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Nahrungsmittelallergie Rolle Darm

Nahrungsmittelallergie: Welche Rolle spielt ein gesunder Darm?

Nahrungsmittelallergie: Welche Rolle spielt ein gesunder Darm?

Nahrungsmittelallergien sind in vielen Ländern deutlich häufiger geworden. Dass dabei auch der Darm eine Rolle spielen könnte – genauer gesagt die Darmbakterien, das sogenannte Mikrobiom – wird erst seit einigen Jahren zunehmend erforscht. Experten hoffen, dass durch eine gezielte Veränderung des Mikrobioms die Therapie von Nahrungsmittelallergien in Zukunft verbessert werden kann. Grundsätzlich gilt bei solchen Allergien natürlich, das auslösende Nahrungsmittel zu meiden. Allerdings werden seit vielen Jahren auch für Nahrungsmittelallergien sogenannte Immuntherapien erforscht: Eine orale (über den Mund einzunehmende) Immuntherapie gegen Erdnuss ist seit Kurzem zugelassen; eine andere per Pflaster über die Haut applizierte  (epikutane Immuntherapie) ist gut untersucht, aber noch nicht auf dem Markt. Ziel ist es bei beiden, durch vorsichtige Gabe kleiner Mengen des auslösenden Lebensmittels, also zum Beispiel Erdnuss, das Immunsystem des Betroffenen langsam daran zu gewöhnen und dadurch allergische Reaktionen zu verhindern. Trotz mancher Erfolge wirkt diese Therapie aber nicht bei allen, zudem muss sie meist sehr lange fortgeführt werden und geht nicht selten mit unangenehmen Nebenwirkungen einher. Die Hoffnung der Forscher ist, dass sich mithilfe einer Veränderung des Mikrobioms die Wirkung der Immuntherapie steigern und die Nebenwirkungen abmildern lassen.

Nahrungsmittelallergie: Welche Rolle spielt das Mikrobiom?

Um das Darm-Mikrobiom bei Allergikern zunächst genauer zu untersuchen, eignen sich Studien mit Zwillingen, von denen jeweils einer an einer Nahrungsmittelallergie leidet, der andere jedoch gesund ist. Verschiedene Darmbakterienstämme treten bei solchen Zwillingen deutlich unterschiedlich auf, wie eine aktuelle Studie zeigt. Eine „gesunde“ Mischung möglichst zahlreicher Darmbakterien, also ein sehr diverses Mikrobiom, schützt ganz entscheidend vor ganz verschiedenen Krankheiten, wie durch zahlreiche Studien immer deutlicher wird. Allerdings nimmt das Mikrobiom infolge unserer westlichen Lebensweise Schaden: zu wenig Ballaststoffe und zu viel Fette in der Ernährung, zu häufige Einnahme von Antibiotika, seltenere Infektionen als früher, Geburt per Sectio und Formulanahrung lassen die Anzahl der günstigen Bakterienstämme im Darm schrumpfen.

Das Darm-Mikrobiom entwickelt sich mit der Geburt, denn im Mutterleib sind keine Bakterien vorhanden. Insofern sind Säuglingsalter und Kindheit für ein gesundes Mikrobiom entscheidend. Zugleich reift in dieser Zeit das Immunsystem des Menschen, dessen fehlerhafte Funktion ja zu Allergien führt. Insofern liegt es nahe zu untersuchen, ob sich das Mikrobiom bei genetisch gleichen Personen mit und ohne Nahrungsmittelallergie, die bis zum Erwachsenenalter zusammengewohnt haben, unterscheidet.

Nahrungsmittelallergie: Darmbakterien und ihr Effekt auf Allergien

Wie bereits bekannt ist, weisen Säuglinge mit Nahrungsmittelallergie im Vergleich zu Gesunden eine andere Mischung von Darmbakterien auf; es sind auch insgesamt weniger verschiedene Bakterienstämme vertreten. Dabei ist eine günstige Mischung von Darmbakterien wichtig für eine schützende Schleimhaut des Darms, die für schädliche kleinste Nahrungspartikel nicht durchlässig ist. Dies ist ein wichtiger Schutz vor Allergien. Auch das Immunsystem kann seine komplexen Funktionen besonders gut ausbilden, wenn im Darm der „richtige“ Bakterienmix vorherrscht.

Nahrungsmittelallergie & Mikrobiom: Stuhlproben bringen Licht ins Dunkel

Mit diesem Wissen haben Forscher nun aktuell untersucht, wie sich das Darm-Mikrobiom bei Zwillingen unterscheidet, von denen einige eine Nahrungsmittelallergie haben, andere nicht. Da Zwillinge ja genetisch identisch oder zumindest sehr ähnlich sind, lässt sich hier gut erkennen, welchen Einfluss verschiedene Darmbakterien auf die Entstehung einer Allergie haben. Die Forscher untersuchten die Daten von Zwillingspaaren, von denen bei manchen beide an einer Nahrungsmittelallergie, oft allerdings gegen unterschiedliche Lebensmittel litten, bei anderen Paaren nur ein Teil allergisch war. Insgesamt waren 23 Personen dieser Zwillingspaare allergisch, beispielsweise gegen Erdnuss, Baumnüsse, Milch, Hühnerei oder Soja. Um die Darmbakterien genauer zu bestimmen, wurden von jedem mehrere Stuhlproben der erwachsenen Probanden mit speziellen Methoden untersucht. Dabei konnten die Forscher auch analysieren, welche Stoffwechselprodukte die Bakterien produzierten. Denn auch solche bakteriellen Stoffwechselprodukte haben auf verschiedene Funktionen des Körpers einen Einfluss.

Nahrungsmittelallergiker: Verändertes Darm-Mikrobiom

Grundsätzlich ergab sich: Beim Vergleich des jeweils gesunden Zwillings und dem mit einer Nahrungsmittelallergie zeigten sich deutlich unterschiedliche Darmbakterienstämme sowie verschiedene Stoffwechselprozesse im Stuhl, also im Darm.

Es ergab sich bei den Allergikern sozusagen ein spezieller bakterieller „Fingerabdruck“ im Vergleich zu den Gesunden: Bestimmte Bakterienstämme kamen deutlich häufiger bei den Allergikern vor, andere waren eher bei den Gesunden anzutreffen. Die „gesunden“ Bakterienstämme umfassten zu 84% sogenannte Clostridien-Spezies; Clostridien haben also einen schützenden Effekt in Bezug auf Allergien.

Zudem kamen zwei bestimmte, bisher in diesem Zusammenhang weniger bekannte Spezies insbesondere bei Gesunden vor: Phascolarctobacterium faecium und Ruminococcus bromii. Möglicherweise könnten diese Bakterien für zukünftige Therapien genutzt werden.

Auch bei den Stoffwechselprodukten wurden die Forscher fündig: Eine Substanz namens Diacylglycerol kam im Stuhl der allergischen Zwillinge deutlich häufiger vor. Möglicherweise könnte diese Substanz zukünftig als Marker dienen, um Allergien zu erkennen oder auch den Erfolg einer Therapie zu überprüfen.

Auch wenn natürlich alles noch Zukunftsmusik ist: Möglicherweise lassen sich Therapien entwickeln, mit denen Darmbakterien gezielt verändert werden können, um dadurch Patienten mit einer Nahrungsmittelallergie zu helfen.

Unsere Expertin:

dr susanne meinrenken aerztinDr. med. Susanne Meinrenken, Bremen, ist seit mehr als 20 Jahren freiberuflich für verschiedene medizinische Verlage tätig. Während und nach dem Medizinstudium und der Promotion in Göttingen und Freiburg sammelte sie Erfahrungen als Praktikantin und Mitarbeiterin der Deutschen Ärztezeitung und der Süddeutschen Zeitung. Seit 1999 arbeitet sie freiberuflich für den Thieme Verlag, Springer Medizin Verlag, Hogrefe, die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und andere. Hier geht es um das Lektorat von medizinischen Büchern für Fachärzte oder interessierte Laien, die redaktionelle Arbeit für ein Journal sowie das Schreiben von Kurzfassungen von Originalarbeiten für Fachzeitschriften sowie eigener Texte für Laien aus dem Bereich der Medizin. Innere Medizin, Neurologie, Pädiatrie und Allergologie bilden dabei den inhaltlichen Schwerpunkt – aber auch fast alle anderen medizinischen Fachbereiche stehen als Themen immer wieder zur Bearbeitung an.

 

Quelle:

Bao L et al. Fecal microbiome and metabolome differ in healthy and food-allergic twins. J Clin Invest 2021; 131(2): e141935

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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