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Vitamine Allergie Intoleranz

Karin Spiesz, Diätologin aus Salzburg

Vitamine und Nährstoffe bei Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten

Vitamine und Nährstoffe sind ein wichtiges Thema für Menschen mit Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Sie müssen ihren Speisplan einschränken, und je nachdem, ob es sich um Zöliakie, Weizen Allergie, Fruktosemalabsorption, Laktoseintoleranz, Kuhmilch Allergie, HistaminintoleranzASS-Intoleranz etc. handelt, müssen bestimmte Nahrungsmittelgruppen ganz oder teilweise gemieden werden. Liegen mehrere Allergien oder Unverträglichkeiten vor, schränkt dies die Auswahl noch mehr ein. Viele Patienten fragen sich deshalb, wie sich die Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen sicherstellen lässt und darüber sprach MeinAllergiePortal mit Karin Spiesz, Diätologin aus Salzburg.

Frau Spiesz, bei welchen Nahrungsmittelallergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten besteht die Gefahr des Nährstoffmangels oder des Vitaminmangels? 

Grundsätzlich muss unterschieden werden ob es sich um Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie z.B. Laktose-, Fruktose, Sorbit-, Histaminunverträglichkeit oder um immunologisch vermittelte Nahrungsmittelallergien handelt.

Bei den Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist die Dosis ausschlaggebend dafür, ob Beschwerden nach dem Genuss entstehen oder nicht. Mäßig verzehrte Mengen über den Tag verteilt stellen meist kein Problem dar, somit ist die Gefahr der Entstehung eines Nährstoff- oder Vitaminmangels gering. Voraussetzung hierfür ist, dass zu Beginn der Diagnose unbedingt eine versierte Ernährungsfachkraft aufgesucht wird, um unnötige Einschränkungen zu vermeiden. Nicht nur die Lebensmittelauswahl, sondern auch die Zusammensetzungen der Mahlzeiten und die Essabstände dazwischen sind nach einer anfänglichen Karenzphase von maximal zwei Wochen für die Planung einer individuellen Therapie mit Verbesserung der Lebensqualität unerlässlich.

Bei der Laktoseunverträglichkeit gibt es zwei Möglichkeiten, entweder werden laktosefreie Milch- und Milchprodukte eingesetzt, welche ausreichend Calcium enthalten oder es werden handelsübliche laktosehaltige Milch und Milchprodukte verzehrt und kurz davor ein Enzympräparat eingenommen, welches den Milchzucker spaltet. Wenn eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung bei den genannten Unverträglichkeiten eingehalten wird, sind keine Mangelerscheinungen zu befürchten.

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Anders verhält es sich bei der Zöliakie, der Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten. Bis die Diagnose feststeht hat der Betroffene meist eine längere Beschwerdedauer hinter sich. Dabei kommt es durch Immunreaktion im Dünndarm zur Rückbildung der Darmzotten mit Malabsorptionsstörungen. Das heißt, dass nicht mehr alle Nährstoffe über die Dünndarmwand ins Blut aufgenommen werden können. 

Mangelerscheinungen bei Diagnosestellung sind relativ häufig und betreffen insbesondere Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Eine strikte glutenfreie Ernährung führt innerhalb weniger Monate zur Behebung der genannten Defizite.

Bei primären Nahrungsmittelallergien welche bevorzugt im Kindesalter auftreten und insbesondere Milch, Hühnerei, Erdnüsse, Soja, Weizen, Baumnüsse und Fisch betreffen, können durch unsinnige, eigenmächtig durchgeführte Pauschaldiäten unterschiedliche Mangelzustände auftreten. Bei Grundnahrungsmitteln müssen unbedingt geeignete, verträgliche Alternativen angeboten werden.

Einfach eine Lebensmittelgruppe wie z.B. alle Milch- und Milchprodukte ohne adäquaten Ersatz zu streichen birgt im Kindesalter die Gefahr eines Eiweiß- und oder Calciummangels. Darunter leiden der in der Wachstumsphase wichtige Knochenaufbau, die Zähne, die Reizübertragung im Nervensystem sowie die Blutgerinnung.

Auch Erwachsene Nahrungsmittelallergiker, die eine pollenassoziierten Kreuzallergie haben, und oftmals unbegründet zu viele Obst- und Gemüsesorten aus ihrer Ernährung streichen, können Defizite entwickeln, z.B. bei Vitamin C, Folsäure, Kalium und Magnesium.


Welcher Vitaminmangel bzw. Nährstoffmangel ist typisch für welches Krankheitsbild und welche Symptome sind typisch?

Jede Lebensmittelgruppe der Ernährungspyramide hat seine Berechtigung und liefert wichtige Inhaltsstoffe. Demnach würde ich eine Einteilung nicht nach Krankheitsbild sonder eher nach vermiedenen Lebensmittelgruppen und daraus resultierenden "kritischen Nährstoffen" treffen. Werden beispielsweise längerfristig Milch- und Milchprodukte weggelassen und nicht in entsprechender Menge durch geeignete Alternativen ersetzt, können sich Mängel an Calcium, Vitamin D, B2 sowie Fluor und Jod einstellen. Werden Obst und Gemüse aus der täglichen Ernährung verbannt, ist die Gefahr groß Defizite an Vitamin A, C, Folsäure, Magnesium, Kalium und Ballaststoffen zu erleiden. Im Prinzip kann jede einseitige Ernährung zu diversen Mangelzuständen führen.

Bei der Erstdiagnose Zöliakie sind häufig Mängel von Eisen, Calcium, Magnesium, Jod, Vitamin B12, Vitamin D und Folsäure zu beobachten. Manchmal merken Patienten, dass sie sich müde und abgeschlagen fühlen, diese Symptome führen sie zum Hausarzt und über das Symptom z.B. eines Eisenmangels könnte als Ursache eine Zöliakie diagnostiziert werden.  

Ein Vitaminmangel bzw. Nährstoffmangel zeigt sich durch sehr unspezifische Symptome, denen auch viele andere Ursachen zugrunde liegen können. Möglich sind z.B. Müdigkeit, Appetitmangel, Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, Schlaflosigkeit, erhöhte Infektanfälligkeit, Haarausfall, brüchige Nägel, Mundwinkeleinrisse etc.. Deshalb sollte bei länger bestehenden Beschwerden unbedingt der Weg zum Arzt erfolgen um dort die Ursachen abklären zu lassen.

Was muss man bei multiplen Allergien bzw. Unverträglichkeiten beachten? Welche Kombinationen kommen häufig vor?

Wenn mehrere Nahrungsmittelallergien bzw. Unverträglichkeiten zusammentreffen sollte unbedingt eine persönliche, individuelle Ernährungsberatung erfolgen. Nach gründlicher Diagnostik und wenn die therapeutische Diät als Dauerkostform feststeht, sollte die Nährstoffversorgung durch eine/n allergologisch ausgebildete ErnährungsexpertIn mittels Ernährungsprotokollberechnung überprüft werden. Häufige Kombinationen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind Laktose- und Fruktoseunverträglichkeit, Fruktose- und Sorbitunverträglichkeit sowie beide Kombinationen mit einer zusätzlichen Unverträglichkeit von histaminreichen Nahrungsmitteln.


Wenn der Mangel feststeht, wie lässt er sich beheben? Reicht eine Nahrungsumstellung oder benötigt man spezielle Präparate?

Sollten ein oder mehrere Versorgungslücken festgestellt werden, versucht man diese meist durch gezielte Ernährungsumstellung mit natürlichen Nahrungsmitteln zu beheben. Vitamin- und Mineralstoffpräparate allein können nicht die Vielfalt und das Zusammenspiel natürlicher Nahrungsmittel liefern. Der Zeitraum zum Ausgleich eines Defizits beträgt mehrere Wochen bis Monate. In einigen Fällen, wenn der Arzt einen massiven Mangel festgestellt hat, kann auch eine vorübergehende Supplementierung einzelner Nährstoffe notwendig sein. Diese sollte aber auf keinen Fall in Eigenregie erfolgen.

Was kann man tun, um das Entstehen eines Vitaminmangels oder Nährstoffmangels zu vermeiden?

Zum Vermeiden von diversen Versorgungslücken hinsichtlich Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, sekundären Pflanzenstoffen, der Sammelbegriff lautet "Mikronährstoffe", ist eine abwechslungsreiche Ernährung unerlässlich. Weiterhin wird die Lebensqualität durch eine gemischte Kost mit wenigen Verboten, bzw. geeigneten Alternativen positiv beeinflusst.

Wann sind Vitamin- und Mineralstoffpräparate sinnvoll und wann nicht? Muss man Apothekenpräparte kaufen oder sind Präparate aus der Drogerie ausreichend?

Vitamin- und Mineralstoffpräparate sind sowohl als Nahrungsergänzungsmittel als auch als Arzneimittel - nur vom Arzt zu verordnen - zu erhalten. Nahrungsergänzungsmittel sind in der Apotheke, den Drogeriemärkten, im Reformhaus oder im Lebensmitteleinzelhandel erhältlich. Sie sollen, wie der Name sagt, als Ergänzungsmittel eingesetzt werden und nicht um das schlechte Gewissen zu beruhigen, weil man sich einseitig ernährt. Nahrungsergänzungsmittel sind niedriger dosiert als Arzneimittel, es gibt jedoch große Qualitätsunterschiede. Der Vorteil beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln in der Apotheke liegt vor allem darin, dass der Konsument eine fachkompetente Beratung und Informationen über die Verfügbarkeit erhält, das heißt wie viel von einem Präparat der Körper tatsächlich aufnehmen kann. Mikronährstoffe sollten meiner Meinung nach nicht als Einzelpräparat in Eigenregie eingenommen werden, da es Wechselwirkungen gibt und teilweise Überdosierungen auftreten können.

Frau Spiesz, herzlichen Dank für dieses Interview!

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