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Orthorexie Essstörung Orthorexia nervosa

Dr. Astrid Menne, Ernährungswissenschaftlerin - Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin, Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Pommelsbrunn/Hohenstadt

Orthorexia nervosa: Wenn gesunde Ernährung zur Obsession wird!

Für manche Menschen spielt es keine Rolle, ob sie sich gesund ernähren oder nicht: Hauptsache, es schmeckt. Andere achten nur hin und wieder oder bei bestimmten Nahrungsmitteln auf gesunde Ernährung. Bei einer kleinen Gruppe von Verbrauchern steht eine gesunde Ernährung jedoch so stark im Fokus, dass das Thema zur Obsession wird, ein mittlerweile anerkanntes Krankheitsbild, das sich Orthorexia nervosa nennt. Wann ist es „gesund“ sich mit der Lebensmittelqualität zu beschäftigen und wann wird es krankhaft? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Astrid Menne, Ernährungswissenschaftlerin - Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin, Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Pommelsbrunn/Hohenstadt über die Frage, wo eine sinnvolle Beschäftigung mit gesunder Ernährung aufhört und eine Orthorexia nervosa beginnt.

Frau Dr. Menne, wie verhalten sich Menschen mit Orthorexia nervosa?

Bei Orthorexia nervosa sind die Menschen in Gedanken stets mit einer möglichst gesunden Ernährung beschäftigt. Das geht so weit, dass sie die Nahrungsaufnahme nicht mehr spontan gestalten können. Die Betroffenen schränken sich oft sehr stark ein und essen nur noch „kopfgesteuert“ die Nahrungsmittel, die sie als „gesund“ definiert haben. Diese Ernährung kann sehr einseitig werden und in der Folge kann es dadurch zu Heißhungerattacken auf „verbotene“ Nahrungsmittel oder einem gestörten Sättigungsgefühl führen. Bei manchen Patienten führt dies dazu, dass zu wenige Kalorien aufgenommen werden und die Patienten werden untergewichtig. Andere nehmen zu viele Kalorien auf und bekommen Übergewicht.

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Menschen mit Orthorexia nervosa haben also sowohl Untergewicht als auch Übergewicht?

Untergewicht ist bei Menschen mit Orthorexia nervosa sicher häufiger als Übergewicht, weil sich diese Menschen eben sehr viele Nahrungsmittel „versagen“. Es gibt unter den von Orthorexia nervosa betroffenen aber auch Menschen mit Normal oder – Übergewicht.

Was ist der Unterschied zwischen Orthorexia nervosa und Magersucht?

Bei der Magersucht ist die Hauptmotivation der Betroffenen die Veränderung des Körperbildes durch Gewichtsreduktion. Bei der Orthorexia nervosa hingegen streben die Betroffenen eine möglichst gesunde Ernährung an. Sie versuchen, nichts zu verzehren, was in irgendeiner Form schädlich sein könnte.   


Wann ist man noch gesundheitsbewusst und ab wann hat man eine Orthorexia nervosa entwickelt?

Es ist sehr schwierig, das Krankheitsbild Orthorexia nervosa einzugrenzen. Jeder macht sich hin und wieder Gedanken über das Essen. Viele essen vielleicht das eine oder andere Nahrungsmittel nicht, obwohl es ihnen schmecken würde,  weil sie befürchten, es sei ungesund. Krankhaft sind solche Verhaltensweisen sicher nicht. Wenn jedoch das gesamte Denken und Handeln eines Menschen vom Streben nach gesunder Nahrung dominiert wird, sollte man das hinterfragen.

Natürlich hat auch die Persönlichkeitsstruktur einen Einfluss. Manche Menschen sind sehr ordentlich, andere nicht. Ebenso individuell sind die Reaktionen der Menschen, z.B. auf eine Diagnose wie Laktoseintoleranz. Es gibt Patienten, die reagieren relativ gelassen und sagen: „Kein Problem, dann kaufe ich eben laktosefreie Milchprodukte!“  Andere wiederum essen nur noch nach Plan und benötigen plötzlich doppelt so lange für den Supermarkteinkauf, weil sie alle Zutatenlisten akribisch durchlesen. Manche Patienten gehen aus Angst vor Laktose nicht mehr essen und machen sich dennoch Sorgen, obwohl ja die Laktoseintoleranz keine schwere Erkrankung ist. Das Verhalten bei Patienten mit Orthorexia nervosa ähnelt dann dem von Menschen, die bestimmte Ernährungsformen extrem streng befolgen.

Wann und wie behandelt man Orthorexia nervosa?

Orthorexia nervosa wird meist erst dann behandelt, wenn der Betroffene selbst Hilfe sucht und eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen wird. Auch wenn aus der Orthorexia nervosa  Krankheitsbilder wie z.B. Magersucht oder Magen-Darm-Beschwerden entstehen, kann die Orthorexia nervosa als eigentliche Krankheitsursache erkannt werden. Bei Orthorexia nervosa ist die Dunkelziffer aber sicherlich hoch - in vielen Fällen wird sie nicht erkannt.

Frau Dr. Menne, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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