Durchfall Erbrechen Säugling FPIES

Dr. Stephan Buderus zu Thema: Schwere Durchfälle und Erbrechen beim Säugling - Ist es FPIES?

Schwere Durchfälle und Erbrechen beim Säugling: Ist es FPIES?

Mit welchen Erkrankungen kann die akute Form von FPIES verwechselt werden?

Die Symptome von FPIES ähneln denen einer schweren Infektion, einer Sepsis oder einem nicht diagnostizierten Herzfehler. Wenn die die Infektionsparameter diese Diagnose aber nicht stützen und das Herz gesund ist, sollte man stutzig werden.

Aber: Gerade bei den jungen Säuglingen wird die Diagnose dadurch erschwert, dass Milch oder Muttermilch ein Nahrungsmittel ist, das auf den ersten Blick nicht zwangsläufig verdächtig ist, diese schweren Symptome auszulösen.

Wie erfolgt die Diagnose von FPIES?

Die Diagnose ist dann gestellt, wenn die Symptome sich nach Unterbrechung der Allergenzufuhr verbessern. In akuten FPIES-Fällen werden die Kinder dann entweder zunächst künstlich ernährt, oder erhalten eine Therapienahrung, wodurch sich ihr Zustand wieder normalisiert. Zur Sicherung der Diagnose sollte dann eine Provokation erfolgen, das heißt ein erneuter Allergenkontakt. Verschlechtert sich der Zustand des Kindes erneut, ist damit auch die Diagnose FPIES gestellt.

Wie sieht die Therapie bei FPIES aus?

Die wesentliche Therapie bei akutem FPIS besteht darin, die Allergenzufuhr umgehend zu unterbrechen. Das gilt für jede allergische Erkrankung. Ist die Kuhmilch der Auslöser für FPIES, dürfen die Kinder keine Milch mehr erhalten.

Kinder, denen es sehr schlecht geht, müssen sogar intensivmedizinisch betreut werden, auch, um einen Flüssigkeitsverlust zu vermeiden. Wenn der Darm deutliche Zeichen einer Entzündung zeigt und die Kinder blutige Durchfälle haben, sollten die Kinder zumindest weitgehend über die Vene ernährt werden, bis die Entzündung abgeklungen ist.        

Abhängig von der Schwere der Symptomatik würde man den Zeitraum festlegen für den eine streng allergenfreie Ernährung gelten soll. Das könnte bis zum ersten Geburtstag sein. Bevor man das allergene Nahrungsmittel wieder freigibt, sollte jedoch eine stationäre Reprovokation erfolgen. Das bedeutet, das Kind wird stationär aufgenommen und bekommt das Allergen zu essen. Im Gegensatz zu den oralen Provokationen bei IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien, müssen die Kinder bei einer Provokation aufgrund von FPIES aber länger im Krankenhaus bleiben, da die Reaktionen hier deutlich später einsetzen. Die Nachüberwachung muss mindestens 72 Stunden betragen.

Wie wird die Provokation gehandhabt, wenn ein sehr junger Säugling das Allergen über die Muttermilch zu sich nimmt?

Wenn ein Kind sich über die Muttermilch sensibilisiert hat, ist die Kuhmilch das wahrscheinlichste Allergen. Dann wäre es eine Möglichkeit, dem Kind eine Therapienahrung zu geben. Eine andere Option wäre, dass die Mutter sich ab sofort strikt kuhmilchfrei ernährt, ihre Milch eine Zeit lang abpumpt, um die mit dem Allergen kontaminierte Milch zu entfernen und dann erneut mit dem Stillen beginnt. Auch hier sollte die Diagnose dann durch die Exposition mit einer normalen Säuglingsmilch gesichert werden. Welche Option die bessere ist, muss mit den Familien abgestimmt werden.   

Herr Dr. Buderus, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.