Nasenpolypen Vorkommen Begleiterkrankungen Diagnose Therapie

Prof. Ludger Klimek zum Thema: Nasenpolypen - Vorkommen, Begleiterkrankungen, Diagnose, Therapie!

Nasenpolypen: Vorkommen, Begleiterkrankungen, Diagnose, Therapie

In Deutschland leiden relativ viele Menschen an Nasenpolypen, einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen. Für die Patienten kann dies mit massiven Beschwerden verbunden sein, und die Behandlung ist nicht immer erfolgreich. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden und Präsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (AeDA) über das Vorkommen von Nasenpolypen, Komorbiditäten sowie Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Herr Prof. Klimek, wie häufig kommen Nasenpolypen vor?

Nasenpolypen sind eine Erkrankung, die durch eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen ausgelöst wird. Solche chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen sind relativ weit verbreitet. Wir gehen davon aus, dass in Deutschland 15 bis 17 Prozent, also ungefähr jeder Sechste, von chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen betroffen sind.

Circa ein Drittel der Betroffenen entwickelt im Laufe der Erkrankung, eine, wie wir sagen, hyperplastische Form, d. h. Nasenpolypen. Das ist also tatsächlich kein seltenes Krankheitsbild. Allerdings werden Nasenpolypen häufig übersehen, denn die Patienten haben oft Symptome oder Beschwerden, die man auch von anderen Erkrankungen kennt. Dazu gehören der Verlust des Riechvermögens und anhaltende Kopfschmerzen. Die Patienten bekommen durch die Nase schlecht Luft, die Nase ist vielleicht verschleimt.

 

Wer ist der typische Risikopatient und mit welchen Komorbiditäten, also Begleiterkrankungen, gehen Nasenpolypen einher?

Unter den Komorbiditäten ist in allererster Linie das Asthma bronchiale zu nennen. Die Verbindung zwischen den oberen und unteren Atemwegen, also von Nase, Nasennebenhöhlen und Lunge zeigt sich hier ganz eindeutig. Bis zu 70 Prozent der Patienten mit Nasenpolypen leiden auch unter Asthma bronchiale, in manchen Studien waren es sogar bis zu 90 Prozent. Aber auch andere chronische Entzündungen, vor allem wenn sie mit einem sog. T2-Inflammationstyp einhergehen, sind mit der chronischen RhinoSinusitis assoziiert. Interessanterweise kommt eine allergische Rhinitis bei Patienten mit Nasenpolypen jedoch nicht wesentlich häufiger vor als in der Gesamtbevölkerung.

An welchen Symptomen erkennt man, dass man Nasenpolypen hat?

Typische Symptome für Nasenpolypen sind Druck auf den Nasennebenhöhlen, Dauerschnupfen, eine verstopfte Nase, und als wohl wichtigstes klassisches Symptom der Verlust der Riechfähigkeit. Daneben gibt es eine ganze Reihe unspezifischer Beschwerden, wie häufige Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit, Verschleimung u.a.m., die auf Nasenpolypen hindeuten, aber eben auch bei anderen Erkrankungen vorkommen können. Deswegen kann man sagen, dass die Beschwerden insgesamt relativ unspezifisch sind. Wenn man solche Beschwerden hat oder wenn beispielsweise der Schnupfen über mehrere Wochen nach einer Erkältung nicht weggeht, dann sollte man sich auf jeden Fall auf Nasenpolypen hin untersuchen lassen.

Wie werden Nasenpolypen diagnostiziert?

Nasenpolypen werden in erster Linie durch eine Nasenendoskopie diagnostiziert, das heißt der HNO-Arzt wird mit einem Endoskop die Nase oder auch den mittleren Nasengang untersuchen und dort nach Polypen suchen. In vielen Fällen ist dann noch eine bildgebende Diagnostik notwendig, zum Beispiel eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanztomografie (MR) oder auch eine DVT, eine digitale Volumentomographie. Das sind die modernen bildgebenden Verfahren, die bei der Suche nach Nasenpolypen oder auch der Erfassung des Ausdehnungsgrades der Nasenpolypen eine wichtige Rolle spielen.

Welche Therapieoptionen für Nasenpolypen gibt es?

Als Therapieoption bei Nasenpolypen denken die meisten Kolleginnen und Kollegen, aber eben auch vielen Patienten, in erster Linie an die operative Entfernung der Polypen. Das ist auch sicherlich heute noch richtig und wichtig. Es gibt viele Formen von Nasenpolypen, die entfernt und operativ saniert werden müssen. Dabei ist aber ganz entscheidend, dass hiermit oft nicht die Ursache der chronischen Entzündung beseitigt wird. Deshalb ist es wichtig, danach zu forschen, wo die Polypen herkommen und die Art der Entzündung zu erkennen, um diese dann auch zu behandeln. Wir bezeichnen das heute als Endotyp-Klassifizierung. Wenn wir den Endotyp kennen, können wir die Entzündung, die zur Polypenbildung geführt hat, spezifisch behandeln. Das kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen. In den letzten Jahren sind vor allen Dingen die Behandlungen mit Biologika in den Fokus gerückt. Es gibt verschiedene Biologika, die derzeit zur Behandlung von Nasenpolypen erforscht werden. Die Ergebnisse sind überwältigend und äußerst vielversprechend. Es gibt aber auch andere Behandlungsnotwendigkeiten, wie antientzündliche Therapien.

Ein weiteres Beispiel ist die Therapie einer begleitenden ASS-Intoleranz, eines sogenannten Morbus Samter. All dies muss untersucht, diagnostiziert und dann letztlich auch behandelt werden, damit dem Patienten auf Dauer geholfen werden kann.

Herr Prof. Klimek, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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