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Sarah Raker zum Thema: Nutri-Score: Wie liest man ihn richtig?

Nutri-Score: Wie liest man ihn richtig?

Seit einiger Zeit findet man auf vielen Lebensmitteln das Nutri-Score-Logo. Es soll Verbrauchern auf einen Blick Auskunft über den Nährwert des entsprechenden Produktes geben. Aber so einfach ist das nicht, denn Viele sind unsicher, wie man den Nutri-Score richtig liest. MeinAllergiePortal sprach darüber mit Sarah Raker von AllergieSicher.

Frau Raker, welche Informationen bekommt man auf den ersten Blick, wenn man das Nutri-Score-Logo auf einer Lebensmittelverpackung sieht?

Der Nutri- Score ist ein fünfstufiges Ampelsystem, welches auf den ersten Blick Verbrauchern leicht und verständlich zeigen soll, ob es sich um ein gesundes Produkt handelt oder nicht. Dabei bezieht sich das Ampelsystem neben dem Gehalt von Zucker, Salz und Fett auch auf empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe und Proteine.

Was bedeuten die Buchstaben A bis E und was bedeuten die Farben?

Die empfehlenswerte Bilanz in der Nutri-Skala ist das dunkelgrüne „A“, über ein gelbes „C“ bis zu einem roten „E“, welches die ungünstigste Bewertung darstellt.

Problematische Bestandteile sind: Fett, gesättigte Fettsäuren, Salz, Zucker und der Energiegehalt, das heißt, die Kalorien. Hat man einen hohen Anteil an diesen Bestandteilen im Produkt, wird das Lebensmittel eher im „D“ oder „E“- sprich im rötlichen Bereich eingeordnet werden.

Hat ein Produkt allerdings viele günstige Bestandteile wie Ballaststoffe, Proteine, Obst, Gemüse und Nüsse, dürfen Hersteller mit einem grünen „A“ oder „B“ werben.

Was ist der Unterschied zwischen Nutri-Score und der Nährwerttabelle?

Wenn man auf den ersten Blick erkennen will, welches Frühstücksmüsli die bessere Wahl ist, dreht man das Produkt um und schauet sich auf der Rückseite die Nährwerttabelle an. Hier werden die Big Seven aufgeführt- sprich Brennwert/Energiegehalt, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Man merkt dann allerdings, dass man mit den Angaben nicht weiter kommt. Das ist ja auch kein Wunder, denn man liest lediglich, welche Mengen beispielsweise an Fett, Zucker und Salz in dem Produkt stecken, allerdings nicht ob es nun viel oder wenig ist. Der Nutri- Score hingegen gibt Orientierung auf einen Blick- quasi auf der Vorderseite der Verpackung. Somit lassen sich Produkte innerhalb einer Produktkategorie schnell vergleichen und bewerten. Allerdings hat nicht jedes Produkt einen Nutri-Score, denn die Kennzeichnung des Nutri- Score ist freiwillig. Hinzu kommt noch, dass der Nutri- Score keine einzelnen Nährstoffe darstellt, die Nährwerttabelle hingegen schon. Im Grunde genommen ist man in Bezug auf die Nährstoffe weiterhin auf die Kennzeichnung in der Nährwerttabelle und dem Zutatenverzeichnung des Produktes angewiesen. Diese Angaben zählen zu den Pflichtangaben.

Wie wird der Nutri-Score ermittelt?

Für die verschiedenen Inhaltsstoffe des Produktes gibt es gewichtete Plus- und Minuspunkte, die eine Gesamtpunktzahl ergeben. Die errechnete Punktzahl wird dann in die farblich unterlegten Buchstaben „übersetzt“.

Sind Lebensmittel mit dem grünen A immer auch gesund und solche mit dem roten E immer ungesund?

Wenn man ein rotes „E“ auf dem Produkt sieht, heißt es ja nicht gleich, dass man das Produkt nicht essen sollte. Enthält dieses Produkt beispielsweise zu viel Zucker, müsste man darauf achten, wie die Zuckerdosis in den eigenen Tagesplan passt. Somit kann man durchaus auch einmal ein „Rot- Produkt“ zu sich nehmen.

Aber: Ein Produkt mit einem grünen „A“ bedeutet nicht, dass dieses auch gesund ist. Zwar wird man das auf den ersten Blick vermuten, aber man sollte berücksichtigen, dass die Lebensmittelhersteller gerne mit „guten“ Produkten werben möchten. Wenn ein Produkt die dafür vom Nutri-Score geforderten günstigen Bestandteile nicht hat, kann man bei der Herstellung durch die Zugabe bestimmter anderer Bestandteile erreichen, dass das Produkt beim Nutri-Score in den grünen Bereich kommt. Denn Zusatzstoffe werden im Nutri- Score nicht berücksichtigt, genauso wenig wie Vitamine, Mineralstoffe und ungesättigte Fettsäuren.

Welche Möglichkeiten gibt es, den ungünstigen Nutri-Score eines Produktes in ein grünes Produkt umzuwandeln?

Nehmen wir als Beispiel eine „orange „D“- Tiefkühlpizza“ und verwandeln sie in eine grüne „B“ Pizza. Dazu nehmen wir für den Teig anstatt Zucker künstlichen Süßstoff. Hinzu kommt noch etwas Eiweißpulver im Teig, denn Proteine bringen Pluspunkte. Den Salzgehalt reduzieren wir.

Nun kommen wir zu der Tomatensauce. Die Tomatensauce einer gewöhnlichen „D- Pizza“ ist mit Öl angereichert. Dieses ist natürlich ungünstig für die Bewertung. Deshalb benötigen wir für die neue Tomatensauce 5 bis 10 Prozent passierte Tomaten, etwas Wasser, Verdickungsmittel und Tomatenaroma, damit die Sauce auch schön aromatisch schmeckt. Hinzu kommen noch 1 bis 2 Tropfen künstliche Farbstoffe und schon ist die Sauce fertig. Nun benötigt die Pizza aber noch den Käse. Dafür nehmen wir in unserem Beispiel keinen echten Kuhkäse, denn dieser enthält zu viel gesättigte Fettsäuren und würde uns mit unserer Pizza nur in den roten Bereich bringen. Wir nehmen stattdessen den Analogkäse, welcher aus pflanzlichen Fetten (ungesättigte Fettsäuren) mit Milchprotein besteht. Nun haben wir beim Boden der Pizza ja den Salzgehalt minimiert. Das muss nun natürlich kompensiert werden und dafür nimmt man am besten Putensalami, welche wenig Fett und zeitgleich einen sehr salzigen Geschmack hat. Zwei, drei kleine Paprikastreifen, Pilze & Co. als Belag dazu und fertig ist unsere „grüne“ Nuri-Score Pizza.

Wie interpretiert man den Nutri-Score richtig? Welche anderen Informationen sollte man beachten?

Viele Produkte, wie auch unsere „grüne Pizza“, sind quasi aus „Bausteinen eines Chemiebaukastens“ entstanden, um einen positiven Nutri- Score zu erreichen. Deshalb sorgt der Nutri-Score aus meiner Sicht nicht für Transparenz der Nährstoffgesundheit, sondern ermutigt Hersteller, ihre Produkte mit unerwünschten und nicht natürlichen Rohstoffen zu „optimieren“.

Frau Raker, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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