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Nahrungsmittelallergien und unverträglichkeiten Kind Integration

Umfrage zum Thema: Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten beim Kind - Wie klappt die Integration?

Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten beim Kind: Wie klappt die Integration?

Das Interesse war groß! Mehr als 300 Teilnehmer beantworteten unsere Fragen zum Thema “Kinder mit Nahrungsmittelallergien, Anaphylaxie, Zöliakie, Intoleranzen in KiTa und Schule: Wie klappt die Inklusion?“ und das in kürzester Zeit. Das Thema "Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten beim Kind: Wie klappt die Integration?" bewegt also, und deutlich wurde „hier drückt der Schuh“!

Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten beim Kind: Gluten und Nüsse ganz oben auf der Unverträglichkeitsliste

Von Zöliakie, der Erdnussallergie oder einer Baumnussallergie waren die meisten Kinder der Umfrageteilnehmer betroffen. Von anderen Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen waren deutlich weniger Kinder betroffen.

Allerdings hatten viele Kinder nicht nur eine Erkrankung. Bis zu 7 weitere Nahrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten wurden genannt, darunter besonders häufig Hühnerei, Sesam, Soja, Fisch und Kiwi.

Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten beim Kind: Schwierig ist es in KiTa und Schule

Die meisten Kinder der Befragten besuchten eine Kita oder die Grundschule, wobei viele parallel auch in einen Hort gehen. Weiterführende Schulen, wie Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien,  Fach- und Berufsschulen und Hochschulen besuchten 20 Prozent. Knapp 2,5 Prozent besuchten Privatschulen.

Eine Spezialmahlzeit bekommen die meisten Kinder offenbar nicht, diese Aussage trafen  über 47 Prozent der Befragten. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Manche gaben an, dass die jeweilige Schule keine Mensa hat, andere berichteten, dass der Caterer in KiTa oder Schule allergenfreie Mahlzeiten nicht gewährleisten konnte. In einem Fall musste ein Elternteil sogar den Beruf aufgeben, um die Verpflegung des Kindes zu organisieren. Knapp 10 Prozent der Eltern geben dem Kind entweder Essen mit, oder es nimmt die Mahlzeiten grundsätzlich zu Hause ein. Zuweilen werden die Eltern auch Initiativ und lösen das Problem, indem sie der Einrichtung eine Mikrowelle zum Aufwärmen der mitgebrachten Speisen zur Verfügung stellen.

Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten beim Kind : Reichlich Organisationsaufwand bei Festivitäten

Für die meisten Kinder, die unter einer Nahrungsmittelallergien oder Zöliakie leiden, ist die Teilnahme an Festivitäten, Ausflügen und Klassenfahrten möglich – 93 Prozent derer, die die Frage beantwortet haben, gaben dies an.

Doch zeigen die Kommentare, dass nicht ein qualitativ hochwertiges Integrationskonzept dafür sorgt, dass Kinder mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten integriert sind. Vielmehr scheint es vom persönlichen Entgegenkommen der jeweiligen Ansprechpartner auf Seiten der Einrichtungen und von der Solidarität der Eltern der Mitschüler abzuhängen, ob die Kinder bei Festen und Ausflügen mitmachen können, ohne sich ausgeschlossen zu fühlen.

Oft lösen die Eltern auch hier das Problem durch ein hohes Maß an Eigeninitiative. So nehmen sie zum Beispiel an Ausflügen persönlich teil, um eine risikofreie Ernährung ihrer Kinder zu gewährleisten. Aus dem gleichen Grund übernehmen andere die komplette Organisation des Essens für die gesamte Gruppe. Dem Kind verträgliches Essen mitzugeben ist eher die Regel als die Ausnahme.


Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten beim Kind: Gut integriert? Ja, aber…

Knapp 71 Prozent der Umfrageteilnehmer antworteten auf die Frage, ob sich ihr Kind gut integriert fühle, dass dies der Fall sei, nur 14 Prozent verneinten die Frage.

Aber: 15 Prozent der Befragten antworteten auf die Frage, ob sich ihr Kind gut integriert fühle, dass dies unterschiedlich sei. So berichteten Sie von Unverständnis für die Vorsichtsmaßnahmen, die bei Kindern mit Nahrungsmittelallergien und Unverträglichkeiten in Bezug auf die Ernährung getroffen werden müssen, bis hin zu Ausgrenzung und Mobbing. Offensichtlich lösen manche Institutionen das Problem auch einfach dadurch, dass sie die betroffenen Kinder von allen Aktivitäten, bei denen Essen serviert wird, ausschließen.

Hinzu kommen laut Umfrage Gründe wie Vergesslichkeit, zum Beispiel wenn andere Kinder Kuchen mitbringen. Auch dass man vor dem Aufwand zurückschreckt, auf die Unverträglichkeiten des Kindes zu achten, wurde kommentiert. Ohne Eigeninitiative klappt die Integration offensichtlich nicht. “Das klappt nur, wenn es zuvor geplant war“ so der Kommentar eines Befragten.

Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten beim Kind: Verständnis, ja, Rücksichtnahme eher nicht!

Überwiegend verständnis- und rücksichtsvoll reagieren laut Umfrage die meisten anderen Kinder auf Kinder mit Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten. Dies gaben knapp 89 Prozent der Befragten an. Man könnte also meinen, alles sei in bester Ordnung. Doch auch hier gibt es wieder ein „aber“, der Teufel liegt im Detail. Verständnis und Akzeptanz bedeuten nämlich offenbar noch lange nicht, dass man sich dem Kind gegenüber auch rücksichtsvoll verhält.   

Teilweise wird das junge Alter der Kinder dafür verantwortlich gemacht, dass in der Praxis eben keine Rücksicht genommen wird. Dann werden, zum Beispiel, für das Kind verbotene Speisen in dessen Anwesenheit verzehrt oder gar angeboten. In extremen Fällen werden die betroffenen Kinder sogar regelrecht genötigt, unsichere Speisen zu probieren, die dieser Kommentar zeigt: „Teilweise wird beim Geburtstagsessen gedrängt: Da sind keine Erdnüsse drin, meine Mama hat sich so Mühe damit gemacht, du musst das jetzt essen.“

Dabei sind es durchaus nicht nur die Kinder, denen es an Empathie fehlt, ein Beispiel aus den Kommentaren: „Sehr unterschiedlich. Wenn den anderen Kindern detailliert der Schweregrad der Krankheit erklärt wird, steigt das Verständnis massiv. Es braucht aber wirklich detaillierte Informationen für die anderen Kinder und auch die anderen Eltern, ansonsten droht schweres Mobbing; haben wir schon mehrfach leider auch persönlich erlebt.“

Erschwerend kommt hinzu: Knapp 9 Prozent der Mitwirkenden bewerteten das Verhalten anderer Kinder als verständnis- und rücksichtslos und knapp 3 Prozent als aggressiv bis zum Hänseln.


Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten beim Kind: Ein Kampf gegen Windmühlen?

Um das Verständnis und die Akzeptanz bei anderen Kindern und deren Eltern zu gewährleisten, nehmen die Eltern betroffener Kinder viel in Kauf – es ist ein ständiger Kampf. Permanent müssen die  Eltern von Kindern mit Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten dafür sorgen, dass alle informiert sind und vor allem, auch informiert bleiben.

Nicht umsonst gaben 44 Prozent der Umfrage-Teilnehmer an, regelmäßig Maßnahmen ergreifen zu müssen, um die Integration des Kindes zu gewährleisten. Mit einem Mal informieren ist es also auf keinen Fall getan, wie diese konkreten Kommentare zeigen:

„Die Lieferung von Ersatzprodukten bei gemeinsamem Frühstück, Geburtstagen, Feiern.“

„Spezielle Snacks mitgeben, Adventskalender basteln.“

„Aufklärung betreiben, bei Aktivitäten begleiten.“

„Ausflüge müssen immer extra organisiert werden.“

„ALLES selbst mitbringen und z B beim Kochkurs „gesundes Essen“ mit teilnehmen, um ihr überhaupt eine Teilnahme zu ermöglichen.“

„Informationen bei Elternabenden, Verabredungen überwiegend bei sich zuhause, Listen für die anderen Eltern.“

„Immer wieder Betreuungspersonen erinnern.“

„Mittagessen persönlich in die Schule bringen, Snacks bereitstellen, Ausflüge begleiten, Personal im Umgang mit Notfallset schulen.“

„Bei Lehrer- und Erzieherwechsel Info und Briefing, Elternabend- Infos bzw. Rundbrief an Eltern in Klasse und Hort. Klassenfahrten, Schullandheim vorher alles abklären.“

„Mit Küche telefonieren, Essenspläne anschauen ggfls. selbst Ersatz mitbringen, Gruppen-Frühstück checken/ Teile selbst einkaufen, mit Erzieherinnen sprechen, auf Gefahren (bspw. Vogelfutter) hinweisen, bei Festen bei Lieferanten/anderen Eltern anfragen usw.“

„Wir haben einen Brief an die Eltern geschrieben und die Allergie erklärt. Die Grundschule hat ein Erdnussverbot in der gesamten Schule gemacht.“

„Alljährliches Plätzchenbacken in der Klasse, wir stellen mittlerweile den kompletten Teig. Ist so einfacher.“

„Besondere Aktivitäten erfragen und für das Kind gestalten (von alleine kommt nichts).“

„Nachfragen, bei Feiern das Essen abklären, überall das Notfallset erklären, wo das Kind ohne Eltern ist.“

„Snacks für alle kaufen, täglich Essen kochen, für Feste einkaufen.“

„Personal schulen, bei Bedarf extra Essen mitgeben, z. B. wenn ein anderes Kind Geburtstag hat, bzw. das Essen vorher abklären. Bei Ausflügen usw. immer vorher die Verpflegung abklären.“


Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten: Licht und Schatten auf allen Ebenen!

Dass die Umfrageteilnehmer Handlungsbedarf auf allen Ebenen sehen, verwundert nicht. 53 Prozent fordern mehr Aufklärung und Information der Öffentlichkeit, 25 Prozent eine verbesserte Rechtslage mit Anspruch auf Eingehen auf Unverträglichkeiten der Kinder durch die jeweilige Einrichtung und 22 Prozent sind der Meinung, dass eine bessere Ausbildung der Betreuer hilfreich wäre. Bemängelt wird hier unter anderem, dass diese sich häufig weigern, dem Kind im Notfall Medikamente zu geben.

Betont wurde vielfach, dass bei allen drei Punkten ein Handlungsbedarf besteht, exemplarisch sei hier dieser Kommentar zitiert „Es ist anstrengend, immer überall aufklären zu müssen und immer wieder auch auf Unverständnis und auch z. T. Unwillen zu stoßen. Es wäre so schön, wenn das Thema mal ernst genommen würde.“

Nicht alles ist jedoch schwarz und grau, es gibt Beispiele für eine gelungene Integration von Kindern mit Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten. So gaben einige Umfrageteilnehmer an:

„Bei uns funktioniert alles tadellos. Bei Geburtstagsfeiern werden die Eltern im Vorhinein kontaktiert.“  

„Bei uns an der Schule wurde das komplette Personal professionell geschult, weiterhin finden die Wiederholungsschulungen 2 Mal im Jahr durch die Mutter statt.“

Mit jedem Wechsel der Einrichtung müssen die Eltern jedoch von vorne anfangen, was durchaus auch als Bedrohung empfunden wird:

„Wir haben großes Glück, dass die Leitung uns freiwillig so sehr entgegen kommt; in jeder nächsten Einrichtung sind wir wieder auf diese Freiwilligkeit angewiesen, was ein großes Maß an Zukunftsangst für uns mit sich bringt.“

„Integration ist bei Kindern mit Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten kein Selbstläufer“ , das ist das Fazit, dass man aus der Umfrage ziehen kann. Es kommt auf das Entgegenkommen und die Motivation handelnden Personen an und auf die Eigeninitiative und Geduld der Eltern. Es gibt also noch viel zu tun!

Eines wurde durch die Ergebnisse unserer Umfrage mehr als deutlich: Ob Kinder mit Nahrungsmittelallergien, Anaphylaxie, Zöliakie oder Intoleranzen in den jeweiligen Einrichtungen gut integriert sind, ist individuell sehr unterschiedlich und hängt sowohl vom Goodwill der Beteiligten als auch von Zufall ab“ folgerte Sabine Jossé von MeinAllergiePortal, „das Ergebnis einheitlicher Regelungen scheint dies eher nicht zu sein“!