserem EAACI-Positionspapier geben wir für Patienten mit chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen die folgenden Empfehlungen:

  1. Für Patienten, die Biologika einnehmen, nicht SARS-CoV-2-positiv getestet wurden und auch keine Anzeichen bzw. Symptome von COVID-19 zeigen, gibt es keine Hinweise darauf, dass die Biologika-Therapie unterbrochen werden sollte.
  2. Für an COVID-19 erkrankte Patienten lautet die Empfehlung, die Biologika-Therapie zu unterbrechen oder zu verschieben bis die Infektion überwunden ist.
  3. Bei Patienten, deren Biologika-Therapie jetzt eigentlich gestartet werden sollte, gilt es, Nutzen und Risiken individuell gegeneinander abzuwägen, bevor die Biologika-Therapie gestartet wird.
  4. Bei Patienten, die zur gerade erwähnten Risikogruppe für schwerere COVID-19-Verläufe gehören, empfehlen wir eine Verschiebung der Therapie.

Was können Patienten mit einer chronischen Rhinosinusitis bzw. mit einer chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen tun, um eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu vermeiden?

Virale Atemwegsinfektionen wie COVID-19 werden zumeist beim direkten Kontakt mit symptomatischen Infizierten über Tröpfchen durch Husten oder Niesen übertragen. Die Übertragung über das Hände geben oder das Berühren von Oberflächen, die ein Infizierter angefasst hat, sind seltene Übertragungsmöglichkeiten. Dies gilt auch für Situationen, in denen man hinter einem Infizierten herläuft und eventuelle Ausatempartikel einatmet.

Grundsätzlich gelten für Patienten mit chronischer Rhinosinusitis bzw. mit einer chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen also die folgenden Empfehlungen:

  • Die Hände mit Wasser und Seife waschen
  • Menschen mit offensichtlichen Erkältungssymptomen meiden
  • Die Medikamente verordnungsgemäß einnehmen, die zur Kontrolle der Symptome an den oberen Atemwegen verordnet wurden
  • Social Distancing einhalten, das heißt einen Abstand von 1.5 bis 2 Metern
  • Soziale Kontakte reduzieren

Und eine abschließende Empfehlung: Da die Therapie bei gut eingestellten Patienten auch angesichts der COVID-19-Pandemie weitergeführt werden sollte, sollte sichergestellt werden, dass die Patienten über einen Medikamentenvorrat verfügen, der auch für eine 14-tägige Quarantänezeit ausreicht.

Herr Prof. Klimek, herzlichen Dank für dieses Interview!