Ernährungstherapie Hilfe zur Selbsthilfe Therapieerfolg

Sonja M. Mannhardt über das Thema: Ernährungstherapie - mit “Hilfe zur Selbsthilfe” zum Therapieerfolg!

Ernährungstherapie: Mit “Hilfe zur Selbsthilfe” zum Therapieerfolg!

Welche Faktoren ermöglichen erfolgreiches Coaching bei einer Ernährungstherapie?

Ich habe die letzten Jahre an einer großen internationalen Studie teilgenommen, bei der es darum ging, Faktoren zu ermitteln, die einen Coachingprozess, man kann aber auch sagen einen „ernährungstherapeutischen Beratungsprozess“ erfolgreich machen.

Die Ergebnisse der Studie haben gezeigt: Kein Faktor war wirkungsvoller, d.h. ausschlaggebender für den Therapieerfolg , als die Beziehung zwischen Therapeut bzw. Coach und Klient. Die Beziehung muss stimmen und das ganz unabhängig vom Geschlecht.

Sind denn Geschlechterrollen überhaupt ein Faktor beim ernährungstherapeutischen Beratungsprozess?

Das Geschlecht des Menschen, der gecoacht wurde, spielte, wenn überhaupt, nur insofern eine Rolle, dass Männer eher „kritischer“ sind, was das Ergebnis einer Maßnahme betrifft, Frauen eher wohlwollender.

Was die Studie auch zeigen konnte: Die Coaching-Paare müssen nicht besonders gut zusammenpassen (Matching), sondern gut zusammenarbeiten können. Die Art der Zusammenarbeit war wesentlich entscheidender, als das Geschlecht.

Coaches, die sich stark am Auftrag des Klienten orientieren und von der Frage ausgehen: Was möchte der Klient? Was ist sein Ziel? - und nicht: Was will der Arzt? - hatten durchweg bessere Ergebnisse, als Coaches, die darauf wenig Rücksicht nahmen, oder gar Menschen begleiteten, die gar nicht freiwillig da waren.

Kritisch war, wenn Klienten nicht aus eigenen Stücken beraten wurden, unabhängig vom Geschlecht und wenn sich Paare zu ähnlich waren. Zwei sehr dominante Partner geraten eher in Machtkämpfe, zwei sehr ähnliche Partner, die z.B. sehr auf Harmonie bedacht sind, führten zu nur wenig messbaren Ergebnissen.

Der Erfolg einer Ernährungstherapie steigt also mit den Coaching-Qualitäten des Ernährungstherapeuten?

Wie bereits erwähnt: Es gibt keinen einzigen Faktor, der mehr zählt, als die gute, vertrauensvolle Beziehung zwischen den beiden Partnern, sowie die Art der Zusammenarbeit. Wichtig ist dabei insbesondere die Freiwilligkeit, sowie die Orientierung des Coachs am Auftrag und Ziel des Klienten. Sprich: Es gibt zwar auch in unserem Berufsfeld Personen, die ganz viel Fachwissen haben, doch im Grunde genommen, ist es viel wichtiger, sich viel Zeit für den Klienten zu nehmen, genau in Erfahrung zu bringen, was der Klient für einen Beratungsauftrag hat und was er mit unserer Begleitung gerne lernen möchte. Das Essen ist eine hochemotionale, ganzheitliche Angelegenheit und Problemen in diesem Zusammenhang sind nur dadurch beizukommen, dass wir uns dem Einzelmenschen mit seinem jeweils eigenen Denken, Fühlen und Handeln zuwenden.

Medizin sollte zukünftig wieder viel mehr Zuwendung und Hingabe sein als bloßer Wissenstransfer. Letztendlich hat „Mensch“ immer schon durch und mit Menschen gelernt und wurde durch und mit Menschen gesund. Dazu können ganzheitlich arbeitende Ernährungstherapeuten, die sich durch medizinisches Fachwissen, pädagogische Methodik, psychologische Kompetenz und nicht zuletzt eine starke Empathiefähigkeit auszeichnen, sowie viel Zeit zum Zuhören haben, sehr gut beitragen.

Frau Mannhardt, herzlichen Dank für dieses Interview!

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