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Insekten Nahrungsmittel Risiko Allergien

Dr. med. Susanne Meinrenken berichtet über Insekten als Nahrungsmittel: Ein Risiko für Allergien?

Insekten als Nahrungsmittel: Ein Risiko für Allergien?

Bei „Insekten“ und „Allergie“ denken die meisten an allergische Reaktionen nach einem Stich einer Biene oder Wespe, also einer Reaktion auf das Gift der Insekten. Weltweit jedoch verspeisen mehr und mehr Menschen regelmäßig ganz verschiedene Insekten. Dieser „Trend“ wird weiter zunehmen, meinen Experten, denn schließlich kann das Eiweiß aus Insekten wertvolle Nährstoffe bieten und die für die Zukunft befürchtete ansteigende Nahrungsmittelknappheit abmildern. Die Nahrungsmittelwirtschaft ist bereits auf dem Weg, ehemaliges „Ungeziefer“ als kulinarischen Genuss zu produzieren und zu bewerben. Wer jedoch gern geröstete Heuschrecken oder Seidenraupen probieren möchte, sollte wissen: Auch nach dem Verzehr von Insekten reagieren manche Menschen mit Hautausschlag, Husten und Kurzatmigkeit oder gar einem allergischen Schock (Anaphylaxie). Besteht ein neues Risiko für Allergien durch Insekten, die als Nahrungsmittel dienen?

Allergie auf Insekten als Nahrungsmittel? Gar nicht so selten ….

Insekten können am Arbeitsplatz, etwa im Labor oder bei Insektenzüchtern, allergische Symptome verursachen; das ist bereits länger bekannt. Die allergieauslösenden Eiweiße, die Allergene, werden dabei meist eingeatmet oder über die Haut aufgenommen. Allergische Reaktionen durch den Verzehr von Insekten wurden bisher noch nicht häufig untersucht. Allergien sind aber offenbar nicht so selten: Einer Studie zufolge litten 7,6 Prozent aller Insektenkonsumenten in Laos an allergischen Symptomen. Auch schwere oder gar tödliche allergische Reaktionen nach einer Insektenmahlzeit kommen vor; von allen Personen mit einer solchen dokumentierten Reaktion in China hatten 18 Prozent zuvor Insekten verspeist.

Schätzungen zufolge konsumieren weltweit rund 2 Milliarden Menschen etwa 2000 verschiedene Insektenspezies, größtenteils in Asien, Lateinamerika und Afrika. In den westlichen Ländern gehören Insekten bei den meisten Konsumenten bisher noch nicht zu einer üblichen Mahlzeit, aber das ändert sich bereits. Zudem nehmen viele Menschen versehentlich immer wieder einmal Insektenbestandteile zu sich; das können bis zu 500 g im Jahr sein, meinen Experten.

Insekteneiweiß: Viele Insekten können Allergien auslösen

Nicht alle essbaren Insekten können eine Allergie auslösen. Am häufigsten werden solche Beschwerden durch den Verzehr von Mehlwürmern, verschiedene Schaben/Kakerlaken, Larven wie der Seidenraupe, Grashüpfern, Heuschrecken, Zikaden und Bienen beschrieben. Zu beachten ist auch: Das als Farbstoff vielen Nahrungsmitteln zugesetzte E120, Karmin, wird aus dem Insekt Dactylopius coccus var. Costa gewonnen und kann ebenfalls allergische Reaktionen auslösen. Karmin gehört neben der Seidenraupe sogar zu den Insekten-Allergenen, die am häufigsten zu einer Allergie führen.

Allergie auf Insekten als Nahrungsmittel: Die Symptome reichen von Juckreiz bis zum allergischen Schock

Insekten als Allergen können ähnlich wie bei anderen Nahrungsmittelallergien ganz verschiedene Beschwerden verursachen: Juckreiz, Hautauschlag mit Schwellung auch beispielsweise der Augenlider oder Lippen, zudem Husten und Kurzatmigkeit oder auch Übelkeit und Bauchschmerzen. Wie oben erwähnt, sind schwere lebensgefährliche Verläufe mit Kreislaufschock möglich.

Einige Betroffene haben ein bestimmtes Insekt bereits häufiger ohne Probleme verzehrt, dann aber treten plötzlich allergische Symptome auf; das kennt man von anderen Nahrungsmittelallergien. Auch ein allergischer Schock (Anaphylaxie) kann auftreten, obwohl der Betroffene zuvor nie nach dem Verzehr dieses Insekts allergische Beschwerden gezeigt hatte. In vielen Fällen jedoch ist die Allergie bereits bekannt.


Allergie auf Insekten als Nahrungsmittel und Kreuzreaktionen: Häufige Reaktionen auf Krustentiere oder Hausstaubmilben!

Durch zahlreiche Untersuchungen sind inzwischen viele einzelne Eiweißstoffe identifiziert, die allergische Reaktionen auslösen können, wenn ein entsprechend empfindlicher Betroffener bestimmte Insekten verspeist. Viele dieser Eiweißstoffe sind zum einen in mehreren Insekten vorhanden, zum anderen gibt es Ähnlichkeiten mit Substanzen in Krustentieren, z.B. Schrimps, oder auch Hausstaubmilben. Das bedeutet: Viele Menschen, die gegen solche Meerestiere oder auch Hausstaubmilben allergisch sind, werden wahrscheinlich auch nach dem Verzehr von Insekten allergische Beschwerden zeigen. Solche sogenannten Kreuzreaktionen sind beispielsweise oft im Falle von Mehlwürmern, Heuschrecken, Grashüpfern, manchen Raupen und Schaben beschrieben worden.

Allergie durch Insekten als Nahrungsmittel: Lassen sich die Allergene durch die Zubereitung zerstören?

Wer einer Allergie beispielsweise gegen Hühnereiweiß hat, der weiß: Manche Allergiker vertragen gebackenes Hühnerei trotzdem gut, denn Hitze kann die allergenen Eiweiße zerstören. Dies gilt für die Eiweißstoffe in Insekten jedoch offenbar nicht: Egal ob frittiert, gebraten, gebacken oder geröstet – die auslösenden Eiweiße bleiben gefährlich. Auch unsere Magensäure hat hier bei der Verdauung der Tierchen keinen Einfluss. Daher fordern Experten genauer zu erforschen, ob es doch bestimmte Zubereitungsformen von Insekten gibt, die das Risiko einer Allergie vermindern. Für die Zukunft stellen manche Experten sich außerdem beispielsweise vor, Insekten zu züchten, die gar keine Allergene enthalten, also als Nahrungsmittel sicher sind.

Wer den Verdacht hat, nach dem Verzehr von Grashüpfern und Co. allergisch zu reagieren, kann sich beim Facharzt untersuchen lassen. Es gibt inzwischen mehrere Testkits für die Diagnostik einer Insektenallergie – auch wenn diese nicht, wie bisher meist üblich – auf einem Insektenstich beruht.

Quellen:

de Gier S, Verhoeckx K. Insect (food) allergy and allergens. Mol Immunology 2018; 100: 82−106

Yeong KY, Park JW. Insect Allergens on the Dining Table. Curr Protein Pept Sci 2020; 21(2): 159-169