Fleischallergie Zeckenbiss

Prof. Dr. med. Tilo Biedermann, Leitender Oberarzt Allergologie, Forschungsgruppe Allergie und Immunologie an der Universitäts-Hautklinik der Eberhard Karls Universität in Tübingen

Fleischallergie: Wie sehen die Symptome aus? Wie erfolgt die Diagnose?

Gibt es Risikofaktoren für diese neue Form der Fleischallergie?

Es gibt tatsächlich einen gewissen regionalen Schwerpunkt bei der Fleischallergie. In Tübingen betreuen wir wahrscheinlich die meisten Fleischallergie-Patienten in Deutschland. Dies könnte zum einen damit zusammenhängen, dass diese Region von vielen Zecken bevölkert ist. Untersuchungen, die der US-Forscher Prof. Thomas Platts-Mills zum Thema "Zeckenbisse und Fleischallergie" durchgeführt hat, lassen vermuten, dass hier ein Zusammenhang besteht.1 Auch hier an der Eberhard Karls Universität Tübingen führen wir zu dieser Fragestellung ein aktuelles Forschungsprojekt durch – die Ergebnisse muss man abwarten.

Ein weiterer Grund für die regionale Häufung der Fleischallergie-Fälle dürfte in den speziellen Ernährungsgewohnheiten der Region liegen. Die Region Schwäbische Alb war früher eine eher arme Region. Damals war Fleisch teuer und man war bestrebt, das ganze Tier zu verwerten, auch die Innereien. Heute ist Fleisch zwar billiger geworden und man isst überwiegend das Muskelfleisch, aber während Innereien in anderen Regionen "aus der Mode" gekommen sind, werden sie hier noch häufiger verzehrt. Innereien sind hier Teil der schwäbischen Hausmannskost, z.B. in Form von sauren Nierchen, und werden von der typisch schwäbischen Hausfrau oder von bestimmten Metzgern regelmäßig zubereitet.

Es sind aber genau diese Innereien, die besonders viele spezifisch glykosilierte Proteine mit der α-Galaktose enthalten. Die Kombination von Zeckenbiss und dem tendenziell häufigeren Verzehr von Innereien, könnte dann dazu führen, dass gerade hier in der Region mehr Menschen "symptomatisch" werden, d.h. nach dem Verzehr von Innereien z.B. eine Urtikaria entwickeln. Wie für alle Allergien spielt die Häufigkeit des Kontaktes für die Wahrscheinlichkeit einer Sensibilisierung eine Rolle.

Gibt es andere Erkrankungen, die die Entwicklung dieser neuen Form der Fleischallergie begünstigen?

Bei der Allergie auf α-Galaktose scheinen Atopiker, d.h. Menschen mit Allergischem Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis stärker betroffen zu sein. Aber auch Nicht-Atopiker können sich in dieser Form gegen Fleisch sensibilisieren.

Haben Sie denn bei all Ihren Patienten mit dieser neuen Form der Fleischallergie sehen können, dass auch ein Zeckenbiss vorlag?

Natürlich erinnert sich nicht jeder Patient daran, ob er irgendwann einmal von einer Zecke gebissen wurde. Anhand von standardisierten Interviews sehen wir aber einen ganz klaren Trend. Viele unserer Patienten mit einer Fleischallergie sind Jäger oder hatten schon immer einen Hund mit dem sie viel in der freien Natur unterwegs waren oder haben draußen am Waldrand ihr "Stückle" auf dem sie Gemüse anbauen. Das heißt, es handelt sich bei unseren Patienten überwiegend um Menschen, die sich häufig im Freien aufhalten und die aufgrund der Tatsache, dass Baden-Württemberg reich an Zecken ist, auch ein gewisses Risiko für einen Zeckenbiss tragen.

Manche Allergene sind "hitzelabil" - spielt auch bei dieser Fleischallergie die Zubereitung des Fleisches eine Rolle?

Wahrscheinlich enthält rohes Fleisch einen höheren Anteil an α-Galaktose als stark erhitztes Fleisch, denn beim Erhitzen werden die Proteine etwas denaturiert und der eine oder andere Zuckerseitenrest bricht weg. Allerdings wird der α-Galaktose-Anteil durch das Erhitzen nicht beseitigt, sondern lediglich in der Konzentration reduziert. Für manche Patienten kann diese Reduktion auf eine niedrigere Konzentration jedoch ausreichend sein, um kaum noch oder fast gar keine Symptome mehr auszulösen.

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