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Nahrungsmittelallergie Geschlecht

Privatdozentin Isabella Pali-Schöll über geschlechtsspezifische Unterschiede bei Nahrungsmittelallergien © Isabella Pali-Schöll

Nahrungsmittelallergie = geschlechtsspezifisch?

Bei einer Nahrungsmittelallergie macht nicht nur das Alter einen Unterschied – sie ist auch geschlechtsspezifisch. Die Unterschiede sind deutlich und umfassen Symptome und Pathomechanismen gleichermaßen. Und: Sie wirken sich auch auf Diagnose und Therapie aus. MeinAllergiePortal sprach mit Privatdozentin Isabella Pali-Schöll, Leiterin der Ernährungsimmunologie am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität und Medizinischen Universität Wien über die Erkenntnisse aus aktuellen Studien.

Frau Privatdozentin Pali-Schöll, inwiefern ist eine Nahrungsmittelallergie geschlechtsspezifisch?

Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es bei Nahrungsmittelallergien bereits bei der Anzahl der Betroffenen. Je nach Alter variieren diese Unterschiede allerdings:

Vor der Pubertät sind mehr Burschen von Allergien allgemein und von Nahrungsmittelallergien im Besonderen betroffen - Mädchen:Jungen etwa im Verhältnis 1:1,8. Dies gilt auch für schwere anaphylaktische Reaktionen, ausgelöst von Nahrungsmitteln.

Ab der Pubertät, das heißt im Alter von rund 15 bis 18 Jahren, kehrt sich das Verhältnis um. Mehr Frauen als Männer, etwa im Verhältnis 1:0,53 leiden an Nahrungsmittelallergien und Intoleranzen.

Ab der Menopause, über 55 Jahre, verschwinden diese Unterschiede wieder.

Aber: Es gibt aber generell noch weitere geschlechtsspezifische Unterschiede bei allergischen Reaktionen.

Welche weiteren geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt es im Hinblick auf Allergien?

Asthma- und Allergiesymptome schwanken zum Beispiel im Laufe des weiblichen Zyklus, und auch abhängig von der Einnahme von Kontrazeptiva (Antibabypille) oder Hormonersatz-Präparaten.

Eine Studie zeigte, dass bei Patienten zwischen 1 bis 79 Jahren 62 Prozent der schweren allergischen Reaktionen bei weiblichen Patientinnen auftraten. Dabei waren Nahrungsmittel als Auslöser führend.

Außerdem zeigte sich, dass bei Frauen eher gastrointestinale Symptome, Hautreaktionen und Migräne auftreten.

Auch Anstrengungsinduzierte Anaphylaxie nach Nahrungsmittelaufnahme tritt meist bei Frauen zwischen 15 und 35 Jahren auf. Das Verhältnis Frau:Mann ist hier 2:1.

Weiter ist bekannt, dass auch allergische Symptome auf Nahrungsmittel, welche eine Unverträglichkeit auslösen, eine geschlechtsspezifische Komponente haben. Bei Frauen werden sie eher durch Früchte, Zitrusfrüchte und Beeren ausgelöst,  bei Männern eher durch Erdnüsse.

 

Was bedeuten diese geschlechtsspezifischen Unterschiede für die Allergiediagnose?

Bei der Allergie-Testung an der Haut, dem Prick-Test, kann die Reaktion auf das Histamin bei Frauen am Tag 12 bis 16 des Zyklus verstärkt ausfallen. Dies gilt für Allergikerinnen und Gesunde gleichermaßen. Aufgrund dieser Einflüsse von Hormonen wäre es vermutlich ratsam, Allergie-Hauttests für eine Folgeüberprüfung immer zum gleichen Zykluszeitpunkt der Frau durchzuführen.

Uns ist bewusst, dass dies sowohl für Allergiezentren als auch für die Patientinnen logistisch nicht immer möglich sein kann – eine Interpretation des Testergebnisses in Zusammenschau mit dem Tag des Zyklus , etwaiger Einnahme von Hormonpräparaten oder sogar Konsum von Lebensmitteln mit hormonähnlichen Substanzen - man kennt das von der Sojabohne - wäre aber vermutlich hilfreich für Arzt und Patientin.

Im Rahmen von Allergietests wie der Provokation traten umgekehrt bei männlichen jungen Allergikern unter 18 Jahren mehr anaphylaktische Reaktionen auf. Dem testenden Arzt sollte dies bewusst sein, eine Notfallmedikation sollte eher bereitstehen.

Auch die "Art der Gesprächsführung", welche bei Frauen empathischer und möglicherweise etwas länger erfolgen sollte, kann für die Aussagekraft der Anamnese einen Beitrag leisten.

 
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