Ernährungstherapie Hilfe zur Selbsthilfe Therapieerfolg

Sonja M. Mannhardt über das Thema: Ernährungstherapie - mit “Hilfe zur Selbsthilfe” zum Therapieerfolg!

Ernährungstherapie: Mit “Hilfe zur Selbsthilfe” zum Therapieerfolg!

Was wünschen sich Patienten mit Nahrungsmittelallergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten von einer Ernährungstherapie? Dass sie erfolgreich ist! Und wann ist eine Ernährungstherapie erfolgreich? Wenn das Leben danach beschwerdefreier ist und die Lebensqualität steigt. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Ernährungstherapeut die nötigen Qualifikationen hat, aber Fachwissen allein, genügt nicht. Dipl. oec. troph. Sonja M. Mannhardt, Gesundheitsmanagement, Schliengen betont, wie wichtig ein gutes Coaching für den Therapieerfolg ist. Mit MeinAllergiePortal sprach sie über das Thema “Ernährungstherapie: Mit “Hilfe zur Selbsthilfe” zum Therapieerfolg!

Frau Mannhardt, im Zusammenhang mit der Ernährungstherapie ist hin und wieder von „Coaching“ die Rede. Was versteht man unter Coaching?

Wie bei der Ernährungsberatung und –therapie auch, gibt es für Coaching keine allgemeingültige Definition. Ich halte mich an diejenige des Deutschen Bundesverbandes Coaching (DBVC). Dort wird Coaching verstanden als professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Einzelpersonen.

Welche Rolle spielt das Coaching bei der Ernährungstherapie?

Zielsetzung von Coaching ist die Weiterentwicklung von individuellen Lernprozessen. Inhaltlich ist Coaching eine Kombination aus individueller Unterstützung zur Bewältigung eigener Anliegen und persönlicher Begleitung – eine Beratung, in dem der Klient angeregt wird, eigene Lösungen zu entwickeln.

Der Klient lernt so im Idealfall, seine Probleme eigenständig zu lösen, sein Verhalten zu ändern oder seine Einstellungen zu erweitern. Ein grundsätzliches Merkmal des professionellen Coachings ist die Förderung der Selbstreflexion und -wahrnehmung und die selbstgesteuerte Erweiterung bzw. Verbesserung der Möglichkeiten des Klienten bzgl. Wahrnehmung, Erleben und Verhalten. Coaching ist folglich nicht Consulting, nicht Training und auch nicht Psychotherapie, sondern „Hilfe zur Selbsthilfe“ für Menschen mit Veränderungswunsch.

Mit dieser Definition ist Coaching eigentlich das, was wir qualifizierten Ernährungstherapeuten auch tun: Menschen individuell, pädagogisch - es geht um Umlernen von Essverhalten - zu begleiten, auf ihrem Weg, ihr Essverhalten, ihrem Gesundheitszustand anzupassen. Dabei leistet der Ernährungstherapeut ebenfalls „Hilfe zur Selbsthilfe“, hält sich mit Ratschlägen und Informationen, mit bloßer Wissensvermittlung eher zurück und gibt Lernhilfe dort, wo der Klient alleine nicht klar kommt und Widerstände seinen Verhaltenswunsch zunichte machen.

Welche Theorie steckt hinter dem Coaching und was erreicht man über Coaching eher als mit traditionellen Methoden?

Coaching ist, wie Ernährungstherapie, ein pädagogischer Prozess – ein Lernprozess bei dem es um Lernen geht. Menschen „ernähren“ sich nicht einfach nur, sie essen. Und dieses sehr komplexe Phänomen ist durch unzählige, sehr stabile Verhaltensweisen gekennzeichnet. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und möchte sein Verhalten, welches bisher ja positiv war, nicht wirklich ändern. Also sind herkömmliche Methoden der Wissensvermittlung einfach wirkungslos, denn an Wissen mangelt es kaum - heute kann alles gegoogelt werden.

Ist Coaching grundsätzlich bei jedem Menschen einsetzbar?

Coaching kann nicht nur bei Jedem angewendet werden, sondern Ernährungstherapie ist nur dann wirkungsvoll im Sinne von geändertem Verhalten, wenn die Beratungsperson etwas von Coaching versteht. Medizinisches Fachwissen ist zwar notwendig, aber längst nicht hinreichend, wenn es darum geht, kranke Menschen wirkungsvoll zu begleiten. Da ist schon eine Menge pädagogischer und psychologischer Kompetenz vonnöten.


Welche Faktoren ermöglichen erfolgreiches Coaching bei einer Ernährungstherapie?

Ich habe die letzten Jahre an einer großen internationalen Studie teilgenommen, bei der es darum ging, Faktoren zu ermitteln, die einen Coachingprozess, man kann aber auch sagen einen „ernährungstherapeutischen Beratungsprozess“ erfolgreich machen.

Die Ergebnisse der Studie haben gezeigt: Kein Faktor war wirkungsvoller, d.h. ausschlaggebender für den Therapieerfolg , als die Beziehung zwischen Therapeut bzw. Coach und Klient. Die Beziehung muss stimmen und das ganz unabhängig vom Geschlecht.

Sind denn Geschlechterrollen überhaupt ein Faktor beim ernährungstherapeutischen Beratungsprozess?

Das Geschlecht des Menschen, der gecoacht wurde, spielte, wenn überhaupt, nur insofern eine Rolle, dass Männer eher „kritischer“ sind, was das Ergebnis einer Maßnahme betrifft, Frauen eher wohlwollender.

Was die Studie auch zeigen konnte: Die Coaching-Paare müssen nicht besonders gut zusammenpassen (Matching), sondern gut zusammenarbeiten können. Die Art der Zusammenarbeit war wesentlich entscheidender, als das Geschlecht.

Coaches, die sich stark am Auftrag des Klienten orientieren und von der Frage ausgehen: Was möchte der Klient? Was ist sein Ziel? - und nicht: Was will der Arzt? - hatten durchweg bessere Ergebnisse, als Coaches, die darauf wenig Rücksicht nahmen, oder gar Menschen begleiteten, die gar nicht freiwillig da waren.

Kritisch war, wenn Klienten nicht aus eigenen Stücken beraten wurden, unabhängig vom Geschlecht und wenn sich Paare zu ähnlich waren. Zwei sehr dominante Partner geraten eher in Machtkämpfe, zwei sehr ähnliche Partner, die z.B. sehr auf Harmonie bedacht sind, führten zu nur wenig messbaren Ergebnissen.

Der Erfolg einer Ernährungstherapie steigt also mit den Coaching-Qualitäten des Ernährungstherapeuten?

Wie bereits erwähnt: Es gibt keinen einzigen Faktor, der mehr zählt, als die gute, vertrauensvolle Beziehung zwischen den beiden Partnern, sowie die Art der Zusammenarbeit. Wichtig ist dabei insbesondere die Freiwilligkeit, sowie die Orientierung des Coachs am Auftrag und Ziel des Klienten. Sprich: Es gibt zwar auch in unserem Berufsfeld Personen, die ganz viel Fachwissen haben, doch im Grunde genommen, ist es viel wichtiger, sich viel Zeit für den Klienten zu nehmen, genau in Erfahrung zu bringen, was der Klient für einen Beratungsauftrag hat und was er mit unserer Begleitung gerne lernen möchte. Das Essen ist eine hochemotionale, ganzheitliche Angelegenheit und Problemen in diesem Zusammenhang sind nur dadurch beizukommen, dass wir uns dem Einzelmenschen mit seinem jeweils eigenen Denken, Fühlen und Handeln zuwenden.

Medizin sollte zukünftig wieder viel mehr Zuwendung und Hingabe sein als bloßer Wissenstransfer. Letztendlich hat „Mensch“ immer schon durch und mit Menschen gelernt und wurde durch und mit Menschen gesund. Dazu können ganzheitlich arbeitende Ernährungstherapeuten, die sich durch medizinisches Fachwissen, pädagogische Methodik, psychologische Kompetenz und nicht zuletzt eine starke Empathiefähigkeit auszeichnen, sowie viel Zeit zum Zuhören haben, sehr gut beitragen.

Frau Mannhardt, herzlichen Dank für dieses Interview!

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