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Nahrungsmittelallergien Nahrungsmittelintoleranzen Säugling

Dr. Astrid Menne, Ernährungswissenschaftlerin - Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin, Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Pommelsbrunn/Hohenstadt

Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen beim Säugling!

Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen treten bereits bei Säuglingen zunehmend auf. Meist sind es Magen-Darm-Symptome, die bei den Eltern den Verdacht auf eine Allergie oder Unverträglichkeit aufkommen lassen, aber auch an anderen Organsystemen kann es zu Symptomen kommen. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Astrid Menne, Ernährungswissenschaftlerin - Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin, Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Pommelsbrunn/Hohenstadt über Nahrungsmittelallergien und –intoleranzen im ersten Lebensjahr, welche Symptome möglich sind und wie Diagnose und Therapie aussehen können.

Frau Dr. Menne, wie macht sich beim Säugling eine Nahrungsmittelallergie bemerkbar?

Die Beschwerden bei einer Nahrungsmittelallergie können variieren. Meist treten beim Säugling Hautsymptome in Form von Ekzemen auf. Diese Ekzeme finden sich bevorzugt an der Kopfhaut oder im Gesicht, am Hals, an den Arm- oder Beinbeugen  oder auch im Windelbereich - letztendlich kann jedoch jedes Hautareal betroffen sein. Die Ekzeme sind häufig mit quälendem Juckreiz verbunden und bei ausgeprägtem Juckreiz kommt es durchaus auch zum blutigen Aufkratzen der Haut.

Bei ausgeprägten Nahrungsmittelallergien können aber auch Schwellungen im Gesicht, um die Augen, an den Lippen, im Hals und im Rachen auftreten. Weiter kann es zu Nesselsucht, asthmatischen Beschwerden mit Atemnot, Enge in Hals und Rachen oder Fließschnupfen kommen. Auch Kreislaufreaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock sind möglich.

Beschwerden, die man oft nicht ursächlich mit einer Nahrungsmittelallergie in Zusammenhang bringt, sind chronische Magen-Darm-Beschwerden, wie z.B. weiche bis wässrige Durchfälle, Blähungen, auch isolierte Koliken, Schreiattacken, die über das normale Maß, z.B. der 3-Monats-Koliken, hinaus gehen. Mögliche Symptome einer Nahrungsmittelallergie können jedoch auch chronische Verstopfungen oder sogar blutige Stuhlgänge sein. Möglich sind auch Schluckstörungen, die sich auch in Nahrungsverweigerung äußern können.

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Wo sind die Symptome häufiger, an der Haut, im Magen-Darm-Bereich oder im respiratorischen Bereich?

Bei den Nahrungsmittelallergien stehen die Hautbeschwerden deutlich im Vordergrund, an zweiter Stelle kommen die Magen-Darm-Beschwerden und respiratorische Beschwerden sind eher selten und kommen dann auch meist in Kombination mit den Haut- oder Magen-Darm-Beschwerden vor.

Treten diese Beschwerden nur bei Allergien auf oder sind sie auch möglich, wenn der Säugling unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeiten leidet?

Hinsichtlich der Symptomatik von Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten bei Säuglingen gibt es teilweise Überschneidungen. Allein anhand der Symptome lässt sich in der Regel keine Diagnose stellen.


Kann ein Säugling denn die gleichen Nahrungsmittelallergien oder Intoleranzen entwickeln wie Erwachsene?

Das ist durchaus möglich. Zum einen kann es zu den echten allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel kommen, wobei das Allergenspektrum bei Säuglingen und Kleinkindern ein anderes ist, als bei Erwachsenen. Bei Säuglingen dominieren z.B. die Kuhmilch Allergie, die Allergie auf Hühnerei oder die primäre Erdnuss- oder Baumnussallergie. Erwachsene entwickeln häufiger pollenassoziierte Kreuzallergien auf Nahrungsmittel.  

Bei den Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann es bei Säuglingen z.B. auch zu einer Zöliakie oder, in der Folge, zu einer sekundären Laktoseintoleranz kommen. Normalerweise wird das Enzym Laktase im ersten Lebensjahr in ausreichenden Mengen produziert. Aber auch eine Fruktose- und Sorbitmalabsorption sind denkbar.

Eine Besonderheit ist die „Nicht-Zöliakie-nicht Weizenallergie-Weizensensitivität“, ein Krankheitsbild, das ich auch bei Säuglingen nicht ausschließen würde und dass in die neue Zöliakie-Leitlinie aufgenommen wurde. Dabei handelt es sich weder um eine Zöliakie, noch um eine Weizenallergie, man beobachtet aber Unverträglichkeitssymptome auf Weizen und spricht deshalb von einer „Nicht-Zöliakie-nicht Weizenallergie-Weizensensitivität“. Zu meiden ist hier dann nicht das Gluten allgemein, sondern nur der Weizen, bzw. dessen Inhaltsstoffe wie die ATIs und die FODMAPs.

Tritt eine Histaminintoleranz auf, ist diese fast immer die Folge einer anderen Störung, wie z.B. eine Zöliakie, eine Nahrungsmittelallergie oder eine inhalative Allergie, die eine Überempfindlichkeit gegenüber Histamin zur Folge hat. Eine primäre enterale Histaminose würde ich bei einem Säugling unwahrscheinlich halten.    

Dann gibt es noch die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, infolgedessen es auch zu einer sekundären Laktoseintoleranz kommen kann und nach Antibiotikatherapien oder extrem einseitigen Kostformen kann es zu bakteriellen Fehlbesiedlungen kommen.

Zurück zu den Allergien: Ist die Allergie auf Ei und Nuss auch schon bei Säuglingen möglich?

Ja, durchaus, die Allergie auf Hühnerei ist bei Säuglingen gar nicht so selten und auch die Nussallergie kommt durchaus auch schon beim Säugling vor. Manchmal ist dies eine Zufallsdiagnose bei der Bestimmung des spezifischen IgE im Blut und es kann vorkommen, dass man eine Sensibilisierung auf z.B. Milch und zusätzlich noch auf z.B. Haselnuss oder Erdnuss findet.

Wann sollten Eltern "aktiv" werden und ärztlichen Rat suchen?

Länger anhaltende Magen-Darm-Beschwerden, deutliche Hautveränderungen oder chronische asthmatische Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden.


Was kann passieren, wenn die Erkrankungen zu lange unbehandelt bleiben?

Viele Nahrungsmittelunverträglichkeiten bleiben unbehandelt harmlos – ein schwerer Schaden kann nicht entstehen. Besteht z.B. eine Blähungssymptomatik beim Verzehr von Fructose, d.h. eine nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeit, kann ein Säugling schwere Blähungen oder Koliken entwickeln und es kann daraufhin zu Schlafstörungen kommen. Möglich ist sekundär, dass das Kind irgendwann die Nahrung verweigert, und dies kann dann problematisch werden.

Bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie z.B. die Zöliakie oder auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) können zu Resorptionsstörungen von Nährstoffen führen und in der Folge zu Nährstoffmangel, Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen.

Als Folge von Nahrungsmittelallergien kann es auch zu einer eosinophilen Ösophagitis, d.h. einer Entzündung der Speiseröhre, oder einer eosinophilen Gastroenteritis, d.h. einer Magen-Darm-Entzündung, kommen. Insbesondere dann, wenn die Erkrankungen auf eine antientzündliche Kortisontherapie nicht ansprechen, könnte eine Nahrungsmittelallergie die Ursache sein. Eine Meidung des auslösenden Allergens bringt dann auch eine Besserung der Symptome.

Eine nicht erkannte Nahrungsmittelallergie kann potenziell auch lebensbedrohlich sein, was glücklicherweise nicht sehr häufig vorkommt.

Wenn die Eltern zum Arzt gehen, welche Untersuchungen werden zur Diagnose von Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Säuglingen vorgenommen?  

Bestehen allergieähnliche Symptome, und damit sind nicht isolierte gastrointestinale Beschwerden gemeint, wäre eine Allergietestung im Blut sinnvoll. Dabei werden die IgE-Antikörper im Blut bestimmt, und ein solcher Test ist in jedem Lebensalter möglich. Dabei ist es durch die Bestimmung des Gesamt IgE möglich, eine gewisse Allergiedisposition festzustellen. Außerdem ist das Gesamt IgE in Relation zum spezifischen IgE ein wichtiger Parameter zur Beurteilung einzelner Nahrungsmittelallergene bzw. weiterer Allergene  im Rahmen eines inhalativen Screenings.

Möglich sind auch Allergietestungen auf der Haut, sogenannte Prick-Tests oder auch Prick-to-prick-Testungen mit echten nativen Lebensmitteln.

Darüber hinaus kann, gerade bei gastrointestinalen Beschwerden, eine Zöliakieserologie nach Einführung der Beikost mit glutenhaltigen Getreiden eine sinnvolle Untersuchung sein. Hier werden Antikörper bestimmt um zu prüfen, ob eine Autoimmunreaktion gegen Gluten besteht. Letztendlich kann es in bestimmten Fällen auch sinnvoll sein, eine Magen-Darm-Spiegelung durchzuführen. Diese würde aber erst für ein etwas älteres Kleinkind in Frage kommen und nur auf Kinder spezialisierte Gastroenterologen können dies durchführen.

Eine weitere Option sind, zumindest bei der Zöliakie und der Laktoseintoleranz, genetische Tests und auch die diagnostische Diät unter fachlicher Anleitung ist in vielen Fällen ein sehr wichtiges diagnostisches Kriterium.

Bei der Laktoseintoleranz muss man allerdings beachten, dass ausschließlich die primäre Laktoseintoleranz, d.h. die genetisch determinierte Laktoseintoleranz durch einen genetischen Test diagnostizierbar ist. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) oder Zöliakie können Patienten aber auch eine sekundäre Laktoseintoleranz entwickeln. Das bedeutet, bei diesen ist das Enzym Laktase vorhanden, aber aufgrund der Störungen im Magen-Darm-Trakt kann das Enzym nicht wirken.


In welchem Alter ist es möglich, H2-Atemtests durchzuführen?

H2-Atemtests sind bei Kleinkindern möglich, bei Säuglingen sollte die Diagnose über eine diagnostische Diät erfolgen.

Wie würde diese diagnostische Diät aussehen?

Der erste Schritt wäre eine Eliminationsdiät, d.h. man nimmt die möglichen Auslöser bzw. jene Lebensmittel, die erfahrungsgemäß Beschwerden auslösen können, aus dem Speiseplan heraus. Tritt dann eine Besserung ein, wird der Speiseplan wieder sukzessive erweitert. Ich muss jedoch davor warnen, solche Experimente ohne fachliche Anleitung in Eigenregie durchzuführen. Oft werden in diesen Diätphasen Fehler gemacht, die dann zu einer falschen Diagnose führen. Außerdem bergen Eliminationsdiäten beim Säugling innerhalb von kurzer Zeit bereits das Risiko einer Mangelernährung. Schlimmstenfalls können Provokationen dann auch zu schweren allergischen Reaktionen führen.    

Nochmals zurück zu den Bluttests, wo entnimmt man bei Säuglingen das Blut?

Beim Säugling entnimmt man das Blut in der Regel entweder am Handrücken oder am Kopf. Für das Kind ist das meist deutlich weniger unangenehm als für die Eltern. Die Eltern müssen sich also keine Sorgen machen.     

Wie eindeutig sind die Bluttests zur Diagnose von Nahrungsmittelallergien bei Säuglingen?

Die Allergie-Serologie mit Bestimmung des sezifischen IgE's für Nahrungsmittel ist sehr hilfreich, gibt aber keine hundertprozentige Sicherheit. Z.B. ist es möglich, dass ein Säugling eine Kuhmilch Allergie hat, die weder in der Allergie-Serologie mit Bestimmung des spezifischen IgE´s für Milch noch durch eine Hauttestung mit Milch auffällig wird. Umgekehrt ist es möglich, dass man im Blut erhöhtes spezifisches IgE für einzelne Nahrungsmittel findet – man spricht dann von einer Sensibilisierung – die aber ohne klinische Relevanz bleiben. Die Interpretation der Befunde eines Allergietestes sollte deshalb durch erfahrene Therapeuten erfolgen. Auch hier würde man versuchen, die Diagnose mit Hilfe einer diagnostischen Diät einzugrenzen.


Angenommen die Diagnose ist gestellt, was kommt danach?

Je nachdem, ob beim Säugling eine Nahrungsmittelallergie oder eine Intoleranz vorliegt, sieht die Therapie sehr unterschiedlich aus.

Liegt eine gesicherte Nahrungsmittelallergie mit deutlichen Sypmtomen vor, würde ich für die kommenden Monate eine strenge Karenz aussprechen. In Einzelfällen, bei sehr schweren Nahrungsmittelallergien, müssen sogar Kontaminationen strengstens vermieden werden. Konkret heißt das, wenn der Säugling bei einer Hühnerei Allergie eine leichte Hautsymptomatik entwickelt, kann man damit sicher lockerere umgehen, als wenn man damit rechnen muss, dass das Kind eine lebensbedrohliche Kreislaufreaktion zeigt.

Und wie gehen die Eltern am besten damit um, wenn das Kind eine Nahrungsmittelunverträglichkeit hat?

Wenn es sich um eine Zöliakie handelt ist eine strenge Glutenkarenz zu empfehlen, gerade bei Säuglingen und Kleinkindern. Zusätzliche ist zu prüfen, ob auch die Laktose ein Problem darstellt. Besteht eine sekundäre Laktoseintoleranz wäre die Laktose zwar ebenfalls zu meiden, allerdings nicht so streng, wie dies beim Gluten der Fall ist. Gleichzeitig müsste man bei der Diät möglicherweise noch auf andere Kohlenhydrate Rücksicht nehmen, die ebenfalls zu einer Blähungssymptomatik führen könnten. Z.B. könnten dann Obst, Gemüse und Ballaststoffe vorübergehend problematisch sein – die Diätempfehlungen können individuell sehr stark variieren.  

Wie sieht die jeweilige Therapie aus? Von wem bekommen Eltern Hilfe?

Im Idealfall stellt der Arzt die genaue Diagnose und arbeitet bei der Therapie dann mit einem Ernährungstherapeuten zusammen. Der Ernährungstherapeut würde dann die therapeutische Diät einleiten, bzw. im Vorfeld der Diagnose die diagnostische Diät.

Die Eltern bekommen dann Ernährungspläne an die Hand, die einerseits die Unverträglichkeiten berücksichtigen und die andererseits auch die Nährstoffversorgung gewährleisten. Diese Ernährungspläne werden auch regelmäßig überarbeitet und angepasst.

Frau Dr. Menne, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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