α-Gal-Syndrom Fleischallergie Ursachen Symptome Risiken

Prof. Dr. Uta Jappe zum Thema: α-Gal-Syndrom? Fleischallergie? Ursachen, Symptome, Risiken!

α-Gal-Syndrom? Fleischallergie? Ursachen, Symptome, Risiken!

Welche weiteren Faktoren können bei der Fleischallergie das Auftreten allergischer Reaktionen begünstigen?

Zum einen ist die aufgenommene Fleischmenge ein Faktor. Bei Provokationen beobachten wir immer wieder, dass die Patienten erst ab einer gewissen, individuell unterschiedlichen Fleischmenge auf die auslösende α-Gal-Konzentration kommen, die die Symptome auslöst. Die Patienten schildern auch immer wieder, dass sie in der Regel Fleisch vertragen und dass sich nur manchmal Symptome zeigen.

Ein weiterer Faktor ist, dass die Patienten unterschiedlich sensibilisiert sind- α-Gal ist nicht gleich α-Gal. Dieses Phänomen ist auch bei anderen Nahrungsmittelallergenen bekannt, aber beim α-Gal Syndrom scheint es unterschiedliche Konstellationen zu geben.

In diesem Zusammenhang haben wir festgestellt, dass bei der Fleischallergie auch die die Art der Zubereitung eine Rolle spielt.

Welche Rolle spielt beim α-Gal-Syndrom die Zubereitung des Fleisches?

Wenn das Fleisch sehr fett zubereitet wird oder das Fleisch selbst viel Fett enthält, zum Beispiel  bei Spare Ribs, die viel Rinderfett enthalten, scheint dies ein zusätzlicher Faktor im Sinne des α-Gal Syndroms zu sein, der das Auftreten von Symptomen begünstigt. Reines Muskelfleisch, zum Beispiel in Form eines Steaks, enthält nur sehr wenig Fett und ist damit verträglicher. Man vermutet daher, dass das Fett bei der Resorption dieses Allergens eine Rolle spielt, bewiesen ist dies jedoch noch nicht.

Für die Patienten wird es durch diese Faktoren sehr schwierig, dem fragenden Allergologen das mögliche auslösende Agens zu nennen. Der Patient wird immer sagen: „Ich habe doch nichts Neues gegessen, Fleisch verzehre ich doch schon immer“. Als Allergologe muss man hier in der Anamnese genau nachfragen, zum Beispiel: „Wie essen Sie normalerweise Fleisch, und in welcher Zubereitungsform haben Sie es im Vorfeld der allergischen Reaktion in der Nacht verzehrt?“

Ebenso konnten wir sehen, dass insbesondere Innereien ein häufiger Auslöser allergischer Reaktionen bei Fleischallergikern sind.

Warum sind Innereien ein häufiger Auslöser allergischer Reaktionen bei Menschen mit α-Gal-Syndrom?

Hier im Forschungszentrum Borstel  haben wir bewiesen, dass Nierchen im Vergleich zu Muskelfleisch deutlich mehr α-Gal enthalten Das bedeutet, die Patienten nehmen mit Nierchen eine deutlich höhere α-Gal –Konzentration zu sich, als bei einer Mahlzeit, die aus reinem Muskelfleisch besteht. Dies scheint ebenso für Leber und andere Innereien der Fall zu sein. Deshalb ist die Frage „Haben Sie Innereien oder Produkte, die Innereinen enthalten, wie zum Beispiel Leber, Nierchen, Würste, etc. verzehrt?“ ein wichtiger Teil der Anamnese.

Bei anaphylaktischen Reaktionen können auch Faktoren wie physische Anstrengung, Infekte etc. eine Rolle spielen, gilt dies auch für Anaphylaxien bei Fleischallergikern?

Auch bei der Fleischallergie ist körperliche Belastung mit einer schneller einsetzenden Reaktion auf α-Gal-haltiges Fleisch assoziiert.

 

Kann man sagen, wann es beim α-Gal-Syndrom zu einer schnellen und wann zu einer verzögerten Reaktion kommt?

Ob es zu einer schnellen oder einer verzögerten Reaktion kommt, hängt von der Konzentration des α-Gal ab. Man hat beobachtet, dass es bei Patienten, die Nierchen verzehrt haben, sehr schnell zu einer Soforttyp-Reaktion kommt und nicht erst nach 12 Stunden. Deshalb vermutet man hier eine Dosisabhängigkeit.

Wie erfolgt die Diagnose eines α-Gal-Syndroms?

Die Diagnose erfolgt über eine ausführliche Befragung des Patienten und über Bluttestungen. Wir nutzen zur Diagnose unserer Patienten einen Spezialtest1), der mehrere α-Gal-haltige Proteine enthält. Zuvor hatten wir gesehen, dass Patienten mit einer ganz klaren Anamnese für das α-Gal Syndrom in den zur Verfügung stehenden Routinetests nicht immer positiv sind. Mit unserem Multianalyte Assay erfassen wir deshalb Patienten, die mit der Routinediagnostik manchmal nicht erfassbar sind. Bei unklaren Fällen würde man eine orale Provokation mit Fleisch unter stationären Bedingungen durchführen.

Was müssen Fleischallergiker beachten, wenn die Diagnose gestellt wurde?

Patienten mit α-Gal-Syndrom sollten Säugetier-Fleisch, Innereien und Produkte, die dies enthalten, meiden.

Aufgrund der Kreuzreaktibilität zu Gelatine sollten auch gelatinehaltige Produkte wie Gummibärchen, Puddings, Joghurtzubereitungen, Konserven etc. gemieden werden. Dabei ist zu beachten, dass Gelatine auch in Produkten enthalten sein kann, bei denen man dies nicht erwartet. Es gilt also, die Zutatenlisten zu lesen.  

Dies gilt ebenso für Medikamente, die ebenfalls Gelatine enthalten können, wie Tabletten Kapseln, Zäpfchen, Infusionen und Impfstoffe. Auch tierische Herzklappen können Gelatine enthalten. Dies sollte auch im Allergiepass vermerkt werden.

Frau Prof. Jappe, herzlichen Dank für dieses Gespräch!       

   

Quellen:

1) U. Jappe  et. Al, Meat allergy associated with galactosyl‐α‐(1,3)‐galactose (α‐Gal)—Closing diagnostic gaps by anti‐α‐Gal IgE immune profiling, First published: 03 July 2017 https://doi.org/10.1111/all.13238

2) U. Jappe. Allergie auf Säugetierfleisch. alphaGAL: Neues Epitop – neue Entität? Der Hautarzt 2012; 63: 299-306

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